Pferdekoppel in den Bieberauen

Das lange Warten an den Bonifer Hills

+
Die Räumung der „Bonifer Hills“ hat begonnen. Doch noch immer prägen die Maschinen und Erdhügel das Bild der Pferdekoppel hinter der Obermühle.

Bieber - Kein Terminvorschlag, keinerlei „Lebenszeichen“. Genau dreieinhalb Monate sind vergangen, seit Sabine Cinner eine weitere Runde im Kampf um die Erhaltung der Pferdekoppel eingeläutet hat. Von Veronika Szeherova

Bei der Bürgerfragestunde vor der Sitzung des Bauausschusses übergab sie 1085 Unterschriften von Befürwortern an Bürgermeister und Umweltdezernent Peter Schneider. Der sicherte zu, ihr Anliegen an Oberbürgermeister Horst Schneider weiterzutragen und ihrer Bitte nach einem Gespräch am runden Tisch nachzukommen. Gehört hat sie seitdem nichts mehr.

Lesen Sie dazu auch:

Die Pferde gehören hier her

Zuspruch für die Pferdekoppel

Protest soll Rathaus erreichen

Streit um Koppel spitzt sich zu

Hügel für Kinder gefährdet

„Keine Nachrichten sind gute Nachrichten“, sieht es die Koppelkämpferin gelassen. „So warte ich sehr gern und ohne Ungeduld – auch bis 2020.“ Wie mehrfach berichtet, droht die Stadt, das seit 1975 als Pferdekoppel genutzte Gelände hinter der Obermühle zu räumen. Begründung: Das als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesene Areal werde „rechtswidrig“ genutzt – Hobby-Pferdehaltung ohne Zucht sei keine Landwirtschaft.

Bereits 1999 drohte die Räumung

Bereits 1999 drohte die Räumung, konnte jedoch unter politischem Einsatz und mithilfe einer Unterschriftensammlung verhindert werden. Seitdem wurde die „Ranch“ offiziell geduldet. Bis das Bauaufsichtsamt Pächter Gerhard Niewiera im Herbst 2012 erneut eine Räumungsankündigung sandte.

Pferdebesitzerin und „Katzenmama“ Cinner sammelte seitdem eifrig Unterschriften, veranlasste eine große Plakat-Aktion, bastelte Foto-Kalender. Bieberer Fraktionen von SPD, CDU und FDP schlugen sich auf die Seite der Befürworter. Erneut wurden Forderungen laut, statt der Koppel das Nachbargelände zu räumen, die als „Bonifer Hills“ bekannte Erdaushub-Lagerstätte. Schließlich sei eine solche Nutzung in den Bieberauen ebenfalls nicht legal. Und im Gegensatz zur Pferdekoppel sei diese auch noch störend.

Tausch mit der Stadt

Kugelrund: Ihren Winterspeck tragen die Stallkatzen noch mit sich.

Die Firma Bonifer indes hat bereits vor zwei Jahren durch einen Tausch mit der Stadt ein Grundstück an der Jacob-Mönch-Straße im Waldhofer Gewerbegebiet erworben. Dort soll der Erdaushub künftig gelagert werden – das war Bestandteil des Tauschvertrags. „Die Hills werden sukzessive bei laufendem Betrieb bis März 2014 geräumt“, teilt Astrid Tschann mit, persönliche Referentin von Peter Schneider. Damit wurde mittlerweile begonnen.

Eigentlich würde Pächter Niewiera gern handeln, nachdem die Hügel endlich ein Stück gewichen sind. Jahrzehnte musste er darauf warten. Er würde den eingedrückten Zaun richten. Das Areal nach und nach auf Vordermann bringen. „Es sieht aus wie ein Truppenübungsplatz nach einem Manöver“, findet auch Cinner. Aber viel Arbeit hinein zu stecken, um das Gelände schließlich doch verlassen zu müssen, komme für den 69-Jährigen nicht infrage. „Ohne Bleibezusage wird Niewiera weder Energie noch Geld investieren“, weiß seine langjährige Unterstützerin.

Also heißt es weiter warten. „Das Thema ist nach wie vor aktuell“, betont Referentin Tschann. Der Sachverhalt werde intern geprüft, die Verantwortlichen würden rechtzeitig kontaktiert.

Pferde Paddy, Primos und Hexe

Von all diesen Dingen wissen die Pferde Paddy, Primos und Hexe nichts. Sie mampfen ihr Heu, lassen den Dreck und Lärm durch die Baumaschinen auf dem Nachbargelände über sich ergehen und freuen sich über zwei neue Mädchen, die seit einem Monat regelmäßig kommen, um die beiden Wallache zu pflegen und zu reiten. „Wir stellen manchmal auf dem Reitplatz kleine Cavaletti-Hindernisse auf. Das ist für die Spaziergänger besonders spannend, sie schauen gern zu“, freut sich Cinner.

Der langwierige Husten, den sich dieses Jahr „ziemlich alle Pferde in Bieber“ eingefangen hätten, sei fast auskuriert. Cinner: „Nach alten Stallmeister-Anleitungen haben wir Inhalatoren gebastelt, täglich dampfte darin Minzöl. Zusätzlich gab es Hustensaft und -tee.“ Die zwölf Stallkatzen dagegen haben den langen Winter völlig unbeschadet überstanden. Zufrieden räkeln sie sich, sobald die Sonne hervorkommt. Ihr Winterspeck ist noch gut zu sehen. „Er hat sie nicht nur vor Kälte geschützt, sondern auch vor Krankheiten“, sagt Cinner.

So nimmt alles seinen gewohnten Lauf. Auch ohne behördliche „Lebenszeichen“. Aber jeden Tag mit Hoffnung – auf gute Nachrichten.

Diese Stars ziehen sich für Tiere aus

Diese Stars ziehen sich für Tiere aus

Kommentare