Ein schier endloser Kampf: Die Stadt setzt seit zehn Jahren auf Sauberkeits-Offensive

Quartett ohne Langeweile

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Fürs pressewirksame Bildchen wird zusammengerückt und zusammen gekehrt: Das blau-gelbe Quartett in Aktion auf dem Hugenottenplatz. Wer wachen Auges durch die Innenstadt läuft, muss allerdings erkennen: Es gibt mehr Schmutzfinken als Saubermänner.

Offenbach - Ihr Arbeitsgerät: eine Zange und eine Mülltonne. Ihr Auftrag: Sauberkeit. Seit zehn Jahren entmüllt ein blau-gelbes Quartett die Innenstadt. Stadtrat Paul-Gerhard Weiß sagt: „Hier pulsiert das Leben. Von Martin Kuhn

Die Männer können unabhängig vom festen Reinigungs-Rhythmus schnell reagieren, damit auch tagsüber achtlos weggeworfenes Papier schnell verschwindet. Mein Ziel ist eine höchstmögliche Sauberkeit rings um die Fußgängerzone“. Ein anderes Bild malt die CDU-Stadtverordnete Sigrid Isser. Ihr ist es zu dreckig - an vielen Ecken und Enden. Das sehen sicher viele ähnlich. Es gibt einfach mehr Schmutzfinken als Saubermänner.

Sigrid Isser sind bei einem kurzen Rundgang drei kritische Stellen aufgefallen: der Aufgang der Rathaus-Tiefgarage, die Auf- und Abgänge der S-Bahn, der Wilhelmsplatz an Markttagen. „Man kommt zum Wochenmarkt und sieht als erstes überquellende Mülleimer; darunter noch Müll und Abfalltüten. Warum wird das nicht häufiger geleert?“ Beobachtet hat die CDU-Kommunalpolitikerin das freitags um 10 Uhr.

Ein Beispiel von vielen, das den FDP-Stadtrat sicher zerknirscht. Das ganze erinnert an die griechische Mythologie: Der Held Sisyphos muss zur Strafe in der Unterwelt einen Felsblock einen steilen Hang hinaufrollen; immer kurz bevor er das Ende des Hangs erreicht, entgleitet ihm der Stein, und er muss wieder von vorne anfangen.

Eine ähnliche Sisyphosarbeit erledigen Christopher Noering, Karl-Heinz Drösel, Hans-Jürgen Schneider und Marjan Jurkas. Sie bilden das Quartett, das tagsüber durch die Fußgängerzone mit Zange und Mülltonne patroulliert.

Mit zwei Arbeitsbeschaffungs-Kräften wurde die Reinigungsoffensive als Aktion „Saubere Innenstadt“ gegründet. Heute sammeln während der Hauptgeschäftszeiten vier Mitarbeiter Unrat. Ihr Arbeitsgebiet wurde mit der Kampagne „Besser leben in Offenbach“ erweitert. Es ergänzt heute die Straßenreinigung des Eigenbetriebes ESO bis in die östliche Innenstadt und zum Markthäuschen.

Dass bei der Dienstkleidung gelbe und blaue Farben dominieren, hat freilich nichts mit den Parteifarben des liberalen Stadtrats Weiß zu tun. Man will sich vom gängigen ESO-Orange absetzen. So wird deutlich, dass die Stadt mit der mobilen Aktion zusätzliche Akzente für mehr Sauberkeit setzt. Organisatorisch ist die Truppe ebenso wie die Müllermittler dem Ordnungsamt zugeordnet.

In die Tonnen der Aktion „Sauberes Offenbach“ wandern Papiertaschentücher, Zigarettenkippen, Bananenschalen, Verpackungskartons und vieles mehr, was „unaufmerksame Zeitgenossen“ fallen lassen. Aber die Truppe lässt auch wild abgelagerten Sperrmüll abholen. Vor dem ESO-Wagen kommt meist ein Müllermittler, um Beweise sicherzustellen. Den Verursachern drohen Strafen. Nur vereinzelt löst der Anruf der Müllpolizei Freude aus, etwa in diesem Frühjahr bei einer Offenbacherin. Die Frau hatte einen Scheck in Höhe von 816,46 Euro verloren. Der ehrliche Finder Christopher Noering entdeckte ihn in seiner Zange und erntete dafür den verdienten Dank.

Vor einem Jahr erhielten drei Saubermänner, gefördert von der Main-Arbeit, befristete Arbeitsverträge von der Stadt. In diesem Jahr sollen zwei weitere Mitarbeiter eingestellt werden. Weiß: „Wir wollen das bewährte Projekt fortsetzen. Aber um noch besser und flexibler zu reagieren, brauchen wir zusätzliche Kräfte.“ Und die werden sicher ebensowenig arbeitslos wie der griechische Held...

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