Raus aus den Magazinschränken

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Spaten werden für den Um- und Ausbau des Ledermuseums nicht reichen. Gestern ging‘s für (von links) Dr. Erik von Knorre (Senat Ledermuseum), Staatsminister Stefan Grüttner, Spender Rolf Düncher, Oberbürgermeister Horst Schneider, Wolfgang Rawer (Dr. Marschner-Stiftung), Museumsdirektor Dr. Christian Rathke und Ulf Bambach, Geschäftsführer des in Offenbach ansässigen Architektenbüros ATP N+M, aber auch erstmal um den symbolischen Akt.

Offenbach ‐ „Der Köder“, wie der frühere Lederwarenhersteller Rolf Düncher seine Spendenofferte stets nannte, habe Jahre im Teich verbracht, bevor „der Fisch“ Interesse zeigte. Aber nun habe der ja zugeschnappt. Gestern tauchte der Fisch in Gestalt des hessischen Staatsministers Stefan Grüttner im Hof des Ledermuseums auf: Es galt einen Spatenstich zu absolvieren. Von Marcus Reinsch

Das Deutsche Ledermuseum (DLM), auch Schuhmuseum, wird erweitert. 400 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche und ein überdachter Innenhof sind geplant.

Das Geld dafür, rund 840.000 Euro, sprudelt aus vier Quellen. Das Land gibt knapp die Hälfte, die Stadt legt 150.000 Euro drauf, die in Offenbach momentan sehr aktive Dr. Marschner-Stiftung wird eine ordentliche Summe in einen der vier neuen Säle stecken. Und Rolf Düncher, der mit seiner Gabe für das Museum die anderen Geber angelockt hatte, bat gestern bescheiden um Nichtnennung seines gänzlich unbescheidenen Anteils.

Gebaut werden müssen hätte früher oder später auch ohne Verschönerungs- und Vergrößerungsdrang. Der Brandschutz stieg dem Museum aufs Dach, weil man mangels Feuertreppe im Ernstfall eben nicht vom Dach steigen konnte. „Beim Gedanken, dass es mal brennen könnte, hatte ich schlaflose Nächte“, gab Museumsdirektor Dr. Christian Rathke zum Spatenstich zu. Die Feueraußentreppe wird nun gebaut, und auch einige Maßnahmen im Innern dienen dem Brandschutz.

China, Tibet, Zentralasien und Sibirien mussten bisher im Schrank bleiben

Die eigentliche Erweiterung des Museums wiederum soll vor anderen Gefahren beschützen. Vor der, dass allzu viele der Kostbarkeiten, die momentan im Archiv lagern, aus Platzmangel niemals gezeigt werden können. Und vor der, dass das Museum bei Sachspendern in Verruf gerät. Rathke: „Wer schenkt einem schon etwas, wenn er denkt, dass es für immer im Magazin verschwindet?“

Das Risiko wird ab dem nächsten Jahr deutlich geringer sein. Der zwischen dem Altbau von 1829 und dem 1960 gebauten und 1980 erweiterten Neubau liegende Hof wird ein von Säulen getragenes Dach bekommen, das als Plattform für zwei Erweiterungsetagen mit drei Sälen dient. Zusätzlich wird im hohen Foyer eine Zwischendecke eingezogen, auf der sich dann weitere Kostbarkeiten zeigen lassen. Vermutlich ab Juli muss das Museum deshalb für einige Monate komplett geschlossen werden.

Zu Gute kommen wird der Raumgewinn vor allem den Lederarbeiten des Mittelalters und der Renaissance im ersten und der Asienabteilung im zweiten Stock. China, Tibet, Zentralasien und Sibirien mussten bisher im Schrank bleiben. Die Dr. Marschner-Stiftung wird den neuen Saal ausstatten, der künftig die Ausstellung zur großen lokalen Lederwarengeschichte beherbergt. Und auch für Stücke aus Spender Dünchers Privatsammlung wird etwas Platz eingeräumt.

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