Zwölf Mercedes’ in Hafen-Tiefgarage geknackt

Rätselraten um eine Aufbruchsmethode

Offenbach – Einer Aufbruchserie in einer privaten Tiefgarage haftet Mysteriöses an: Mit welcher Methode haben es Unbekannte geschafft, mehrere Fahrzeuge zu knacken, ohne an deren Türen Spuren zu hinterlassen?. VON THOMAS KIRSTEIN

Offenbachs Polizei war der Umstand, dass unter der Wohnanlage Hafeninsel 33-44 gleich ein Dutzend neuwertiger Mercedes-Benz-Modelle ihrer Airbags beraubt wurden, keine Meldung wert.

Auf Nachfrage bestätigt Sprecher Rudi Neu den Beutezug, will sich aber nicht auf eine nahe liegende Erklärung einlassen. Opfer hegen den Verdacht, Ganoven hätten das „Keyless-Go“ der Fahrzeuge ausgenutzt. Solche Fern-Schließsysteme können versierte Verbrecher mittels sogenannter Funkwellenverlängerer missbrauchen. Laut Polizist Neu müssten dafür aber Sendeeinheiten im Erdgeschoss angepeilt werden.

Dass alle zwölf Benz-Besitzer im Parterre leben, scheint nun aber eher unwahrscheinlich. „Normalerweise werden auf diese Weise komplette Autos geklaut“, sagt Neu. Man kenne jedoch auch andere Methoden, um Fahrzeuge ohne Beschädigung aufzubrechen, bitte aber um Verständnis, solche lieber nicht beschreiben zu wollen.

Die Täter ordnet er als Profis ein, die sich auf bestimmte Automarken spezialisiert haben und gezielte Bestellungen abarbeiten. Eine Airbag-Kombination baut kein Anfänger, Gelegenheitsdieb oder Beschaffungskrimineller wiederverwendungsfähig aus. „Es ist ja kein Geheimnis: Die Beute geht meist in den Osten“, sagt Rudi Neu.

Im aktuellen Fall wurden die Autos durchwühlt, manche Motorhauben standen offen. Dafür liefert Günter Kiepfer, der Leiter des Kommissariats 22, die Erklärung, dass sie geöffnet wurden, um die Alarmanlagen abzustellen. Denn nicht alle Aufbrüche sind gewaltlos gelungen; bei einigen deutet alles auf den Einsatz sogenannter Ziehfixe hin, wie er unserer Zeitungsgruppe verriet: Eine Schraube wird ins Schloss gedreht und dessen Zylinder mit Gewalt herausgezogen. Von der „Keyless-Go“-Theorie bei den unbeschädigten Fahrzeugen hält auch er nichts. So geht das Rätselraten um die Methode weiter.

Nicht bestätigen kann die Polizei Angaben von Betroffenen, es sei zum wiederholten Male in die Tiefgarage eingebrochen worden. Hafeninsel-Bewohner zeigen sich verunsichert, haben auch von Wohnungseinbrüchen gehört. Akin T. etwa hält die Sicherheitseinrichtungen für verbesserungswürdig. Die Vermieterin, eine renommierte Versicherungsgesellschaft, müsste seiner Meinung nach dringend nachrüsten. Und die Polizei sollte im Hafen doch mal Aufklärungsarbeit leisten.

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