Einschnitte für Offenbach

Punktuelle Ausdünnung im Nahverkehr

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So war’s für 2015/16 im Nahverkehrsplan vorgesehen. Dem hat das Stadtparlament dem Grunde nach zugestimmt – allerdings nur mit Einschränkungen. In der Verwaltung heißt es bereits: „Aus fachlicher Sicht tut einiges weh.“

Offenbach - Bürgermeister Peter Schneider ist schwer verschnupft und bleibt seinem Büro fern. Die Presseanfrage beantwortet er trotzdem – von zu Hause aus. Aber vielleicht ist es doch mehr als ein grippaler Infekt. Von Martin Kuhn

Nach dem Gespräch lässt sich zumindest erahnen, dass der Grünen-Politiker leicht verstimmt ist, möglicherweise sogar sauer. Peter Schneider muss Abstriche in einem Segment verkünden, das gemeinhin von der Öko-Partei gefördert wird: der öffentliche Personen-Nahverkehr.

„Aus meiner Sicht gehen die Abstriche weit unter die Grenzen, die der ÖPNV in einer Großstadt wie Offenbach zu leisten und zu bieten hat“, sagt Schneider. Und weiteren Ansinnen zu möglichen Kostenminimierungen erteilt der Bürgermeister schon heute eine Absage: „Mehr wird man nicht sparen können.“ Der nachgeschobene Halbsatz, „wenn man nicht die Ziele der Stadt außer acht lassen will – die Ansiedlung neuer Bürger“, relativiert das etwas, mildert den Standpunkt aber nicht entscheidend.

Disharmonien in der Rathaus-Koalition?

Wird da etwa nur heiße Luft durch die Stadt gefahren. Eine neue Sparrunde ist im Personennahverkehr eingeläutet. Auf Wunsch der Stadtverordneten sollten die Experten zusätzliche Varianten erarbeiten, „die eine weitere deutliche Einsparung mit sich bringen“. Die liegen mittlerweile vor und müssen aber noch von Magistrat und Stadtparlament abgesegnet werden.

Hoppla, gibt es da etwa Disharmonien in der Rathaus-Koalition? Ein lauteres Nachdenken über den Nahverkehr hat Oberbürgermeister Horst Schneider in der jüngsten Parlamentssitzung entfacht. In Zeiten leerer Kassen sei die Quersubventionierung unter dem großen Dach der Stadtwerke Holding zu überdenken: „Das ÖPNV-Angebot in der Stadt muss zielgenauer werden. Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, heiße Luft durch die Stadt zu fahren.“

Der öffentliche Personennahverkehr in Offenbach. Es ist keine endliche Geschichte. Jüngstes Kapitel: Die Fortschreibung des Nahverkehrsplans 2013-2017 (gut 180 Seiten stark) wird im Februar turnusgemäß vom Magistrat ins Parlament eingebracht, allerdings nicht durchgewinkt. Mit Stimmenmehrheit fassen die Parlamentarier einen Zusatzbeschluss, der Einschränkungen enthält. Unter anderem heißt es: „Der Magistrat wird beauftragt, über die Einsparung der ab 2015 zu erwartenden Mehrkosten hinaus weitere Varianten erarbeiten zu lassen, die eine weitere deutliche Einsparung mit sich bringen.“

Zwei zusätzliche Busstränge

Für den Laien beißt es sich ohnehin: Zwei zusätzliche Busstränge sollen die neuen Wohnquartiere Hafen und Bürgel-Ost erschließen, unterm Strich aber soll der gesamte, ohnehin defizitäre Nahverkehr, billiger werden. „Ich folge lediglich dem Auftrag der Stadtverordneten“, betont Schneider. Die hat er jedoch sofort eingebunden und eine fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe gebildet. Inzwischen liegen die Varianten vor – die letztliche Beurteilung aller Fraktionen dazu noch nicht.

Immerhin scheint mittlerweile ein Kompromiss gefunden zu einem emotional hoch besetzten Knackpunkt. Die gekappte Linie 107, die fortan nicht mehr bis zur Wendeschleife am Rumpenheimer Schlosspark geführt wird, (jährliche Kostensenkung: etwa 300.000 Euro), und die neue 108 fahren künftig keine Schleife durch die Ein-Familien-Siedlung Mecklenburger / Brandenburger Straße. Nun geht’s von der Bürgeler Straße (schräg gegenüber der Einfahrt Ernst-Reuter-Schule) um die Hans-Böckler-Siedlung in die Anhalter Straße.

Am bisherigen Angebot wird nichts gekürzt

Dem Bürgermeister ist eines wichtig: Am bisherigen Angebot wird nichts gekürzt. Es geht um Einsparungen von Kosten, die erst noch entstehen – avisiert für 2015/16. Das bedeutet unter anderem, dass die neue Buslinie 108 – vom Marktplatz über den Nordring bis zum Kaiserleigebiet – zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember diesen Jahres startet. Alle weiteren vorgeschlagenen größeren Maßnahmen greifen erst ein Jahr später.

Dann packen die Nahverkehrsplaner aber nicht die große Sense aus. So ist eine immer mal wieder angedachte Kappung des Nachtangebots oder einzelner Buslinien vom Tisch. „Wir gehen da eher ins Detail“, erläutert Anja Georgi, die in Offenbach den Nahverkehr organisiert. Noch im Frühjahr hat die NiO-Geschäftsführerin in den Bussen die Fahrgäste zählen lassen – alle Linien, alle Zeiten, zwei Werktage, ein Samstag, ein Sonntag. Welche Varianten und Möglichkeiten sie genau Magistrat und Stadtverordneten vorlegen, sagen Georgi und Schneider nicht. Aber offenbar geht es an die sogenannten Randzeiten: Taktausdünnungen gibt es wohl am frühen Morgen und am frühen Abend zwischen 18.30 und 20 Uhr. Die Zahl der Busse und somit vor allem Personalkosten könnte sich nahezu halbieren.

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„Es wird wehtun“, prophezeit der Bürgermeister bereits mit Blick auf die Kunden. Für die NiO-Geschäftsführerin und ihr Team besteht zudem die Kunst darin, die Fahrpläne auszudünnen, ohne alle etablierten Kundenströme (Berufspendler, Schulen) zu gefährden. Vom Tisch ist offenbar die Idee, möglicherweise einen (flächendeckenden?) 20-Minuten-Takt zu installieren. Anja Georgi sagt: „Das macht überhaupt keinen Sinn. Dann würden uns alle Autos überholen.“

Auch die anderenorts erprobten Anruf-Sammeltaxis sind für die kleine Großstadt am Main keine Alternative. Die Droschken könnten zwar spätabends einzelne Fahrten übernehmen, „aber Regelverkehre sind durch die Innungen nicht abbildbar, zumal sie nicht über entsprechende Großraumtaxen verfügen“.

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