Räuberin rührt Richter

Offenbach - Die Geschichte dieser Räuberin schreit nach Mitleid, nicht nach Strafe. Das hörten auch Richter Manfred Beck und die Schöffen. Sie ließen die 38-jährige Mutter, die aus lauter Verzweiflung zur Spielzeugpistole gegriffen und eine Tankstelle beraubt hatte, mit einer Bewährungsstrafe davon kommen.

Schon bei der Festnahme in einer Septembernacht des Vorjahres zeigte sich, dass die Polizisten es nicht mit einer professionell Kriminellen zu tun hatten. Sie fanden die Räuberin weinend in einem Park nahe des Tatorts. Sie gestand sofort, was sie getan hatte und warum. Und die Beamten fanden die geschilderte Notsituation bestätigt, als sie die Wohnung der Räuberin besuchten: Im Kühlschrank befand sich nichts Essbares. Strom und Heizung waren wegen unbezahlter Rechnungen abgestellt.

Bei der Gerichtsverhandlung stellte sich heraus, dass die Frau durch eine Krankheit im Mai 2007 den Job verloren hatte. Mit dem Arbeitslosengeld von 700 Euro kam sie nicht mehr aus, seit der getrennt lebende Vater aufgehört hatte, Unterhalt für den Sohn zu zahlen. Da die Miete 600 Euro betrug und sie als weitere Einnahme nur noch Kindergeld in Höhe von 194 Euro erhielt, reichte es nicht einmal mehr fürs Essen. Der Zehnjährige wuchs zudem aus den Klamotten heraus, was die Situation verschärfte. Für neue Kleidung reichte das Geld erst recht nicht. Als die EVO zudem wegen der Außenstände den Strom abstellte, brachte sie ihr Kind zur Großmutter. Die Verzweiflung wuchs, als am 29. September das Amt mitteilte, man könne die Schulbuskosten leider nicht übernehmen. Zudem rückte der elfte Geburtstag des Kleinen immer näher - und die Mutter hatte keine Idee, wie sie eine Feier bestreiten sollte.

Abends suchte sie in einer Fastnachts-Kiste nach Sachen, die ein Fest eventuell aufwerten könnten. Da fiel ihr die Spielzeugpistole in die Hände und brachte sie auf die Idee mit dem Überfall. Sie nahm die Waffe und irrte mit dem Fahrrad stundenlang durch Offenbach. Gegen 3 Uhr kam sie an der Aral-Tankstelle in der Bieberer Straße vorbei.

Zunächst sei sie daran vorbei gefahren, erzählte sie vor Gericht. Sie habe mit sich gerungen, ob sie den Überfall wagen sollte. Schließlich wendete sie das Rad und fuhr zur Tankstelle. Mit der Pistole ging sie in das Gebäude, richtete das Spielzeug auf die junge Kassiererin und forderte Geld. Zugleich entschuldigte sie sich für den Überfall und sagte sie, sie werde alles so schnell wie möglich zurückgeben. Sie brauche das Geld aber dringend. Da die Angestellte sich nicht sicher war, ob die Pistole echt sei, reichte sie vorsichtshalber 450 Euro über den Tresen.

Die Angeklagte bereute vor Gericht die Tat. Sie berichtete, sie habe einige Tage zuvor auch bei einer kirchlichen Organisation vergeblich um Hilfe gebeten. Das Gericht verhängte - dem Antrag des Staatsanwalts folgend - eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Inzwischen hat die Frau wieder Arbeit gefunden und ihre Schulden weitgehend beglichen.

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