Überfall auf Juweliergeschäft in Nähe des Wilhelmsplatzes

Prozess: Räuber-Trio verpetzt sich gegenseitig 

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Her mit dem Gold! Drei Räuber leerten im Juli 2015 die Vitrinen eines Offenbacher Juweliers.

Offenbach - Seit gestern müssen sich die in Weiterstädter Untersuchungshaft einsitzenden Rytis Z. (26) und Panagiotis K. (23) vor der ersten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt verantworten – weil sie am 25. Juli 2015 einen Offenbacher Juwelier ausraubten. Ein 19-jähriger Komplize wartet auf den Prozess vor dem Jugendgericht. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Ein Opfer, das den Räuber eigenhändig schnappt; Angeklagte, die sich gegenseitig verpetzen; komplette Geständnisse: Wenn Strafverfahren immer so komfortabel verliefen, könnten Justizkosten gesenkt werden. Doch das Nachspiel eines Raubüberfalls nahe dem Wilhelmsplatz wird wohl die Ausnahme bleiben. Z. und K. sitzen auf der Anklagebank, der 19-jährige C., der in Wiesbaden inhaftiert ist, wird gestern als Zeuge vorgeführt, verweigert aber erwartungsgemäß die Auskunft, was ihm nach Paragraf 55 der Strafprozessordnung bei der Gefahr einer Selbstbelastung zusteht.

Auch ohne seine Aussage steht der Tathergang weitgehend fest. Dieser gestaltete sich laut Zeuge und Ladeninhaber R. folgendermaßen: „Es war ein ganz normaler Tag, meine Frau war gerade einkaufen, meine siebenjährige Tochter hatte Ferien, deshalb war die Kleine mit im Laden. Ich hatte gerade Pause gemacht, als um zirka 15.15 Uhr ein scheinbar ganz normaler Kunde an der Ladentür klingelte. Die ist aus Sicherheitsgründen zu und muss per Drücker am Verkaufstresen geöffnet werden.“

Nichtsahnend habe er dem Räuber Z. geöffnet, der sofort den Fuß zwischen die Tür gestellt und so seinen beiden maskierten Komplizen Einlass verschafft habe. Der Pakistani: „Einer hatte ein Messer in der Hand. Ich hatte sofort Angst um meine Tochter, die in der Tür zum Büroraum stand. Auf dem Überwachungsvideo habe ich später gesehen, dass der Bewaffnete dem Mädchen das Messer gezeigt hat!“ In weniger als zwei Minuten soll sich dann diese Szene abgespielt haben: K. hält dem 39-Jährigen die Klinge an den Hals, hindert ihn so daran, einzugreifen oder den Notruf zu betätigen.

Als R. protestiert, gibt es klare Anweisungen: „Halt’s Maul! Wo sind die Tresorschlüssel?“ Derweil räumen zwei Ganoven schon die Vitrinen leer. 126 Armbänder, fünf 100-Gramm-Goldbarren, 22 Fingerringe und zwei Goldketten mit passenden Ohrringen im Gesamtwert von 71 550 Euro verschwinden. Nach weniger als zwei Minuten ist der Spuk ohne Tresorleerung vorbei, die Täter flüchten. R. löst Alarm aus und rennt hinterher. K. trennt sich von seinen Komplizen, sucht Deckung hinter parkenden Autos.

Spektakuläre und kuriose Raubüberfälle

Doch R. hat ihn entdeckt und greift zu. Der Juwelier: „Ich habe ihn von hinten umarmt, wir sind beide zu Boden gegangen. Bei dem Gerangel habe ich mich noch leicht verletzt.“ Zwei Passanten kommen ihm zu Hilfe, wenig später kann K. der Polizei übergeben werden. Auf dem Präsidium verrät er den Beamten die Identität des litauischen „Türöffners“ Z., der wenige Tage später gefasst wird. Dieser wiederum nennt den Namen von C., der ihn angeblich für den Überfall angeworben hat.

Als Hintergrund für den Überfall geben beide Angeklagten an, dringend Geld für ihre Drogensucht beziehungsweise für die Schuldenauslösung bei Dealern benötigt zu haben. Von Cannabis, Kokain, Amphetaminen und sogar Heroin ist die Rede. Ob das zutrifft oder ob es sich um Schutzbehauptungen zwecks Strafmilderung handelt, sollen die Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen Dr. Peter Haag klären. Zwei weitere Verhandlungstage sind geplant.

Bilder: Zehn kuriose Kriminalfälle 2015 in Hessen

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