Rathaussanierung in Offenbach

Letzter Bauabschnitt verschlingt 7,45 Millionen Euro

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Oben schon hui, unten noch – naja... Nach den Sanierungen der oberen Rathaus-Stockwerke nehmen Arbeiter derzeit die Sockelgeschosse auseinander.

Offenbach - Ungewohnt ist der Anblick, den das Rathaus derzeit bietet: Die Sanierung geht in die Schlussphase. Für 7,45 Millionen Euro verpassen die Arbeiter dem sogenannten Breitfuß jetzt eine Pediküre. Von Markus Terharn

Im Sommer übernächsten Jahres soll’s fertig sein und insgesamt 27,1 Millionen gekostet haben. Ute Listmann kennt ihre Baustelle. Seit 2010 ist sie als Projektleiterin zuständig für die brandschutz- und gebäudetechnische Sanierung des Rathauses. „Bitte achten Sie darauf, wo Sie hintreten“, warnt die Fachreferentin für Technik und Energie im Bauamt. Das ist auch notwendig: Hier fehlt der Bodenbelag; da liegen Metallleisten herum; dort stapelt sich Betonschutt. Überall hängen Strippen.

Rückblick: 2004 hatten die Stadtverordneten beschlossen, die 1971 bezogene, seit 2006 denkmalgeschützte Verwaltungsburg zu sanieren. Die Büros im 15-stöckigen Verwaltungshochhaus sind inzwischen auf modernen Standard gebracht. Nun sind der als Breitfuß bekannte Sockel und der Keller an der Reihe. Im Untergeschoss ist einstweilen nichts zu sehen: Dort werden Rohre verlegt und die Heizung erneuert.

In Erd-, Zwischen- und Obergeschoss hingegen, Bürgern von Behördengängen vertraut, mussten zahlreiche Mitarbeiter ihr Büro räumen. Umgezogen sind Poststelle (ins Bürgerbüro), Standesamt und Bürgerbüro (in neu gemietete Räume im Bernardbau), Fraktionen und Hauptamt (in höhere Etagen) sowie die Stadtverordneten, die von Oktober an in der Bieberer TV-Turnhalle tagen. Und die Pforte wird während der Bauarbeiten zeitweise in einem Container untergebracht.

Wo früher emsig gearbeitet wurde, sind Teppichböden, Heizkörper, Deckenverkleidungen sowie teils ganze Wände rausgerissen. So wird Saal 3 unter Einbeziehung des bisherigen SPD-Domizils zu zwei Sälen umgestaltet. Auch die übrigen Sitzungssäle erhalten ein neues Gesicht. Die ohnehin notwendigen Arbeiten wurden genutzt, um einige Verbesserungen zu verwirklichen.

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So haben die Mitarbeiter – 550 der insgesamt 1030 städtischen Bediensteten – künftig auf jeder Etage eine Teeküche. Vergrößert und verlegt werden die öffentlich zugänglichen Toiletten für Damen, Herren und Behinderte. Was besonders viel Krach macht, also die Abrissarbeiten, wird übrigens nachts erledigt. Unangetastet bleibt die Fassade – da ist der Denkmalschutz vor. Nicht vorgesehen ist eine energetische Grundsanierung – dem stehen die Kosten entgegen. Stattdessen werden die Brüstungen und die außenliegenden Beton-Ecken von innen gedämmt.

So sollen sich die Kohlendioxid-Emissionen im Breitfuß auf 48,6, im gesamten Bau auf 136,95 Tonnen pro Jahr verringern. Die errechnete Einsparung beim Primärenergieverbrauch beträgt 14 Prozent. Und dies, obwohl aus finanziellen Gründen darauf verzichtet wird, die Fenster auszutauschen, was zu einer Verbesserung der Arbeitsplätze geführt hätte. All das geschieht in enger Abstimmung mit dem Hauptamt, das den Raumbedarf des Personals kennt und nennt. Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen. So ist bislang nicht entschieden, ob das Bürgerbüro nach dem Abschluss aller Arbeiten von der Herrnstraße an den Stadthof zurückkehrt. Darüber muss das Stadtparlament befinden.

Weil die Verwaltung zwar auf breitem Fuß arbeitet, nicht aber auf großem Fuß lebt, sind die Kosten knapp kalkuliert. Für den elften und letzten Bauabschnitt stehen 7,45 Millionen Euro im Etat. Dieser Rahmen soll ebenso eingehalten werden wie das gesamte Budget, 27,1 Millionen. Im Sommer 2017 darf die Bevölkerung dann ihr runderneuertes, wiewohl optisch kaum verändertes Rathaus mit einem Fest wieder stolz in Besitz nehmen.

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