Raus aus dem Hinterkopf

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Dr. Rosita Nenno (von links), Daniel Brettschneider und Britt Baumann wollen kommunales Programmkino im Ledermuseum wiederbeleben.

Offenbach am Main - Offenbach hat ein neues Programmkino. Zumindest für ein paar Monate. Immerhin 120 Besucher kamen am Mittwochabend zur Eröffnung in den Kinosaal des Deutschen Ledermuseums zum Fritz Lang-Klassiker „M - Eine Stadt sucht einen Mörder“ von 1931. Von Claus Wolfschlag

Unter den Gästen fand sich auch der Stadtverordnete Lutz Plaueln, der sich gut an die Geschichte des alten Kinosaals erinnern kann. Anfang der 1980er Jahre sei der Raum für städtische Ehrungen und öffentliche Veranstaltungen eingerichtet worden. Das später dafür genutzte Büsingpalais war damals noch nicht wieder aufgebaut, zudem wollte man dem einst schwächelnden Ledermuseum auch über Kinoveranstaltungen neue Besucherschichten zuführen.

Doch das Projekt des städtisch finanzierten „kommunalen Kinos“ scheiterte. Ebenso wie private Offenbacher Programmkino-Bemühungen, etwa im „Broadway“ an der Kaiserstraße und dem „Kurbel“-Kino im Parkhaus Mittelseestraße, das einst neben seinem Erotikprogramm Filmklassiker zeigte. „Das kommunale Kino war der Versuch, aus der Kommerzkiste herauszukommen. Die Stadt hatte die Vorführungen aber bald wieder aus Besuchermangel eingestellt“, erinnert Plaueln, der seit Jahren für einen neuen Anlauf in Richtung städtisches Programmkino trommelt.

Open-Air-Filmnächte und „Hafenkino“

Dass dieser Anlauf nun im Ledermuseum genommen wird, ist teils einem Zufall zu verdanken. Vor gut einem Jahr wanderte der HfG-Künstler Loimi Brautmann mit den Professoren Heiner Blum und Kai Vöckler neun Stunden durch Offenbach. Vöckler, der damals eine Stiftungsprofessur anzunehmen gedachte, sollte auf diese Weise die Stadt nahegebracht und der Umzug aus Berlin schmackhaft gemacht werden.

Dabei geriet das Trio zufällig in den Kinoraum des damals noch im Umbau befindlichen Ledermuseums. Seit den späten 80ern war der Saal zwar gelegentlich noch vermietet worden, aber nur noch selten für die öffentliche Nutzung freigegeben gewesen. „Ich sah den Saal und langsam wuchs die Idee, dass man dort wieder echte Kinokultur zurück ins Bewusstsein bringen könnte“, so Brautmann.

Diese Idee entwickelte er gemeinsam mit Sabine Süßmann von der „Stadtwerke Offenbach Holding“ (SOH) und Britt Baumann vom „Forum Kultur & Sport“ weiter. Ihre Kino-AG regte an, dass „Süsswasser e.V.“, der das „Hafen2“-Projekt betreibt, die Leitung und Betreuung des neuen Kinos übernehmen solle. Ein naheliegender Gedanke. Der Verein hat durchaus Erfahrung auf dem Gebiet, zum einen durch zahlreiche Open-Air-Filmnächte, zum anderen durch das seit fast einem Jahr im „Hafen 2“ betriebene freitägliche „Hafenkino“.

„Großes Kino“

Hier wie dort verantwortlich für Filmauswahl und Technik ist der bekennende Cineast Daniel Brettschneider. „Ich kannte den Raum im Ledermuseum zwar noch aus meiner Kindheit, aber seitdem existierte er nur noch im Hinterkopf für mich“, gab Brettschneider zu. Mittelfristig will er im Ledermuseum ein zweites Programmkino neben dem „Hafenkino“ etablieren. Während im „Hafenkino“ eher internationale Independent-Filme, auch Original-Versionen, gezeigt werden sollen, wäre das Ledermuseum für „großes Kino“ und Filmklassiker gut geeignet. Allerdings, gibt Brettschneider zu bedenken, könne man das allein aus den Einnahmen an der Kasse finanziell nicht stemmen. Es brauche einen städtischen Zuschusses, um Personal und Technik zu finanzieren.

„BauWerkSchau“ des Architektursommers Rhein-Main

Das sieht Dr. Rosita Nenno, stellvertretende Leiterin des Ledermuseums, ähnlich. „Über das Kino als dauerhafte Institution in unserem Haus ist noch nichts entschieden, aber gewünscht ist das schon“, äußerte sie. Derzeit liefen die Spielfilme im Rahmen der „BauWerkSchau“ des Architektursommers Rhein-Main. Es seien Filme, in denen Architektur eine zentrale Rolle spielt. Danach werde man dem Kino im Ledermuseum eine dreimonatige Probezeit geben. „Bis dahin hoffen wir auf viele Filmanhänger und eine städtische Unterstützung“, so Nenno.

Technisch wird jedenfalls alles versucht. In wenigen Tagen erhält der Raum eine neue Tonanlage für 10.000 Euro, ausgewählt von Süsswasser, bezahlt von der SOH. Es gibt zwar auch noch zwei alte Projektoren, aber derzeit werden die Filme mit improvisierter Digitaltechnik an die große Cinemascop-Leinwand geworfen. „Eventuell besteht über die Hessische Filmförderung die Möglichkeit, ein neues teures Festplattensystem anzuschaffen“, sagte Brettschneider.

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