„Zeitbombe“ Demenz

Kommentar: Raum für Solidarität

Auch in unserer Region wird es spürbarer: 60 Prozent der Bewohner in den Altenheimen sind von Demenz betroffen. 2020 werden nach Berechnungen im Kreis Offenbach 3800 bis 6100 Menschen an einer mittelschweren bis schweren Demenz und 3800 bis 15.300 an einer leichten Demenz erkrankt sein. Von Peter Schulte-Holtey

Immer mehr Männer und Frauen werden bereits mit den Folgen konfrontiert. So gehen Angehörige bis an das Limit ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit, weil sich nach und nach fast alle häuslichen Abläufe daran ausrichten, dass ein Demenzkranker gepflegt werden muss. Wesentlich mehr Anerkennung und Hochachtung sollte man diesen Menschen zollen.

Es gibt noch viel Raum für Solidarität. Erforderlich sind zeitgemäße Versorgungsstrukturen, eine gesicherte Finanzierung und mehr Beratung. Die meisten Kommunen im Rhein-Main-Gebiet und die Sozialverbände haben schon vor Jahren erkannt, dass die Betroffenen in ihren Fähigkeiten unterstützt werden müssen. Es sollte ihnen aber noch intensiver dabei geholfen werden, so lang wie möglich ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Auch mit Blick auf die wachsenden Finanzlöcher in den Sozialversicherungen wird sich zeigen, welche Bedeutung eine Bürgerhilfebewegung haben könnte. Die Hospizgruppen oder der Trend zum Mehrgenerationenwohnen geben Hinweise, in welche Richtung sich neue soziale Umgangsformen bewegen sollten. Es wird sich eine neue Kultur des Miteinanders, der Nachbarschaftshilfe, entwickeln müssen. Denn in einer rasant alternden Gesellschaft wird eine „Ausgrenzung“ der Schwächeren und Kranken in Heime nicht mehr funktionieren.

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