Radweg wird abgespeckt

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Auch ohne Schnee ist der Abschnitt zwischen der SG Wiking und der Kaiserleibrücke keine einladende Piste für Radler.

Offenbach ‐ Es passiert nicht oft, dass in der Politik Entscheidungen noch einmal hinterfragt werden. Wenn’s doch einmal geschieht, ist das meist einem gewissen öffentlichen Druck geschuldet. Von Matthias Dahmer

So geschehen bei der beabsichtigten Luxusversion eines 200 Meter langen Radwegs am Nordring zwischen Kaiserleibrücke und und Goethering. 420 000 Euro wollte die Stadtregierung für diesen Abschnitt des Offenbacher Grünrings spendieren. Nachdem diese Zeitung die Höhe der Kosten kritisiert hatte, machten die Stadtverordneten am Donnerstagabend einen kleinen Rückzieher: Umgestaltet wird jetzt nur noch zwischen Brücke und dem Gelände der SG Wiking. Der weitere Abschnitt soll irgendwann später folgen.

Die dadurch eingesparten 170 000 Euro fließen direkt in den Bau einer zwei Millionen Euro teuren Ein-Feld-Turnhalle an der Grundschule in Bieber-Waldhof, die gemäß einem von der Koalition vorgelegten und von allen Fraktionen außer den Republikanern getragenen Antrag durch weitere Einsparungen bei verschiedenen städtischen Baumaßnahmen finanziert wird.

Edmund Flößer betonte für die Grünen, man betreibe keine „Basta-Politik“, es gebe in diesem Fall gute Gründe, beim Grünring abzuspecken. Gleichwohl sei dieser ein Highlight der weichen Standortfaktoren in Offenbach. Den Abschnitt an der Kaiserleibrücke bezeichnete er als die schäbigste Ecke, die eine Gefahr für Radler darstelle.

Beim Förderverein für die Turnhalle in Waldhof ist man erleichtert über den Beschluss: „Es war unsere letzte Chance“ sagt die Vorsitzende Barbara Waschkun. Wäre die Grundschule ohne Turnhalle saniert und erweitert worden, hätten die Kinder in Waldhof mindestens weitere 20 Jahre nach Bieber ausweichen müssen, um wenigstens einen Teil des ihnen zustehenden Sportunterrichts zu bekommen. Auch die CDU, die zu Lasten des Marktplatz-Umbaus drei Millionen für eine Zwei-Felder-Turnhalle locker machen wollte, begrüßt die Entscheidung: Die Koalition habe es zwar wieder nicht geschafft, über ihren Schatten zu springen und einem CDU-Antrag zuzustimmen, so Fraktionschef Peter Freier. „Aber durch den Antrag sei so viel Druck aufgebaut worden, dass die Koalition gar nicht anders konnte als ja zu dem Projekt zu sagen.“

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