Rathausplatz nur zum Üben

Offenbach - Eine Lieblingsfrage von Eltern lautet: „Was hast du dir dabei gedacht?“ In der Regel folgt der Satz umgestoßenen Bechern oder Filzstiftstrichen auf der Tischdecke. Von Stefan Mangold

Bei einem Gang durch Offenbachs Innenstadt drängt sich die Frage ebenfalls auf: Was dachten sich Städteplaner und Architekten dabei, diesen Betonklotz am Marktplatz abzustellen, in dem heute eine Imbisskette Hähnchenstücke verkauft? Wie kam ihnen die Idee, im Stadthof die rechteckigen Bassins zu platzieren, die im Winter die Tristesse des Areals noch unbarmherziger betonen als im Sommer?.

Zum 7. Forum traf sich die Initiative „Aktive Innenstadt Offenbach“ im Rathaus, nur ein paar Meter von diesen Bausünden entfernt. Die Initiative engagiert sich für einen so genannten „Business Improvement District“. Was bedeutet: Wo es übel aussieht, florieren die Geschäfte gedämpft, in verschönerter Umgebung kaufen die Leute mehr ein. „Aufwertung der Innenstadt durch städtebauliche Maßnahmen“, fasst dies Frank Achenbach von der IHK zusammen. Er schlägt ansonsten vor, nur noch von „Karree Offenbach“ zu sprechen, wenn vom Gesamtprojekt die Rede ist – für das die Stadtplanerin Marion Rüber-Steins einen Zuschuss des Landes von 474.000 Euro verkündet. Den hatte Offenbach beantragt.

Umgestaltung des Stadthofs

Karl Bauer, Mitglied der Jury des Architektenwettbewerbs zur Umgestaltung des Stadthofs, erklärt den Anwesenden die Entwürfe der Büros, die auf erste Plätze kamen. In allen Plänen sollen die Bassins verschwinden, jedoch nicht das Wasser.

Hanne Münster-Voswinkel vom Amt für Stadtplanung bringt noch das „Gestaltungsmanual“ ins Spiel. Übersetzt: Es muss einiges in der Innenstadt verschwinden, „sonst kann sich das optisch nicht durchsetzen“, was sich positiv entwickelt habe. Im nächsten Halbjahr soll ein Handbuch entstehen, in dem zu lesen ist, was weg muss. Anschließend stünden die ästhetischen Aufräumarbeiten auf dem Plan.

Dazu passt, was Oberbürgermeister Horst Schneider einwirft: „Der Rathausvorplatz ist zum Üben. Dann kommt der Marktplatz“.

Weshalb es kein Fehler gewesen sein dürfte, dass Offenbach am Ideenwettbewerb des „Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung“ mit dem Projekt „Umgestaltung des Marktplatzes“ teilnahm und gewann, wie Astrid Tschann vom Amt für Stadtplanung verkündet. Zwei junge Planer erhalten ein hilfreiches Stipendium, um ihr Konzept im ersten Halbjahr 2012 in Offenbach umsetzen zu können.

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