Public Viewing bei WM

Verhaltenes Interesse

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Gut vorbereitet ist man am Bürgeler Campingplatz. Den Fahnen nach zu urteilen geht das erste Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal 3:1 zu ihren Gunsten aus. „Na, wenn das kein gutes Omen ist“, meint unser Leser und Fotograf Jürgen Gries.

Offenbach - Es ist wieder soweit: WM-Zeit ist Public-Viewing-Zeit. Doch dieses Jahr bremsen unter anderem späte Anstoßzeiten die Euphorie bei Gastwirten und Veranstaltern. Von Sarah Neder 

Wer von heute an die Fußball-Weltmeisterschaft lieber auf einer Großleinwand mit Stadionatmosphäre als im eigenen Wohnzimmer verfolgen will, hat in Offenbach Möglichkeiten: Der Hafen 2 (Nordring 129) eröffnet um 22 Uhr sein „Hafenstadion“ mit der Partie Brasilien gegen Kroatien.

Der Kulturverein will alle Begegnungen aus Südamerika übertragen – mal im Café, mal in der Halle, und wenn der Ansturm für diese Räumlichkeiten zu groß ist auf dem benachbarten Messeparkplatz. Bei der EM 2012 konnten Hafengäste ihre Mannschaft noch vom Lokschuppen aus anfeuern. Wie damals ist auch dieses Jahr der Eintritt frei.

Eine weitere Anlaufstelle für Fans des gemeinsamen Fußballguckens ist das Offenbacher Cinemaxx (Berliner Straße 210). Dort gibt es in bester Bild- und Tonqualität kostenlose Übertragungen der Gruppenspiele mit deutscher Beteiligung sowie die Achtel-, Viertel- und Halbfinale, das Spiel um Platz drei und das Finale. Auch der King Kamehameha Beachclub (Hafeninsel) zeigt alle Spiele auf seiner Großleinwand am Strand.

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Bei der WM 2006 fieberten Fans noch im Ring-Center mit. Jedoch seien damals nur die Partien mit deutscher Beteiligung gut besucht gewesen, weiß Stadtsprecher Matthias Müller, weshalb die Aktion einmalig blieb. Auch das Kickersstadion, das die Offenbacher Variante zum Public Viewing in der Commerzbank-Arena hätte sein können, bleibt während der Weltmeisterschaft leer. Eine zur kommerziellen Übertragung notwendige Lizenz von der FIFA wäre schlicht zu teuer, heißt es bei der Stadionverwaltung. Von der Stadt gab es bereits zur vorigen Weltmeisterschaft Überlegungen, eine öffentliche Leinwand aufzustellen, erinnert sich Müller. Da aber eine erste Rechnung auf Kosten zwischen 80.000 und  100.000 Euro kam, entschied sie sich, das gemeinschaftliche Gucken lieber der Gastronomie zu überlassen.

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Auch die Offenbacher Kneipen schwimmen dieses Jahr nicht alle auf der Fußballwelle. Manche erhoffen sich sogar ein Alleinstellungsmerkmal als fußballfreie Gaststätte. Andere stören sich an den späten Anstoßzeiten, bedingt durch die fünfstündige Zeitverschiebung zwischen Deutschland und Brasilien. Wie etwa Markthauschef Eric Münch. „Die späten Anstoßzeiten waren ausschlaggebend dafür, dass wir dieses Jahr WM-freie Zone bleiben“, so der Wirt vom Wilhelmsplatz. „Außerdem gibt es einen Haufen Gäste, der sich gar nicht für Fußball interessieren“, weiß Münch.

Um die Scheu der Gastronomen wegen der nächtlichen Ausstrahlungszeiten weiß man auch beim Ordnungsamt. Seit knapp einer Woche können Bars, Cafés oder Restaurants dort ihre Anträge für die WM-Übertragung im Außenbereich einreichen – die Bilanz ist ernüchternd: Kein Antrag ist bisher eingegangen. „Dieses Jahr ist alles sehr kurzfristig“, wissen die Beamten. Man bemühe sich jedoch, einkommende Anträge schnell zu bearbeiten.

Offen ist, ob die verhaltene Resonanz der Wirte an den späten Spielzeiten, am allgemeinen Desinteresse oder an der saftigen Sondernutzungsgebühr öffentlicher Flächen von 60 Euro liegt, die das Ordnungsamt pro übertragenes Spiel verlangt.

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