Bündnis aus mehreren Initiativen auf großer Demo durch Offenbach

Radeln für die Mobilitätswende

„Wir brauchen einen Paradigmenwechsel bei der Gestaltung der Mobilität in der Stadt“, forderte Jochen Teichmann, der Sprecher der Initiative Radentscheid Offenbach, zu Beginn der Fahrrad-Demo.
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„Wir brauchen einen Paradigmenwechsel bei der Gestaltung der Mobilität in der Stadt“, forderte Jochen Teichmann, der Sprecher der Initiative Radentscheid Offenbach, zu Beginn der Fahrrad-Demo.

Eine riesige Radfahrerkolonne rollte am Samstag durch Offenbach: Am Vormittag versammelten sich etwa 170 Radfahrer vor dem Rathaus, um dann gemeinsam verschiedene Stationen von Bürgel bis zur Hafentreppe anzufahren. Das alles geschah aber nicht als gemütlicher Frühlingsausflug, sondern war mit einem ernsthaften Anliegen verbunden: Unter der organisatorischen Leitung des „Radentscheids Offenbach“ hatten die außerparlamentarischen Initiativen Fridays For Future, der ADFC Offenbach, die VCD Regionalgruppe Rhein-Main, die Bürgerinitiative Natürlich Bieber-Waldhof, die Lokale Agenda 21, der Hafen 2 und die Naturengel Heusenstamm zu einer Fahrraddemonstration aufgerufen.

Offenbach - Geleitet von dem Motto „Offenbach aufs Rad - Verkehrswende jetzt“ machte der Korso bei Kundgebungen in verschiedenen Stadtteilen auf seine politischen Ziele aufmerksam. Der Radentscheid nutzte dabei außerdem die Gelegenheit, die seit September laufende Unterschriftensammlung fortzuführen, durch die die Politik angeregt werden soll, die Verkehrsgegebenheiten für Radfahrer in Offenbach zu verbessern.

„Wir brauchen einen Paradigmenwechsel bei der Gestaltung der Mobilität in Offenbach“, forderte Jochen Teichmann, der Sprecher der Initiative und neben Harry Neß und Kai Kotzian einer von drei Vertrauensleuten. In seiner Eröffnungsrede vor dem Rathaus wies er auf die „sechs klaren Forderungen an die Offenbacher Politik“ hin, um die Verkehrswende auf den Weg zu bringen: Das sind neben einem durchgängigen und leistungsfähigen Radwegenetz auch sichere Rad- und Fußwege, sichere Kreuzungen, mehr Mobilitätsoptionen, zufahrtsbeschränkte Wohngebiete ohne Durchgangsverkehr sowie mehr Abstellplätze für Fahrräder.

Zum Teil würde man diese Forderungen schon in Beschlüssen im bereits 2007 verabschiedeten Verkehrsentwicklungsplan wiederfinden, seien aber bis heute in großen Teilen nicht umgesetzt. Mittlerweile lief beim Magistrat ein Verkehrsentwicklungsplan mit Ausrichtung auf 2035. „Wir können es uns nicht mehr leisten, schöne Ziele für 2035 zu verabschieden und im Hier und Jetzt politisch anspruchsvolle Entscheidungen immer wieder zu vertagen“, erklärte Teichmann in seiner Ansprache. „Wer die Umsetzung politischer Beschlüsse als radikal bezeichnet, verkennt den politischen Handlungsdruck der heutigen Zeit.“

Deswegen hab man im Bürgerbegehren Radentscheid einen Umsetzungszeitraum von fünf Jahren vorgesehen und regelmäßig Sachstandsberichte eingefordert. „Man begegnet uns durchaus mit Sympathie, mit Interesse“. Mittlerweile seien mit den Fraktionen und der Verwaltung etliche Gespräche geführt worden: „Aber nichts kosten darf es.“ Planungsgrundlage könne nicht mehr der vorgeblich unabwendbar steigende Kfz-Bestand in Offenbach sein: „Jetzt mit Mut in die Mobilitätswende zu investieren, heißt auch weniger Folgekosten des Klimawandels in der Zukunft.“ Man müsse sich die Frage stellen, welche Maßnahmen notwendig sind, um die Ziele des Klimaschutzes, der Verkehrssicherheit und der Lebensqualität in unserer Stadt zu erreichen.

Diesen Zielen und Forderungen des Radentscheids schlossen sich die weiteren an der Fahrraddemo beteiligten Initiativen an.

In Anschluss an Jochen Teichmanns Auftaktrede setzte sich der Fahrradkorso in Bewegung bis nach Bürgel, wo die nächste Kundgebung stattfand. Über Rumpenheim, Waldheim, Bieber und dem Hessenring führte der Weg die Demonstration bis zur Hafentreppe. An allen Stopps wurden weitere Reden gehalten.

Über die komplette Tour verteilt waren etwa 250 Teilnehmer bei der Fahrrad-Demo dabei. Trotz eines Plattens, der schnell behoben werden konnte, wurde der Zeitplan eingehalten, so dass alle teilnehmenden Initiativen ihre „knackigen Ansprachen“, wie Jochen Teichmann erfreut betonte, pünktlich am jeweiligen Posten halten konnten.

Am kommenden Sonntag geht es übrigens schon weiter: Dann nehmen die Mitwirkenden des Radentscheids an einer Sternfahrt über die gesperrte A661 nach Frankfurt teil, um neben mehr als 40 weiteren Initiativen unter dem Motto #Klima-Gerecht-Unterwegs für eine konsequente Mobilitätswende zu demonstrieren.

Von Jan Schuba

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