Rausschmiss nach Mini-Klau im Job: Wo ist die Grenze?

Offenbach- Mini-Diebstahl am Arbeitsplatz - wieder einmal hat ein Prozess um ein vermeintliches Bagatell-Delikt für Schlagzeilen gesorgt. Diesmal hatte ein Bäcker ein Brötchen gekauft - und den Aufstrich angeblich geklaut. Wert: 50 Cent. Von Heiko Wiegand

Was sagen Branchenvertreter zu solchen Delikten?

„Man bewegt sich in solchen Fällen immer auf dünnem Eis“, sagt Horst-Günter Flick, Geschäftsführer und Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes in Stadt und Kreis Offenbach. Mit dem geltenden Arbeitsrecht sei es durchaus vereinbar, Beschäftigten auch wegen kleinerer Diebstähle fristlos zu kündigen. Aber der ehrenamtliche Richter am Landesarbeitsgericht in Frankfurt „will in solchen Fragen auch die Verhältnismäßigkeit ins Spiel bringen. In manchem Prozess holt man einfach nicht die große Keule heraus, obwohl es nach geltendem Recht möglich wäre“. Jeder Fall müsse immer als Einzelfall bewertet werden.

Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels, kommt zu einem anderen Ergebnis: In Fällen wie dem aktuellen kämpften nicht Arbeitgeber gegen Arbeitnehmer, sondern die „Ehrlichen gegen wenige Unehrliche. Du darfst nicht stehlen. Das gilt“, sagte Pellengahr - und fragte: „Wo soll man denn sonst die Grenze ziehen?“ Sein Kollege Thomas Schäfer vom Regionalverband Münsterland bekräftigte: „Ein Diebstahl reicht für eine fristlose Kündigung. Und das ist auch gut so.“

Im aktuellen Fall hat das Arbeitsgericht Dortmund die Kündigung von zwei Bäckern - allerdings lediglich aus formalen Gründen - für unwirksam erklärt, die sofort entlassen worden waren, nachdem sie angeblich einen Kräuter-Ölaufstrich gestohlen hatten.

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