Raub von Taschen trainiert

Offenbach - Die Serie von Raubüberfällen, die Seniorinnen seit Monatsbeginn in Angst und Schrecken versetzt, ist aller Wahrscheinlichkeit nach geklärt. Von Marcus Reinsch

Eine Akte, die Offenbachs Kriminalpolizei heute der Staatsanwaltschaft übergeben wird, erzählt die Geschichte von einem Kind und einem jungen Erwachsenen, die vor allem im Lauterborn ein kleines Trainingslager in Sachen Handtaschen- und Geldbörsenraub veranstalteten - mit teils katastrophalen Folgen für die Opfer. Das bestätigte Polizeisprecher Henry Faltin gestern auf Anfrage unserer Zeitung.

Der jüngere Verdächtige ist gerade zwölf Jahre alt und für die Ermittler weder ein unbeschriebenes Blatt noch als hoffnungsloser Fall abgeschrieben. Er hat alles zugegeben. Der ältere, bei dem sein strafunmündiger Kumpan in die Ganovenlehre gegangen sein soll, hat mit seinen 18 Jahren bereits ein ziemlich zerfasertes Kerbholz: Raub, Diebstahl, Drogen, alles in den letzten zwei Jahren.

Und sollte es dem türkischstämmigen Offenbacher wie schon bei seiner Vernehmung auch vor Gericht misslingen, alle Schuld auf den aus Bosnien-Herzegowina stammenden Zwölfjährigen zu schieben, kommen noch fünf Raubüberfälle hinzu.

Erster Samstag im Juni: Eine 82-Jährige läuft, gestützt auf den Rollator, die Sibeliusstraße entlang. Plötzlich bekommt sie einen Schubs von hinten, stürzt fast, während eine Gestalt auf einem weißen Fahrrad den Rollatorkorb samt Handtasche klaut.

Fahndungserfolg dank eines Phantombildes

Sonntag, 14.15 Uhr: In der Jacques-Offenbach-Straße passieren zwei Radler auf weißen Rädern eine 79-Jährige. Einer zerrt an ihrer Tasche, doch die klemmt fest, die Seniorin muss hinter dem Räuber herrennen und -stolpern, um nicht umgerissen zu werden. Sekunden danach kommt ein Täter zurück, fragt nach zwei Euro, als ob nichts gewesen wäre.

30 Minuten später, Waldstraße: Ein junger Radler bettelt eine 77-jährige Fußgängerin um fünf Cent an. Als sie die Geldbörse hervorholt, will er sie ihr wegschnappen, aber das Opfer hält fest, stürzt und verletzt sich den Rücken.

Zehn Minuten danach, diesmal Schubertstraße: Eine 77-jährige zieht sich Schürfwunden und Prellungen an Kopf und Ellenbogen zu, als sie von hinten umgestoßen wird.

16.30 Uhr, wieder Schubertstraße: Zwei junge Radfahrer fragen eine 73-Jährige und ihren Mann, 75, nach einem Euro für Eis. Als das Paar die Spende verweigert, umkreisen die Jugendlichen ihre Opfer, verlangen die Handtasche, der ältere droht mit einem Messer. Die Seniorin telefoniert nach der Polizei, auf der Flucht rammt ein Täter die Frau beim Versuch, sie ins Gesicht zu schlagen.

Auf die Spur gekommen sind die Fahnder den Räubern dank eines Phantombilds, das nach eigentlich sehr unterschiedlichen Täterbeschreibungen gefertigt wurde. Aber einer der Ermittler erkannte in dem Bild den Zwölfjährigen, den er sowieso gleich zu einer Anhörung wegen eines Autoaufbruchs auf dem Revier erwartete.

Der Polizist sagte dem Verdächtigen die Taten auf den Kopf zu. Und der junge Mann redete.

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