„11 unner einer Kapp“

Punktsieg für den Frohsinn

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Schwungvoll gestaltete die Tanzgarde Rodheim 1973 ihren Auftritt im Bürgerhaus Rumpenheim.

Offenbach - Das Bürgerhaus erlebte die vierte Auflage der etwas anderen Karnevalseröffnung „11 unner einer Kapp“. Was 2009 als Wagnis begann, ist inzwischen fest im närrischen Kalender verankert. Diesmal rockte Willi Herren den Saal. Von Harald H. Richter

Initiator Andreas Bohn konnte erleichtert sein. Sein „Kind“, die Idee in Rumpenheim wieder Saalfastnacht auf die Beine zu stellen, hat laufen gelernt. Das mehr als fünfstündige Programm, das er zusammen mit Sitzungspräsident Rico Longerich und weiteren kreativen Mitstreitern vorbereitet hatte, lockte viele Besucher in den Saal. Kein Wunder, stand doch mit Willi Herren als mitternächtlichem Stargast ein Stimmungsmacher auf der Bühne, der sich auf jenen Brettern, die für viele Künstler die Welt bedeuten, am wohlsten fühlt. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Bühne am Strand von Mallorca aufgebaut ist oder ein paar hundert Meter vom Main entfernt. Doch ehe der 37-jährige Kölsche Jung, der einst als Olli Klatt im TV-Dauerbrenner „Lindenstraße“ bundesweit bekannt wurde, sein Partyschlager-Feuerwerk entfachte, standen erst einmal andere Protagonisten im Vordergrund der allerdings nur leidlich beleuchteten Bühne.

Mit Frohsinn und Humor die fünfte Jahreszeit beginnen, gute Laune bis in die hinterste Stuhlreihe verbreiten – das war das Motto. Trotzdem merkte Sitzungspräsident Rico Longerich betrübt an, dass der Elferrat an diesem Abend nur aus zehn Personen besteht. Sein Vize Hans Joachim Schulz war im Sommer 62-jährig gestorben, und so entschied man, den elften Platz zu seinem Gedenken unbesetzt zu lassen.

Dafür gab sich ihre Majestät, die 38. Bergen-Enkheimer Apfelweinkönigin Susanne I. die Ehre. Die 26-jährige, aus Unterliederbach stammende Pharmaziestudentin, bürgerlich Susanne Barton, versäumte natürlich nicht, dem Sitzungschef einen Bembel zu schenken, den der auch alsbald zu füllen versprach. Zu Beginn hatte bereits – begleitet von der Raga-Spitze – das Kinderprinzenpaar seine Aufwartung gemacht: Prinz Maxi I. und Prinzessin Donna I. mit Hofdame Chiara und „Mohrche“ Vanessa. Auch die sieben kleinen Wikinger der Kindertanzgruppe des Königsteiner Narrenclubs standen am Anfang des Programms, gefolgt von den „Little Devils“ der Tanzgarde Rodheim, die erstmals in Rumpenheim gastierte.

Schlag auf Schlag

Dann ging es Schlag auf Schlag, wechselten karnevalistische Einlagen aller Art einander ab: Humoriges und Gardeauftritte, Stimmungslieder und instrumentale Schlagkraft, wie vom Drumcorps Schwanheim unter Beweis gestellt. Einen zahlenmäßig starken Auftritt legten die 20 Musiker des Fanfarenzuges Zauberklang Gießen hin. Nicht minder bühnenpräsent präsentierte sich das 17-köpfige Show-Ensemble der TSG Blau-Silber Gernsheim mit seiner Adaption des Addams-Family-Musicals. Wolfgang Krüger, bei seinem Karnevalverein Griedel selbst Sitzungspräsident, karikierte in einer humorigen Büttenrede das Gesundheitswesen und plauderte Einzelheiten aus dem bisweilen aufregenden Praxisalltag eines Arztes aus. Immer wieder gab es Tanzeinlagen, etwa durch die „Wilden Wespen“ der Karnevalsgesellschaft Oberrad und die Garde des Sonnenberger Karnevalvereins Narhalla. „Classic meets Rock“ konnte man den Auftritt der Rokoko-Mädchen des Astheimer Carnevals-Ausschusses überschreiben, während der TV Wörth bei seinem Showtanz das Publikum zu einer musikalischen Reise auf dem amerikanischen Kontinent mitnahm.

Lachen bis der Arzt kommt: Wolfgang Krüger.

Die Zuschauer im Saal tanzten ebenfalls – Polonaise natürlich. Und keine geringeren als Rainer und Ralf Kern, die beiden durchgeknallten Partysänger aus Wörth, sorgten als „Duo Spassmaschine“ mit ihren Ballermann-erprobten Partyhits dafür, dass der akustische Stimmungspegel rasant in die Höhe schnellte. Zu Titeln wie der Schoppenhammer „1, 2 Bierchen, jetzt trink mer noch a Flascherl Wein“ und der gerade erst erschienene Kracher „Ramba zamba, rucki zucki“ ließ auch den letzten Gast nicht länger auf dem Stuhl verharren. So wurde reichlich gesungen, geschunkelt, gelacht und manches „Offebach Hallau!“ ausgebracht.

Ein Stimmungsteppich, der für Willi Herren nicht besser hätte ausgebreitet sein können. Und der volksnahe Unterhalter aus der Domstadt, der inzwischen beinahe häufiger auf Mallorca anzutreffen ist als in heimischen Gefilden, sparte nicht mit Komplimenten an die Adresse seiner Fans für die freundliche Aufnahme und den spürbaren Gute-Laune-Faktor der Veranstaltung, unter deren Kapp er sich wohl fühle. Das merkte man auch, als er die Bühne rockte, „Meine Nachbarin“ in den höchsten Tonen lobte und – Anleihen bei anderen Künstlern nehmend – einen Gassenhauer nach dem anderen anstimmte. Konsequenterweise ließen ihn die Fans nicht so bald von der Bühne, so dass Willi Herren noch einiges aufs vorbereitete Repertoire draufpackte und dank hohen Mitsingfaktors das Publikum endgültig für sich vereinnahmte. So endete der närrische Abend erst in tiefer Nacht und mit klarem Punktsieg „Elf zu Null“ für den Frohsinn.

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