Rathaussturm

Des Geld is all, die Kass’ is leer

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Das Offenbacher Rathaus unter Konfetti-Beschuss. Aber das kann doch den ehrenamtlichen Stadtrat nicht erschrecken! Stephan Färber spannt später seinen ganz persönlichen Schutzschirm auf – selbstverständlich in den Bieberer Farben.

Offenbach - Karnevalphobie oder Fastnachterschöpfung? Die lokale Narrenschar weiß es nicht. Fakt ist: Beim Sturm auf die Verwaltungsburg fehlt der hauptamtliche Magistrat. Nun denn. . . Von Silke Gelhausen-Schüßler

Müssen eben andere den Kurs des Beamtenschiffs halten, das sich als Festungswall vor dem Rathauseingang in Stellung gebracht hat, ums kampfbereite Volk in Schach zu halten.

Allen voran steht der ehrenamtliche Stadtrat Stephan Färber mit seiner Kollegin Marianne Herrmann, an deren Seite die SPD-Stadtverordneten Gertrud Marx und Lutz Plaueln. Etwas später erklimmt noch CDU-Fraktionschef Peter Freier das Schiffsdeck. Viel zu verteidigen haben sie ja eigentlich nicht. Aus dem Stadtsäckel ist außer Knöllchen-Kleingeld seit Jahren nichts mehr zu holen. Aber: Es gilt schon aus Prinzip, nicht kampflos das Feld zu räumen. Zudem wartet im Rathaus-Foyer das Freibier.

Auf der anderen Seite: Die gesamte OKV-Streitmacht mit Hofstaat, die Bürgeler Ranzengarde mit Kinderprinzenpaar, die Stadtgarde mit den Icebreakers, der Fanfarenzug Zauberklang aus Gießen und mehrere Hundertschaften Offenbacher Fußvolk. Alle haben ihre Stellung eingenommen: Der Ring ist frei fürs gereimte Wortgefecht!

Färber zu Hofmarschall Manfred Roth: „Du schwarzgefrackter Pinguin, ich glaub du hast en klaane Spleen. Ich teil euch mit, ja bitte sehr, des Geld is all, die Kass’ is leer. Gebt den Weg zum Rathaus frei, un ruft die Steuerzahler rei!“ Solch" Offenbarungseid kommt dem Till (Karl-Heinz Eitel) gerade recht.

So spart er nicht mit Spott und Häme, damit der Stadtrat sich vergräme: „Du Pleiten-, Pech- und Pannenclown, mir wer’n dir gleich den Frack verhau’n. Geb’s Geld heraus, e bissje schnell, sonst gibt’s was uff dei Trommelfell! Du willst net hörn, dann Feuer frei: zielt mitte hier ins Rathaus nei!“

Zu Befehl: Mit Krawumm schießt die Turngesellschaft Offenbach die erste Salve aus der Kanone in Richtung Beamtenschiff. Angesichts weiterer Kostenlawinen, verursacht durch Schäden bedrohlicher Konfetti-Fallouts, lenkt Verteidiger Färber schnell ein: „Halt, ihr Narren, haltet ein, un schießt mir net ins Rathaus rein! Ich geb Befehl jetzt an die Kasse, die solle’s Restgeld zahle lasse!“

Bilder vom Rathaussturm

Rathaussturm: Des Geld is all, die Kass' is leer

Mit energischem Kamellenweitwurf unterstreichen die Kommunalen ihre guten Absichten, allerdings dauere das Geldzählen zwei Tage, und man solle doch nach Hause gehen - angesichts der zu Ende gehenden fünften Jahreszeit eine absolut inakzeptable Verzögerung. Hofmarschall Roth: „Mir lasse uns doch net erpresse, auch dun mir net nur Knolle esse! Kommt ihr net bald hier zu Verstand, dann werdet ihr gleich überrannt.“ So geht es hin und her, bis schließlich die Schiffsinsassen die weiße Fahne schwenken und den überdimensionierten Rathaus-Schlüssel herausgeben. Färber: „Der Rathausschlüssel, er ist hier, den Geldsack übergeben wir, an euch damit ihr endlich wisst, das Färberlein kein Dummer ist!“ Das lassen sich Prinz Matthias I., Hofmarschall und Till nicht zweimal sagen und stürmen das Schiff. Daraufhin holt Färber seinen letzten Joker in Form eines grün-gelben Regenschirms aus dem Ärmel: „Weil im Geldsack wenig drin, kam’s mir grad so in den Sinn: da hab ich schnell – ich geb’s bekannt. für euch den Rettungsschirm gespannt!“ Alle sind zufrieden, der Hofnarr ruft: „Wir kommen jetzt in euern Bau, mit unserm Schlachtruf Offebach Hallau!“

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