Caritas: „In Absprache mit Gesundheitsamt isoliert“

Quarantäne in Offenbacher Altenheim aufgehoben

Isolation ist seit Sonntag vorbei: Im Caritas-Altenpflegeheims St. Elisabeth sind wieder alle Wohnbereiche zugänglich.
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Isolation ist seit Sonntag vorbei: Im Caritas-Altenpflegeheims St. Elisabeth sind wieder alle Wohnbereiche zugänglich.

Aufatmen bei den Bewohnern des St.-Elisabeth-Altenpflegeheims der Caritas. Die Quarantänemaßnahmen wurden vergangenen Sonntag aufgehoben. Angehörige dürfen nun wieder ihre Verwandten besuchen. Vorrausgegangen war ein Bericht, in dem die Tochter einer Bewohnerin, Georgia Neumann, die Entscheidung des Gesundheitsamtes als unmenschlich bezeichnete.

Offenbach – Ursprünglich hatten sowohl die Stadt als auch Neumann übereinstimmend berichtet, wegen Infektionsfällen im zweiten Wohnbereich müssten alle Heimbewohner in Isolation. Anfang der Woche steht aber fest: Nur das zweite Stockwerk war von der Quarantäne betroffen.

An der Kritik von Georgia Neumann am Gesundheitsamt ändert das freilich nichts. Denn sie kann bis heute nicht verstehen, warum durchgeimpfte Heimbewohner in ihren Zimmern derart strikt isoliert wurden.

Die Redaktion hat deshalb noch einmal Stadtgesundheitsamtsleiter Dr. Bernhard Bornhofen zu den Beweggründen für die strikte Anordnung befragt.

Er betont: „Wir machen uns eine solche Entscheidung nicht leicht.“ Er sei sich bewusst, wie schlimm eine solche Isolation über einen so langen Zeitraum für die alten Menschen sei. „In dieser Situation ist das aber alternativlos gewesen, auch wenn die meisten Bewohner geimpft waren.“ Denn im Altenwohnheim St. Elisabeth seien auch Einwohner gewesen, die noch keinen Impfschutz gehabt hätten. Auch gebe es keinen Zwang für Mitarbeiter, sich impfen zu lassen. „Dann müssen eben alle in diesem Bereich zum Schutz der Ungeimpften isoliert werden.“

Die Gründe dafür könnten vielfältig sein. „Es gibt Menschen, die zur Zeit der Impfung im Krankenhaus waren oder erst danach ins Heim gezogen sind“, erklärt Bornhofen. „Allerdings gibt es auch immer wieder Angehörige, die nicht wollen, dass ihre Eltern oder Großeltern überhaupt geimpft werden.“

Im Caritas-Altenpflegeheim St. Elisabeth zeigt man ebenfalls Verständnis für die schwierige Situation der Heimbewohner, stellt aber klar, dass man auf Anweisung und in enger Absprache mit dem Gesundheitsamt gehandelt habe. Zudem seien die Bewohner einzeln betreut worden.

„Es ist uns sehr bewusst, dass dies für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine starke Einschränkung und Belastung bedeutet, aber wir wollen und müssen auf Nummer sicher gehen. Denn trotz einer erfreulich hohen Impfquote in unserem Haus, sowohl unter Bewohnern als auch Mitarbeitenden, müssen wir diejenigen schützen, die keinen Impfschutz haben“, sagt Caritasdirektor Michael Klein. „Unsere Bewohnerinnen und Bewohner sind zudem hochbetagt, da möchten wir auch keine potenziell leichten Covid-19-Krankheitsverläufe unter Geimpften riskieren.“ Zumal es sich um die ansteckendere britische Variante handele. Klein: „Wir machen die Erfahrung, dass die allermeisten Betroffenen und Angehörigen Verständnis für unsere Vorkehrungen aufbringen.“ Die gute Nachricht: Die drei positiv getesteten Heimbewohner sind nicht erkrankt, hätten laut Caritas keine Symptome. Die Ergebnisse der umgehenden Mehrfach-Testungen aller Bewohner und Mitarbeiter zeigten, dass die Schutzmaßnahmen griffen und sich das Virus im Haus nicht weiter ausgebreitet habe.

Doch damit ist die Gefahr nicht gebannt. Bernhard Bornhofen: „Solange es keine entsprechenden neuen Regelungen bezüglich Geimpfter innerhalb von Heimen seitens des Gesetzgebers gibt, sind wir gezwungen auch in Zukunft wieder genauso zu verfahren.“ Er sagt aber auch: „Die Situation wäre eine andere, wenn man Bereiche hätte, in denen nur Bewohner mit Impfschutz leben würden.“ Für diese Bereiche sei eine strikte Isolation dann nicht mehr nötig.

Für Georgia Neumann ist das nur eine Schutzbehauptung. „Ich hätte mir Quarantäne mit Augenmaß gewünscht. Aber so ist es natürlich viel einfacher. Man muss nicht diskutieren, und es gibt klare Anweisungen für alle. Das ist für das Amt das Einfachste, für die Menschen aber problematisch.“

Am Freitag dann eine Überraschung: Denn da klingelte das Telefon bei Neumann. Am Apparat war Ministerpräsident Volker Bouffier persönlich. Er habe, so Neumann, versprochen, den Fall im Auge zu behalten, sollte die Schließung weiter andauern. Am Sonntag dann aber die Entwarnung. Mittlerweile darf Neumann ihre Mutter wieder besuchen. (Von Christian Reinartz)

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