Ramadan-Ende öffentlich gefeiert

Muslimische Weihnachten

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Eine große Tafel lud am Mathildenplatz zum gemeinsamen Schlemmen ein.

Offenbach - Nach 30 Tagen Fasten freuen sich Muslime aufs mehrtägige Zuckerfest (türkisch: Bayram, arabisch: Eid Al-Fitr) zum Ende des Ramadan. Es gehört zusammen mit dem Opferfest am Höhepunkt der Pilgerfahrt nach Mekka zu den bedeutendsten religiösen Festen im Islam. Von Peter Klein

Einmal mehr wurde es an einer öffentlichen Tafel am Mathildenplatz zelebriert. Einen Monat lang von Sonnenaufgang bis -untergang nichts essen und trinken und das bei diesen Temperaturen – seit Ende vergangener Woche haben die Gläubigen das hinter sich und dürfen sich ganz dem Feiern hingeben.

Das Zuckerfest nutzen viele, um mit Vertretern anderer Religionen öffentlich zu feiern. Die 80-jährige Ingeborg Skotnik sowie ihre Freundinnen, die 84-jährige Lore Meuer und die 69-jährige Gisela Kiefer vom Seniorentreff Lauterborn, sind neugierig dazugestoßen. Was das Zuckerfest bedeutet, wissen die drei Damen nicht, aber sie haben eine Vermutung: „Es hat wohl irgendwas mit dem Ramadan zu tun.“ Dass der heilige Monat zu Ende gegangen ist, erkennt Ingeborg Skotnik auch daran, dass ihre türkischen Nachbarn am Feiern sind. Den Damen gefällt die Stimmung rund um die Tafel, vor allem gefallen ihnen auch die aufgetischten Kuchen und Leckereien.

Zum nunmehr vierten Mal findet das Zuckerfest öffentlich auf dem Mathildenplatz statt und so ist unter den mehr als 100 Besuchern auch lokale Prominenz anzutreffen: Thomas Ruff etwa, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Offenbach (AWO), Mehmet Harmanci, Stadtverordneter der Grünen, oder Hüsamettin Eryilmaz, Ausländerbeauftragter der Polizei. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Initiative „Die Welt in Offenbach zuhause“ – einem Zusammenschluss von AWO, Diakoniekirche, Quartiersmanagment, Freiwilligenzentrum, Deutsch-Türkischem Forum und dem Projekt „Integration im Quartier“.

Stadtrat Felix Schwenke findet es schön, dass sich verschiedene Gruppen zusammengetan haben, besonders auch nicht-muslimische, um gemeinsam zu feiern. „Es ist einer von vielen Beweisen, dass es keine politische Schönrednerei ist, wenn man sagt, dass die Ereignisse der letzten Wochen nicht der Normalfall sind, auch wenn es weiter Probleme gibt“, spielte Schwenke auf die Übergriffe auf einen Rabbiner und ein SWR-Fernsehteam an, aber auch auf die Gewaltvorwürfe muslimischer Jugendlicher gegen die Offenbacher Polizei.

Miteinander der Religionen im Garten der Begegnung

Garten der Begegnung

Dort, wo es Süßigkeiten gibt, dürfen Kinder nicht fehlen, und so sind auch die Kitakinder der Diakoniekirche und der Paul-Gerhard-Gemeinde mit dabei. Ruhiye Sahan ist wegen ihrer Tochter gekommen. Fasten konnte sie aus gesundheitlichen Gründen nicht, aber auf dem Mathildenplatz gefällt ihr, dass Türken nicht unter sich bleiben. So sieht es auch Gülcan Tek-Bilgetkin: „Dass wir wie auch an Weihnachten mit anderen zusammen feiern, das ist für mich Integration“, sagt die 36-jährige Erzieherin.

Als gläubige Muslimin habe sie den Ramadan eingehalten. Die ersten zwei Tage seien sehr schwer gewesen, dann sei es gegangen. Sie habe abends viel Suppe und Salat gegessen und nachts Tee und Wasser getrunken. Am Ende musste sie oft an die Hungerleidenden in Afrika denken: „Wir machen das 30 Tage lang freiwillig, aber die haben das jeden Tag.“

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