Der Querdenker widmet sich nun seiner Familie

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Der Ruheständler Klaus Bodensohn hält sich von Politik und Ehrenämtern fern.

Offenbach - Was ist nicht alles schon öffentlich über den Kommunalpolitiker Klaus Bodensohn gesagt worden! Einen Querdenker hat man ihn genannt, einen Dickschädel, einen der gern gegen den Strom schwimmt. Von Lothar R. Braun

Dass es schwer sei, ihn zu überzeugen, dass er dann aber verlässlich wie ein Fels stehe, wenn man ihn einmal überzeugt hat. Unbestreitbar ist sein fester Platz in der Geschichte der Offenbacher CDU, umstritten jedoch, wie er den Platz ausfüllte. Am heutigen Mittwoch wird dieser Mann 70 Jahre alt.

Er war ein junger Ingenieur beim Autobahnamt Frankfurt, als er 1972 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt wurde. Schon fünf Jahre später wechselte er als ehrenamtlicher Stadtrat in den Magistrat. 1980 wurde er Stadtbaurat, 1991 für sechs Jahre Bürgermeister der Stadt Offenbach. In den Ruhestand trat er 2004 als Geschäftsführer sowohl der städtischen Dienstleistungsgesellschaft ESO als auch der Stadtwerke Offenbach Holding GmbH.

Seine Partei, der er sich vor nahezu 50 Jahren angeschlossen hatte, erlebte ihn als stellvertretenden Kreisvorsitzenden und als Gründer und ersten Vorsitzenden ihrer Mittelstandsvereinigung. Noch immer ist er Mitglied der Union, obwohl deren örtliche Führung ihn an die vier Jahre lang mehrerer Ausschlussverfahren unterzog. Bodensohn wurden schwerwiegende Verstöße gegen das Parteistatut vorgeworfen. Das ging bis zum Bundesparteigericht in Berlin, das den Rausschmiss schließlich ablehnte.

Zum Zerwürfnis war es im Vorfeld der Oberbürgermeisterwahl von 1999 gekommen. Bodensohn hatte erkennen lassen, dass er den sozialdemokratischen Bewerber Gerhard Grandke für geeigneter hielt als den CDU-Kandidaten Günther Hamann. Damit, so argumentierten seine parteiinternen Gegner, habe er der CDU schweren Schaden zugefügt, denn gewählt wurde tatsächlich der Sozialdemokrat.

Bodensohn indes fühlt sich dem Gebot unterworfen: „Zuerst kommt das Wohl der Stadt, dann das Wohl der Partei“. Deshalb gehörte er in der Union noch zu den Befürwortern einer Großen Koalition mit den Sozialdemokraten, als die CDU-Führung bereits davon abrückte. Mit Grandke verband ihn denn auch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, die selbst von kritischen Beobachtern fruchtbar genannt wird. Seine Überzeugung: „Gestaltungs-Spielräume sind mehr wert als das Rechthaben in der Opposition“.

Zu erkennen ist ein Unbequemer, der Konflikte nicht scheut. Als Ruheständler jedoch hält er sich mittlerweile von der Politik fern. Auch die Fülle der Ehrenämter im katholischen Kirchenbereich hat er abgestreift. Bis 2008 stand er beispielsweise dem Offenbacher Dekanatsrat vor. Er ist noch Ehrenvorsitzender der DJK Eiche Offenbach und des DJK-Landesverbands Hessen, doch aktive Aufgaben hat er dort ebenso niedergelegt wie seine Funktionen in Gremien des Landessportbundes.

Das bedeutet freilich nicht, dass Klaus Bodensohn vom Sport abgelassen habe. Man kann ihn auf Golfanlagen und Tennisplätzen beobachten. Beim Faustball lernt man ihn als einen gefürchteten Balljäger mit blitzschnellen Reaktionen kennen. Einen großen Teil seiner Zeit aber widmet er nun der Familie mit den sieben Enkelkindern: „Da habe ich viel gutzumachen!“ Auszugleichen sind Jahrzehnte, in denen unterschiedliche Bereiche des öffentlichen Lebens weitaus mehr von Klaus Bodensohn hatten als die Familienmitglieder. Davon zeugt noch eine Fülle von Auszeichnungen, zu denen auch das Bundesverdienstkreuz gehört.

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