Rathaussturm

Die leere Kasse rausgerückt

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Das Trio auf dem Beamtenschiff – links Enno Knobel und Horst Schneider, rechts Lutz Plaueln – musste sich am Ende geschlagen geben. Die Übermacht der Narren erbeutete Kasse und Rathausschlüssel. - Fotos: Georg

offenbach - In diesem Jahr ist es anders: Sie greifen von der Nordseite an, der Stadthof ist wegen der laufenden Bauarbeiten dicht. Doch das trübt die Stimmung der Naren, die am Samstag das Rathaus stürmen wollen, nicht im Geringsten. Von Stefan Mangold 

Für viele Protagonisten des Spektakels geht’s schon langen vor dem Sturm-Termin um 13.11 Uhr los: So müssen sich etwa Manfred Reißmann und Klaus Kohlweyer vom Offenbacher Karnevalverein (OKV) mit der Technik beschäftigen: der Konfettikanone und den Mikrofonen. Als es darauf ankommt, klappt alles. Derweil warten die Icebreakers von der Stadtgarde vorm C&A auf ihren Einsatz. Auch ein Quartett von Mitgliedern der Vergnügungsgesellschaft Blau-Weiß Offenbach harrt in Uniformen aus. „Die Fremdenlegion trägt die gleichen Hüte wie wir“, erklärt Michael Pfeffernuss (51), der Vorsitzende der Vergnügten. Nein, üben müsse das Marschieren niemand mehr. „Ich zum Beispiel mache das seit 37 Jahren.“ Wer bei den Blau-Weißen die „Uniformordnung“ nachlässig handhabt, riskiert einen Rüffel. „Nirgends ein Fleck, kein Knopf darf offen stehen“, erklärt Pfeffernuss die aus der Bundeswehr bekannte Vorschrift.

Zu den Narren, die das Rathaus stürmten, gehörten auch Vertreter des OKV, allen voran Sitzungspräsident Simon Isser.

Vor dem Rathaus wartet bereits Oberbürgermeister Horst Schneider. Er hat die Stadtverordneten Lutz Plaueln und Dr. Enno Knobel zur Verstärkung mitgebracht. Knobel ist erleichtert, es im Gegensatz zum vergangenen Jahr geschafft zu haben, pünktlich zu erscheinen. Das frühere ehrenamtliche Magistratsmitglied bereitet sich zum geschätzten 25. Mal vor, das Rathaus zu verteidigen. Wie immer steht fest: Das Trio auf dem Beamtenschiff wird scheitern. Auch wenn Rathauschef Schneider wie immer versichert: „Ich teil’ euch mit, ja bitte sehr, das Geld is all, die Kass‘ is leer.“ Deren Besitz in der Tat ähnlich wenig Freude bereite, wie als Alleinerbe eines insolventen Onkels im Testament zu stehen.

Trotzdem droht der Hofmarschall und OKV-Vorsitzende Manfred Roth: „Rück‘ ganz schnell die Kohle raus, sonst treibe mer dich aus dei‘m Haus.“ Und Till, den der Textschreiber Karl-Heinz-Eitel mimt, setzt die Artillerie ein: „Kanonier, jetzt eins zwei drei, bumms und voll ins Rathaus nei.“ Plaueln schmeißt Bonbons, Knobel schwenkt die weiße Fahne, Schneider formuliert die Kapitulation: „Den Rathausschlüssel, er ist hier, den Geldsack übergeben wir.“

Im Foyer spielt anschließend die Stadtgarde „Alles nur geklaut“, den Hit der bekannten Musikgruppe „Die Prinzen“. Die Stadtgarde wechselt sich mit dem Spielmanns- und Fanfarenzug aus Hainburg ab, der ebenfalls schon lange vor dem Sturm in der Fußgängerzone die Passanten unterhielt.

Bilder vom Rathaussturm

Rathaussturm in Offenbach

Später trifft sich im Sitzungssaal zu Sekt und Brezeln die Hautevolee aus Karneval und Politik. Natürlich auch Prinz Maxi und Prinzessin Donna, das Kinderprinzenpaar der Bürgeler Ranzengarde (Raga). Nicht wegzudenken sind zudem die Regenten der erwachsenen Narren: Manuela I. und Robert I. In seiner Ansprache hofft der Prinz, die Stadt werde in diesem Jahr den Kulturpreis an den OKV verleihen.

Auch CDU-Fraktionschef Peter Freier bekommt von Raga-Senior Fred Stephan neben Schneider und Knobel einen Orden. Den lehnt Stadtrat Stephan Färber mit einem dezenten Hinweis ab: „Den hab‘ ich schon am letzten Donnerstag bekommen.“

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