Mysteriöse Verschmutzungen

Rätsel und Ärger um Dreck von oben

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Karosseriebaumeister Robert Stroh vor der verdreckten Haube eines schwarzen BMW.

Offenbach - Sind es anrüchige Hinterlassenschaften aus Flugzeugtoiletten? Oder kommen Bienenvölker als Verursacher in Frage? Sicher ist nur: Mehrere Betriebe im Offenbacher Süden, die mit Autos ihr Geld verdienen, ärgern sich über Dreck, der sich regelmäßig auf ihren Fahrzeugen findet. Von B. Pelka und J. Bieniek

Bei der KBO Rhein-Main GmbH an der Schumannstraße haben die Hinterlassenschaften gravierende Folgen. Die frisch lackierten Fahrzeuge auf dem Hof des Meisterbetriebs für Karosserie und Lack verschmutzen regelmäßig. „Das geht seit 2006 so und beginnt immer etwa im April und endet im Herbst“, umreißt Karosseriebaumeister Robert Stroh das Problem zeitlich. Er ist fest davon überzeugt, dass es sich um Bienenkot handelt.

Die gelblichen Flecken und Spritzer auf den Kundenfahrzeugen sind für die Firma ein enormer wirtschaftlicher Schaden. „Wir müssen die Autos ständig waschen. Das kostet Geld genug. Außerdem würden wir in der Zeit, in der wir waschen, lieber arbeiten und Geld verdienen.“

Die unappetitliche Misere

Die unappetitliche Misere ist auch eine logistische Herausforderung. Stroh: „Wenn ein Kunde sein Auto abholen will, können wir es erst wenige Minuten vorher aus der Halle holen, sonst ist es wieder versaut.“ Und noch eins kommt hinzu: Die KBO-Spezialisten reparieren nicht nur herkömmliche Blechschäden, sondern haben regelmäßig auch teure und empfindliche Patienten, zum Beispiel Oldtimer. „Die stellen wir dauernd in die Halle und in ein Zelt, damit bloß nichts passiert.“

Auch in der Umgebung ist das Problem bekannt. Nachbar Rainer Alig (Industriehydraulik): „Sobald mein Wagen einen Tag lang draußen steht, muss er in die Waschanlage. Und mit einem Mal durchfahren ist es meistens leider nicht getan.“ Alig empfindet das als „Zumutung, auch wenn’s Natur ist“. Bei Scania und Saggio gibt es hingegen keine Beschwerden.

Das hartnäckige gelbliche Ärgernis

Dafür aber bei der Autovermietung Buchbinder etwa 1,5 Kilometer weiter östlich. Filialleiter Giuseppe Monetti kämpft dort ebenfalls mit dem hartnäckigen gelblichen Ärgernis. „Alle zwei Tage muss ich mit meinen Autos durch die Waschananlage, so kann ich sie ja keinem Kunden zumuten“, klagt Monetti. „Wenn die Sonne darauf scheint, verkrusten die Flecken, da hilft nur noch der Dampfstrahler. Sonst frisst sich das Zeug in den Lack.“

Selbst auf den weißen Firmen-Poloshirts wurden die gelben Sprenkel schon ausgemacht. In der benachbarten Mietwerkstatt ein ähnliches Bild: „Seit vier, fünf Jahren haben wir das Problem, aber in diesem Jahr ist es wirklich extrem schlimm.“

Als „Übeltäter“ in Verdacht

Die KBO hat die fleißigen Bewohner des Lehrbienenstands des Imkervereins an der Eberhard-von-Rochow-Straße als „Übeltäter“ in Verdacht. Der Anwalt von KBO will den Vorstand des Vereins schriftlich auffordern, die Bienenstöcke auf dem Vereinsgelände an einen anderen Platz zu stellen. Damit verbindet sich die Hoffnung, dass die Bienen zum Toilettenflug in eine andere Richtung aufbrechen.

Der Vorsitzende des Vereins, Holger Marx, hält es für abwegig, dass die Tiere vom Lehrbienenstand die Sünder sind. Schließlich gebe es im Gebiet um die Schumannstraße etwa 100 Bienenvölker. Und: „Bienen fliegen für ihren Reinigungsflug nicht so weit. Den machen sie nach dem Winter bei erster Gelegenheit in unmittelbarer Nachbarschaft, sobald es etwa neun Grad warm wird. Zum Beispiel im Januar, wie dieses Jahr. Dann schwärmen sie noch einmal im Februar und vielleicht noch einmal im März gemeinsam aus. Danach entleeren sich die Bienen nicht mehr im Schwarm, sondern einzeln und dort, wo sie gerade sammeln oder fliegen.“ Marx bezweifelt, dass Bienenkot die Autos von KBO verschmutzt. „Vielleicht kommt das von Hummeln oder sogar von Flugzeugen.“

„Dreck kommt von den Flugzeugen“

Das gleiche Problem, aber eine andere vermutete Ursache. Für Giuseppe Monetti haben die Flugzeuge Schuld.

Auch Monetti hält die Bienen-Theorie für ausgeschlossen. „Das müssten ja tausende Bienen sein, und die würde man sehen“, ist er sich sicher. „Glauben Sie mir, das sind keine Bäume und auch keine Bienen, der Dreck kommt von den Flugzeugen.“ Für ihn ist die Sache klar. „Wir waschen die Autos, und sobald ein, zwei Flugzeuge drüber fliegen, sind sie wieder voll davon. Da drückt jemand das Knöpfchen, um die Toiletten zu entleeren.“ Ein befreundeter Fraport-Mitarbeiter habe seine Vermutung bekräftigt. „Er hat mir erzählt, dass die Flieger ihre Tanks kurz vor der Landung entleeren müssen – und wir liegen nun mal direkt in der Einflugschneise.“

Bei der Fraport hält man dies für ausgeschlossen. „Die Fäkalien aus der Bordtoilette werden in Tanks abgepumpt, aber nicht abgelassen. Im Normalfall verlieren Flieger während des Landeanflugs keine Flüssigkeit“, so Pressesprecher Dieter Hulick. Zwar habe es früher vereinzelt Probleme mit sogenanntem Blue Ice gegeben – bessere Dichtungsringe hätten aber für Abhilfe gesorgt. „Die Vermutung, es handele sich bei den Verschmutzungen um Fäkalien, kann ich definitv verneinen“, betont Hulick.

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