Und ewig locken die Rabatte...

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Kauf drei, zahl zwei: Bald müssen Sommersandalen und Ballerinas wieder den Winterstiefeln weichen.

Offenbach - Prozente, Prozente, Prozente. Die Innenstadt ist voll mit den roten Schildern, die in dicken weißen Lettern vom „Sale“ künden. Von J. Bieniek und R. Poltrock

Auch wenn es den Sommerschlussverkauf (SSV) seit acht Jahren offiziell nicht mehr gibt, locken die Läden ihre Kunden seit Tagen zeitgleich mit Angeboten.

Bislang ist der Sommer noch nicht so richtig auf Hochtouren gelaufen. Wolkenloser Himmel und strahlender Sonnenschein traten bisher nur vereinzelt in Erscheinung. Wohl dem, der zehn Tage Urlaub im Süden gebucht hat! Doch auch wenn, oder gerade weil Petrus ausgiebige Sonnenbäder bislang vermiest und in puncto Temperaturen und Beständigkeit noch viel Luft nach oben ist: Der Sommer hat auch seine guten Seiten. Denn für Daheimgebliebene lohnt sich dieser Tage statt dem Badeseebesuch eine Shoppingtour durch die Innenstadt.

Pünktlich zur Urlaubssaison sind Bikinis, Oberteile, Kleider, Röcke, Shorts, Accessoires und Schuhe zu teils drastisch reduzierten Preisen zu haben. Bikiniteile für drei oder fünf Euro, knallig-bunte Sommerkleider für fünf, sieben oder zehn Euro. Kauft man zwei Paar reduzierte Schuhe, gibt’s das billigere zum halben Preis, bei drei Paaren zahlt man nur zwei. Schnäppchenjäger können sich derzeit wirklich nicht beklagen.

Große Nachfrage

Aber: Nur wer schnell ist, sichert sich die besten Angebote. Denn im Schlussverkauf ist niemand allein. „Wenn reduziert ist, kommen die Leute immer“, bestätigt das Personal im Traditionskaufhaus M. Schneider. „Das Interesse an reduzierten Artikeln ist groß, Angebote machen einfach Spaß.“

Tatsächlich ist der saisonale Ausverkauf stets reizvoll für den Konsumenten. Wer noch sommerliche Bekleidung für den anstehenden Badeurlaub braucht, hat nun die Qual der Wahl. Und das alles für wenig Geld. Schüler können sich mit ihrem Taschengeld komplett einkleiden. So wie Vanessa und Pia, die sich mit etlichen Einkaufstüten bepackt ihren Weg durch die Fußgängerzone bahnen.

Auch bei M. Schneider erinnert man sich an den früher obligatorischen SSV, der offiziell in der letzten Juli- und ersten Augustwoche über die Bühne ging. Auch heute noch geht ohne Aktionen und Preisreduzierungen nicht viel. „Wenn bei uns der Sommer beginnt, ist in unseren Köpfen schon Herbst“, schmunzelt die Verkäuferin. „Die Herbstsachen liegen dann schon im Lager bereit und es muss Platz geschaffen werden. Was Mode angeht, überholen wir uns beinahe selbst.“

Prozente, soweit das Auge reicht

Die Freundinnen plagt bei all den Rabatten indes das schlechte Gewissen. „Wenn die Sachen alle so günstig verkauft werden, verdienen unsere Lieblingsläden ja viel weniger“, so die Überlegung der Schülerinnen. Aber keine Sorge, die Geschäfte veräußern ihre Waren nicht ohne wirtschaftliches Kalkül. Sie wollen nicht auf der Saisonware sitzen bleiben. Im Vorteil ist dabei derjenige, der seine Ware am günstigsten anbietet, denn billiger geht’s immer. Und weil Konkurrenz bekanntlich das Geschäft belebt und sich Kundenschwund niemand leisten kann, ziehen die anderen mit.

Das Resultat: Die Läden überschlagen sich mit Angeboten. Prozente, soweit das Auge reicht. Dafür nehmen Kunden bereitwillig die teils langen Wartezeiten an den Kassen in Kauf und freuen sich darauf, die eben erstandenen Schnäppchen zur Schau zu tragen.

Weniger erfreulich ist nach der Einkaufstour allerdings meist der Blick ins Portemonnaie. Denn das ist oft leerer als erwartet, und ein Blick in die vollen Tüten lässt erahnen, warum. Die Verlockung, bei den Niedrigpreisen mehr zu kaufen als beabsichtigt, ist einfach zu groß und die Gelegenheit im wahrsten Sinne des Wortes günstig.

Aber was soll’s? Dafür hat man der neuen Herbstkollektion quasi den Weg geebnet. Und man will schließlich auch im Winter wieder auf Schnäppchenjagd gehen. Fehlt also eigentlich nur noch eins: der Sommerrabatt auf Eiscreme...

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