Am Pult dominieren Damen

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Stadtverordnetenvorsteher Erik Lehmann ehrte die Sieger: die Rhein-Main-Vokalisten mit Waldtraud Tschech, die Offenbacher Kantorei mit Meike Hennigsen und den Gospelchor Swinging Low mit Katharina Schaller-Wenzeitschke.

Offenbach - „Vielseitigkeit und Experimentierfreude“ faszinierten den Stadtverordneten Erik Lehmann, beim ersten Festival der Chöre 2003 noch als „Humoria“-Sänger auf der Bühne. Ein dickes Lob für gute Literaturauswahl zollten die Juroren. Von Klaus Ackermann

Und nicht zuletzt gab's reichlich Beifall im gut besuchten Büsingpalais für die 340 Sängerinnen und Sänger aus zwölf Chören, die sich dem 3. Offenbacher Chorwettbewerb gestellt hatten. Am Ende eines teils hochkarätigen Wettstreits nach Noten hatten die Rhein-Main-Vokalisten (Kategorie A), die Offenbacher Kantorei mit Tobias Koriath (Kategorie B) und der Gospelchor „Swing Low“ unter Oliver Alt (Kategorie C) die Nase vorn. Dotiert war der Chorwettbewerb mit 3300 Euro.

Ermunternder Beifall und eine aufs Publikum übergreifende Hochspannung im Jacques-Offenbach-Saal: Die von Männer- und Frauenstimmen gut durchmischten Rhein-Main-Vokalisten erobern die Bühne. Und sie haben eine Überraschung im Klanggepäck, die köstliche musikalische Parodie „Der konsequente Kurkonzertbesucher“, von ihrem Leiter Jürgen Blume auf einen Text des spitzfindigen Hans Dieter Hüsch komponiert und zwischen Volkslied, Clementi und Schubert das witzige Porträt eines unverbesserlichen Musikliebhabers zeichnend. Eine köstliche Schmunzelarie.

Informationen zum 3. Offenbacher Chorwettbewerb, dem Siegerchor und weitere Porträts aller teilnehmenden Gruppen finden Sie hier.

Das Glück, von einem hiesigen renommierten Komponisten beliefert zu werden, hat nur noch der von Brigitte Rudin geleitete Kammerchor der Marienschule, zweiter Preisträger in der Kategorie A. Stimmlich ausdrucksvoll zeichnen die jungen Frauen „Nächtlicher Himmel“ auf einen Brieftext von Vincent van Gogh nach, am Klavier begleitet vom Komponisten Rolf Rudin, in dessen wie bedrohlich wirkenden Passagen sich der Wahnsinn des genialen Malers schon anzukündigen scheint. Den dritten Platz nimmt hier der Offenbacher Oratorienchor (Leitung: Regine Marie Wilke) ein, der sich mit einem alten norwegischen Volkslied in die Herzen der Zuhörer singt und schwingt.

Einen aufmunternden Beifall wünscht sich Claudia Zinecker für den nächsten Chor, Moderatorin des Sängerwettstreits und über das umfassende Programm nicht im Unklaren lassend.

Doch einmal auf der Bühne legen die Damen des Gospelchors der Gustav-Adolf-Gemeinde Bürgel, am Klavier assistiert von Hans-Wolfram Hooge (auch bei „Swing Low“ mit von der Partie), ihre Nervosität schnell ab, swingend Glaube bezeugend in Traditionals und Spirituals, die Leiterin Ulrike Fausel klanglich gut ausstaffiert hat. Ein dritter Platz in der Kategorie C ist der Lohn, hinter der Rumpenheimer Kantorei (Leitung: Johanna Grell), die mit geistlichen Sätzen aufwartet, ebenfalls ein gewichtiges Segment des Wettbewerbprogramms, das zudem eine Lanze für den Romantiker Johannes Brahms bricht. Von der frühen Mehrstimmigkeit eines Josquin Desprez bis hin zu den effektvoll arrangierten Evergreens des Operettenkomponisten Willi Kollo reicht die üppige Palette. Und kein Lied ist zweimal vertreten. Erstaunlich, dass die großen Männerchor-Matadore hier fehlen. Bemerkenswert auch die vielen jungen Damen am Dirigentenpult wie Katja Blumenhein vom Studio-Chor, der sich den zweiten Platz in der Kategorie B mit dem Jungen Chor des GV Concordia teilt. Den leitet Pia Oberbilly. Dritter ist hier GV Frohsinn Bieber. Urkunden erhalten der Frauenchor (Bettina Hey) und die von Martin Höllenriegel dirigierten Männer des GV Humoria Bürgel.

Zudem hat der Sängerkreis Offenbach, vertreten durch seinen Vorsitzenden Herbert Thiem und Siegfried Roet, noch Sonderpreise ausgelobt, die an den Jungen Chor der Concordia, den Studio-Chor Offenbach und an den GV Frohsinn Bieber gehen.

Für den künstlerischen Gesamteindruck hatten die Juroren Axel Pfeiffer und Jürgen Fassbender, beide erfahrene Chorleute und Musikwissenschaftler, 0 bis 25 Punkte zu vergeben. Ihre Entscheidungen seien einstimmig gewesen. Denn es habe keine krassen Ausreißer gegeben, so die Chor-Richter, vor allem die „erfreuliche musikalische Darstellung“ herausstreichend. Nur Kinderchöre wurden beim Festival vermisst.

Nach der Preisverleihung gab es Blumen für die uneigennützigen Helfer Claudia Zinecker, Waltraud Schäfer und Lydia Gesenhus sowie das Versprechen eines spürbar erleichterten Erik Lehmann, auch in drei Jahren wieder einen Chorwettbewerb zu veranstalten. Natürlich unter der Regie des Stadtverordneten-Büros - wie weiland zu Initiators Manfred Wirsings Zeiten. Dann machen hoffentlich alle Offenbacher Chöre mit. Schließlich ist Offenbachs Festival der Chöre einzigartig in Hessen.

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