Pulsschlag der Stadt erspüren

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Läuft mit offenen Augen durch ihre Stadt: Anna P. Köhler hält ihre Beobachtungen in ihrem Internettagebuch (Blog) fest und lässt alle dran teilhaben.

Offenbach ‐ Eins steht fest: Offenbacher Lokalpatriotismus ist nicht immer angeboren. Auch bei Zugezogenen, so genannten Eingeplackten, ist er zu finden. Manchmal ausgeprägter als man denkt. Von Katharina Platt

Erst seit drei Jahren darf sich Anna P. Köhler als WahlOffenbacherin bezeichnen. Denn 2007 zog sie der Liebe wegen an den Main. Die Liebe zur Stadt kam etwas später. Dafür aber umso intensiver. Und wird von der 24-Jährigen regelmäßig demonstriert. Nämlich in ihrem Internetblog (eine Art öffentliches Tagebuch, das im Internet nachzulesen ist) über Offenbach. Die junge Grafik-Designerin nutzt die digitale Plattform, um Neuigkeiten aus ihrer Stadt zu erzählen. Oft sind es kleine Dinge, die Anna P. Köhler ins Auge springen und die sie dann in Wort und Bild umsetzt. „Ich halte einfach immer die Augen offen“, sagt die junge Frau. „Wenn das Bewusstsein geschärft ist, fallen einem viele interessante Dinge auf.“

Die Themen, die sie in flotter Sprache und knappen Sätzen kommentiert, wählt sie spontan aus: Der Baufortschritt an der Albert-Schweitzer-Schule, die auffälligen Farbspuren in der Fußgängerunterführung zwischen Marien- und Bismarckstraße, das Filmfestival oder eine neue Bar. Anna macht sich Gedanken, was hinter Veränderungen stecken könnte und macht auf sie aufmerksam.

Das Blog finden Sie hier.

Dem Pulsschlag der Stadt verleiht die Norddeutsche eine Sprache. Negatives hat bei ihr allerdings keine Chance. „In der letzten Zeit hat sich in Offenbach viel entwickelt“, sagt sie. „Da will ich die Stadt nicht negativ darstellen.“ Die oft düstere Sicht auf ihre Wahlheimat ärgert sie. „Die Offenbacher sollten ihre Stadt endlich lieben lernen.“ Ihre Zuneigung zu der kleinen Großstadt entdeckt sie täglich in den scheinbar belanglosen, oft unscheinbaren Dingen. Auf dem Weg zur Arbeit oder zum Sprachkurs hat sie oft ihre Kamera dabei und hält fest, was andere blind passieren. Der professionelle Umgang mit dem Medium Internet ist für sie ein Leichtes, denn er ist Teil ihres Berufs. Anna P. Köhler ist Grafikern in einer Werbeagentur in der Heynefabrik. Kreativ gestalten und innovative Ideen entwickeln, das gehört zu ihrem Alltag. Und dennoch gehen der jungen Frau die Ideen nicht aus.

Nach ihrer Ausbildung an der Berufsfachschule und diversen Praktika stand für sie fest, dass sie das beschauliche Bad Laer-Remsede im Südkreis von Osnabrück gegen Offenbach eintauschen würde. Bereut hat sie es keine Minute. „Ich wollte mein neues Zuhause genau kennen lernen“, erzählt sie. „Deshalb habe ich angefangen, auf die Details zu achten.“ Viele Bilder und Eindrücke hat sie seitdem zusammengetragen. Diese „Perspektiven, die nicht jedem auffallen“, möchte sie in einem Offenbach-Bildband veröffentlichen. Noch ist ihr Werk nicht vollendet.

Mittlerweile hat sie einige Lieblingsplätze in der Stadt. Ihre Mittagspause verbringt sie bei Sonnenschein gerne im Büsingpark. „Da habe ich schon die dollsten Sachen erlebt“, sagt sie und lacht. Großer Fan ist Anna P. Köhler auch vom alten Ortskern in Bieber und dem Wochenmarkt. Dort kauft sie auch die Kräuter für die Grüne Soße, die ihr so ans Herz gewachsen ist. Jedoch nicht von Anfang an. „Als ich sie zum ersten Mal probiert habe, dachte ich, ich esse Gras“, erinnert sie sich. Doch diese Meinung hat sie schnell revidiert. Nur Handkäse und Apfelwein kann sie nicht viel abgewinnen.

Täglich stellt sie neue Kommentare oder Bilder ins Netz und informiert damit nicht nur interessierte Bürger, sondern motiviert auch, regelmäßig einen genauen Blick auf die Lederstadt zu werfen.

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