„Raumfinder.me“: Mit emotionalem Bezug

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Loimi Brautmann bietet ein auf Offenbach maßgeschneidertes Portal, Claudia und Lena B. haben’s bereits genutzt.

Offenbach -  Lena B. fand über den „Raumfinder“ ihr neues WG-Zimmer. Seit ihrem vierten Lebensjahr wohnte das bekennende Offenbacher Mädchen am Main, wuchs an der Kurzen Straße auf. Dann zog sie für die Ausbildung im Fach Produktgestaltung in die Niederlande. Von Claus Wolfschlag

Vor einem Jahr kam sie zurück, um eine Betreuungstätigkeit aufzunehmen. In nur einem Tag hatte sie dank des „Raumfinders“ ein Zimmer in einer Zweier-Wohngemeinschaft am Linsenberg gefunden. Grafikdesignerin Claudia hingegen schaffte es, einen Mieter für ihr Gemeinschaftsatelier zu finden. 2000 zog sie aus Ludwigsburg nach Offenbach, um an der HfG zu studieren. Sie blieb wegen der Liebe und des aufgebauten künstlerischen Netzwerks. Claudia lebt im Mathildenviertel, arbeitet aber im Nordend. Dort sind neun Leute tätig, die sich 150 Quadratmeter Atelierraum teilen – Filmemacher, Texter, Fotografen, Bildhauer, Grafiker.

Jährlich kommt es zu einem Wechsel und zur Suche nach Mitmietern. In dieser Situation ist sie auf „Raumfinder“ aufmerksam geworden. „Nie zuvor ging’s so schnell“, sagt Claudia. Sie stellte den Atelierplatz ein, und innerhalb weniger Stunden hatte sie einen passenden Mieter an der Hand. Doch worin liegt der Unterschied zu üblichen Zeitungs-Inseraten oder Internet-Portalen? Initiator Loimi Brautmann: „Das Urban Media Project hat nur das Management übernommen. Alles ist also unkommerziell und bereitet den Akteuren keine Kosten.“ Die Anzeigenaufgabe ist gratis, nur provisionsfreie Angebote werden aufgenommen, Makler sind nicht eingebunden. Der Kontakt zwischen Vermieter und Mieter findet direkt statt.

So geht’s: Eine Anweisung von Loimi Brautmann (Bild vergrößern). 

Zudem ist das Portal auf Offenbach maßgeschneidet, also auch auf der Stadtporträt-Internetseite oflovesu.com und bei Facebook eingebunden. Brautmann und sein Team achten schließlich darauf, dass die Anzeigen optisch den Qualitätsansprüchen der Seite genügen, um ein maßgeschneidertes Bild Offenbachs mitzuliefern. Der „Raumfinder“ bietet somit auch Schauwerte für Neugierige. Eine neue Wohnung suche sie zwar nicht, erklärt Claudia, aber sie schaue dennoch öfter auf die Internet-Seite, um sich die Bilder schöner Offenbacher Wohnungen zu betrachten. „Es ist einfach eine zeitgemäße, schön gestaltete Plattform, die viel mit Fotos arbeitet und bei Facebook eingebunden ist.“ Und Lena B. ergänzt: „Man sieht sofort die Fotos, hat gleich einen guten Eindruck. Es ist ein Bilderbuch der Offenbacher Privatsphäre. Man erhält schöne Anregungen für die eigene Wohnungseinrichtung.“

Manche stehen Bemühungen wie denen des „Raumfinders“ skeptisch gegenüber, berichtet Brautmann. Da mischt sich der Wunsch nach einer Lebenswelt ohne Veränderung mit der Angst vor Gentrifizierung, also der Verdrängung durch solventere Mieterschichten. Doch Brautmann sieht das entspannt: „Von einer Veränderung durch Gentrifizierung, die wir in anderen Großstädten beobachten können, sind wir in Offenbach weit entfernt. Das ist ein langsamer Prozess. Gentrifizierung ist ohnehin nur eine mögliche, aber nicht unbedingt eintretende Nebenwirkung von Entwicklung, Aufwertung und Verbesserung.“

Rundgang durch die Hochschule für Gestaltung

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Zudem sei die Problemlage in Offenbach anders. Die sehr rasche Folge von Zu- und Wegzügen belaste manchen Bezirk der Innenstadt viel mehr. Zudem sei das langsam wachsende Ökosystem zuziehender Menschen aus der Kreativwirtschaft noch fragil. Allerdings räumt Brautmann ein, dass sich der Wohnungsmarkt generell geändert hat: „Der Markt übt Druck aus. So ist die Frankfurter Innenstadt für den Normalmieter bald unbezahlbar. Offenbach ist für Leute aus Frankfurt dagegen immer noch günstig, zumal man mit der S-Bahn gut angebunden ist.

Der Mythos, dass in Offenbach noch riesige Wohnungen für kleines Geld zu mieten seien, ist nicht mehr wirklichkeitsnah. Wir leben nicht mehr in Zeiten, wie es sie etwa im Berlin der frühen 90er Jahre gab. „Natürlich gibt es noch diese günstigen Wohnungen“, widerspricht Lena B. „Aber die werden oft unter der Hand privat weitergereicht, kommen also gar nicht an die Öffentlichkeit.“

Wichtig ist es Brautmann, mit dem „Raumfinder“ nicht nur Künstler oder Designer anzusprechen, sondern Menschen vieler Berufe, Altersklassen und unterschiedlicher Herkunft. Selbst Rentner fragten nach, denen man beim Einstellen der Fotos geholfen habe. „Das Angebot ist nicht auf die Kreativszene beschränkt“, betont Brautmann. Es geht einzig darum, dass die Leute einen emotionalen Bezug zur Stadt haben, „sich also mit Offenbach identifizieren“.

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