Hochschule für Gestaltung

Von der Theorie zur Praxis

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Offenbach - Es sei eine umfangreiche Präsentation, äußerte Professor Frank Georg Zebner in seiner Ansprache zur Diplompräsentation der Produktgestalter an der HfG. Sie zeige daher einen Querschnitt des gestalterischen Schaffens in der Hochschule für Gestaltung. Von Claus Wolfschlag

Die zehn Diplomanden hatten sich denn auch mit unterschiedlichen Themen beschäftigt. Hatte Anna-Michèle Hamann die dünnwandige, pilzförmige Schale „Coquille“ gestaltet, so steuerte Aldo Freund eine 3D-Struktur aus Leder bei und Simon Ehses eine digitales Kommunikationssystem. Barbara Wildung entwickelte mit „Balú No.1“ ein Lichtsystem für Räume, in die wenig natürliches Tageslicht einfällt. Die leuchtende dreidimensionale Wellenstruktur soll eine schöne Raumatmosphäre erzeugen und eine Verbindung zur Außenwelt herstellen.

Schon an der Luminale aktiv

„Die Farbe wechselt mit der Tageszeit, es handelt sich also um eine Lichtuhr“, erläuterte Wildung, die schon an der Luminale aktiv beteiligt war. Tageslicht sei nämlich nicht kaltweiß, sondern bestehe aus vielen, einander abwechselnden Farbeindrücken.

In experimenteller Weise beschäftige sich dagegen Philipp Kliem mit dem Licht. In seiner Installation „Klanglicht“ wurden diverse Töne mit Hilfe von bis zu zehn kleinen Leuchten erzeugt.

Wo Licht entsteht, können heiße Funken fliegen. Um davor zu schützen, entwickelte Henrik Vormann seine Schutzmaske „Fred“, die Kurzform von „Face-Respiration-Ears-Device“. „Ich fand das Maskenthema interessant“, sagte Vormann. „Allerdings wollte ich weg von einem das Gesicht vermummenden System. Menschen kommunizieren schließlich viel über Mimik. Wenn das wegfällt, wird nur Distanz geschaffen.“ Gesicht, Gehör und Atmung schützt diese modulare Maske also. Aber das Gesicht des Arbeitenden bleibt aufgrund der durchsichtigen Form trotzdem erkennbar.

Formen der Bewegungen

Ganz unterschiedlichen Formen der Bewegung widmeten sich drei Arbeiten von Studenten. Benjamin Veit entwickelte ein dreirädriges Lastenfahrrad. Das speziell für Fahrradkuriere konzipierte „CityCargo“ verfügt über eine Transportfläche zwischen den beiden Vorderrädern, auf der sich eine wetterfeste und diebstahlsichere Transportbox befestigen lässt. Das Gefährt ist sehr wendig, da sich die Räder in den Kurven neigen können.

Lukas Methner hat sich hingegen dem Klettersport verschrieben. Bouldern ist das Klettern ohne Gurt und Seil an Felswänden und Kletterwänden. Selbst hat Methner diese Sportart schon häufig in Innenhallen oder am Felsenmeer im Odenwald ausgeübt. Da die stark gekrümmten Boulder-Schuhe allerdings nur kurzzeitig tragbar sind, kombinierte er in dem verstellbaren Modell „Ibex“ die Vorteile eines klassischen Kletterschuhs mit einem Boulder-Schuh.

Mehr Komfort ermöglichen

Soll dies mehr Komfort ermöglichen, sehen Steffen Reiters Passagiersitze für Hochgeschwindigkeitszüge eher unbequem aus. Schlicht und dünnwandig erinnern sie an die Plastiksitze mancher S-Bahnen. Doch der Eindruck täuscht. Die Sitze verfügen über eine flexible Rückenlehne, die sich dem oberen Verlauf der Wirbelsäule anschmiegt.

„Komfort sollte nicht äußerlich aufgebauscht werden. Es ging schlicht um angenehmere Reise auf längeren Bahnfahrten. Die Ergonomie der Sitze war dabei ein grundlegender Aspekt“, so Reiter. Durch die Volumen sparende Gestaltung ergibt sich eine geringere Polstermasse, in der sich wiederum weniger Feuchtigkeit und Schmutz ansammeln kann. Seine medizinischen Informationen holte sich Reiter durch umfangreiche Recherche aus Internetstudien. Damit zeigte er, wie eng theoretische und praktische Arbeit bei den Produktgestaltern miteinander verwoben sind.

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