Raus aus den Hinterhöfen

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Ausländerbeiratsvorsitzender Abdelkader Rafoud (rechts) und Erdal Özdemir erläutern die Aufgabe der ausländischen Vereine als „Visitenkarte an deutsche Gesellschaft“.

Offenbach ‐ Orte des Zusammentreffens, des Gebets und des Lernens - für viele Offenbacher Bürger mit fremdländischen Wurzeln gehört der regelmäßige Besuch von ausländischen Vereinen zum Leben dazu. Als „ein kleines Heimatchen“ bezeichnet sie der Ausländerbeiratsvorsitzende Abdelkader Rafoud. Mehr als 30 davon gibt es allein in Offenbach. Von Veronika Szeherova

Die vornehmste Aufgabe der ausländischen Vereine ist die Integration“, beteuert Rafoud. Er selbst hat sich schon an der Gründung von mehreren Vereinen beteiligt, unter anderem dem Marokkanischen Freundschaftsverein im Jahr 1981. Heute gibt er als Vorsitzender des Ausländerbeirats Tipps und Ratschläge bei Neugründungen und Formalitäten wie Satzung und der Protokollführung. „Der Ausländerbeirat betreibt einen regen Austausch mit den Vereinen“, erzählt Rafoud, „so wird sichergestellt, dass die Vereine ausschließlich solche Wege beschreiten, die mit dem Gemeinwohl und der deutschen Verfassung übereinstimmen.“

Dennoch, so gibt Rafoud zu, hätten ausländische Vereine bei Teilen der deutschen Bevölkerung mitunter ein eher negatives Image als „Hinterhofkammern, in denen die Ausländer nur unter sich bleiben.“ Diesen Ruf gelte es nun zu widerlegen. „Vielleicht war diese Kritik vor dreißig Jahren gerechtfertigt“, so der Ausländerbeiratsvorsitzende, „doch in der heutigen Zeit ist sie nicht angemessen.“

Als wesentlichen Faktor dafür nennt er die Tatsache, dass mittlerweile die dritte Generation von Zuwanderern hier lebe. „Sie haben hier ihre Kindheit verbracht, sind hier zur Schule gegangen und wuchsen mit der deutschen Kultur auf, sprechen die Sprache und sind offen für Begegnungen“, meint Rafoud.

Führungen durch Moscheen werden immer beliebter

Die Sprache ist auch hier wieder die Instanz, mit der alles steht und fällt. „Natürlich kommen Deutsche nicht zu einem Gespräch über ein religiöses Thema, wenn der Vortragende nur arabisch sprechen kann“, weiß Rafouds Stellvertreter Erdal Özdemir, Vorsitzender der Türkischen Union Offenbach.

Deshalb haben alle in Offenbacher Moscheen wirkenden Imame die Aufgabe bekommen, Deutsch- und Integrationskurse zu absolvieren. „So werden die Berührungsängste sowohl seitens der deutschen Bevölkerung als auch von Seiten der Imame geringer“, erklärt Rafoud. Und freut sich, dass die regelmäßig angebotenen Führungen durch Offenbacher Moscheen immer beliebter werden. „Es gab schon Führungen, an denen sich mehr als 100 deutsche Besucher beteiligten.“ Eine wichtige Aufgabe der ausländischen Vereine ist die Jugendarbeit. Neben muttersprachlichem Unterricht und Hausaufgabenbetreuung können einige Vereine auch mit einem Sportangebot wie Fußball oder Folkloretanz punkten.

Einsatz für regulären Islamunterricht an den Schulen

Eins der meistgenutzten Angebote in den islamischen Vereinen ist der Religionsunterricht. „Die Kinder, die während der Woche in der Schule waren, müssen hier oft noch am Wochenende viele Stunden die Schulbank drücken“, gibt Rafoud zu bedenken. „Das ist nicht ganz in Ordnung so, denn die Kinder haben ein Recht auf ausgebildete, qualifizierte Lehrer, aber auch auf Freizeit.“ Aus diesem Grund setze sich der Ausländerbeirat für regulären Islamunterricht an den Schulen ein. Mehr Transparenz wäre somit gewährleistet, meint Rafoud: „Religionsunterricht ist gut, aber er sollte im Rahmen und in Grenzen stattfinden.“ Gerade hier sei es wichtig, „aus den Hinterhöfen herauszukommen.“

Beratung bei Fragen zu Integration, Aufenthaltsproblematik oder zu Erziehung und Schwierigkeiten mit der Familie, all diese Leistungen sollten ausländische Vereine im Idealfall erbringen. Auch Frauenbeauftragte sind erwünscht. Laut Rafoud ist die Arbeit der ausländischen Vereine „wichtige Visitenkarte an die deutsche Gesellschaft“.

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