Quelle der Entspannung

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Muße statt Matsch verspricht ab sofort das Umfeld der Quelle an der Leimenkrautschneise im Hainbachtal. Der Rotary-Club spendierte Freizeit- und Erholungswert.

Offenbach ‐ Manchmal sind es die scheinbar einfachen Dinge, die nachhaltig Beeindruckendes bewirken. Zu schlichten Werkzeugen wie Schaufel und Rechen und Handstampfer, aber auch zum knatternden Rüttler griffen am Samstag 30 Mitglieder des Rotary-Clubs und dessen Jugendorganisation Rotaract samt ihrem Präsidenten Gerd Petermann Offenbach. Von Lis Schulmeister

Sie verwandelten unter Anleitung von Landschaftsgärtner Ulrich Stenger die bis dahin fast unzugängliche Umgebung des Schäferborns im Auenwald des Hainbachtals in einen zum Verweilen einladenden Platz.

Schnee und Kälte konnten den seh- und hörbar gut gelaunten Arbeitern nichts anhaben. „Wer das nicht aushält, ist kein guter Rotarier“, sagt lachend Peter Overmann. Und Ulrich Stenger witzelt im hessischen Slang: „Nur die Harte komme in den Garte.“ Auch die Kinder der rotarischen Familie packten mit an.

Stenger hatte schon zwei Tage zuvor mit seinem Mitarbeiter Adrian Daniel das Werk im Wald begonnen. Sie widmeten der Verschönerung des Areals rund um die Quelle an der Leimenkrautschneise 30 Arbeitsstunden. Eine Wasser bindende, zugleich durchlässige Wegedecke aus Bessunger Kies verhindert künftig Matsch und nasse Füße beim Besuch der Quelle im Wald. Die frisch gegrabene Sickerrinne sorgt dafür, dass überschüssiges Wasser in den Hainbach abläuft. Damit Spaziergänger und Wanderer nicht nur gedanklich innehalten können, hat Stenger zwei robuste Bänke und einen Tisch aus kesseldruckimprägniertem Kiefernholz aufgestellt. Auch ein Papierkorb für die üblichen Überbleibsel eines Picknicks in frischer Waldluft zählt zu den Club-Leistungen für das Schäferborn-Projekt. Gesamtwert: etwa 4000 Euro.

„Wir wollen uns nicht nur mit Geld engagieren, sondern eigenhändig etwas bewirken“, sagt Präsident Petermann. Weitere sogenannte Hands-On-Projekte sind für dieses Jahr geplant. Mit von der Partie werden dann auch wieder die jungen Leute von Rotaract sein. „Wir sind begeistert, dass wir zur Mithilfe am Schäferborn eingeladen waren“, freut sich Lisa Marie Börner, Präsidentin der Rotacter.

Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet der Platz in Vergessenheit

Die Idee, die Quelle im Wald wieder in den Blick zu rücken, hatte Club-Mitglied Jürgen Jobmann gehabt. Beim Spaziergang mit seinen Kindern Jan und Julia hatte er verborgen hinter Gesträuch und umgeben von sumpfigem Boden das mit altem Klinker eingefasste und mit einer Namenstafel versehene Rinnsal der Quelle entdeckt. Zu ihrem 150. Gedenktag im vorigen Jahr ließ der Rotary-Club einen auf die Quellmauer gefallenen Baum entfernen. „Wir haben in der Tempelseechronik und im Stadtarchiv geforscht und von der lokalhistorischen Bedeutung der Quelle erfahren“, erzählt Jobmann.

Ihren in eine verwitterte Sandsteinplatte gemeißelten Namen erhielt sie 1859 zu Ehren des damaligen Bürgermeisters August Schäfer. Der sorgte sich um das zu jener Zeit durch wachsende Einwohnerzahl und Industriebetriebe knapp werdende Trinkwasser. Auf der Suche nach neuen Quellen stieß er auf den Schäferborn, der jedoch für eine Wasserleitung nicht ausreichte. Der Mitte des 19. Jahrhunderts weit von der Stadt entfernte Born entwickelte sich rasch zum beliebten Ausflugsziel und Festplatz für Vereine. Sogar einen Springbrunnen hatte Oberförster Müller 1861 gebaut.

Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet der Platz in Vergessenheit. Aujs dem Dornröschenschlaf holten ihn Jahrzehnte später Bürger und Förster. Doch der in der damaligen Lokalpresse gepriesene „neue Glanz im friedvollen Schatten“ währte nicht lange.

Bis zum Einsatz der Rotarier plätscherte die Quelle weitgehend von einer grünen Wildnis überwuchert im Verborgenen. Jetzt strahlt der Platz am Schäferborn einladend und bildet eine lauschige Oase inmitten von alten Hainbuchen, Erlen und Eschen. Rotary-Präsident Petermann hofft, dass Bürger und Liebhaber des Hainbachtales den Platz annehmen.

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