Reaktionen auf geplante Massenentlassungen

Nach Stellenabbau Lohndumping befürchtet

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Offenbach - Die vom Sana-Klinikum angekündigte Entlassung von 350 Beschäftigten ruft in der Politik ein zum Teil unterschiedliches Echo hervor.

Zugleich verweist die Sana-Geschäftsführung darauf, einen Sozialfonds über 20 Millionen Euro eingerichtet zu haben, und versichert, sie werde neu einzustellenden Arbeitskräften Tariflohn bezahlen.

Betriebsratsvorsitzender Holger Renke hat der Geschäftsführung unterdessen einen 19 Punkte umfassenden Fragenkatalog zukommen lassen. „Bis 8. November erwarten wir Antworten, ab Ende November können wir dann über einen Sozialplan und den Interessenausgleich verhandeln“, so Renke gestern. Er vermutet, dass es bei der Entlassungswelle auch um Lohndumping geht. Die Gewerkschaft Verdi sieht es ähnlich und geht davon aus, dass einige der Betroffenen weiterbeschäftigt werden, zum Beispiel in einer Sana-Servicegesellschaft und für ein niedrigeres Gehalt.

„Lohndumping am Sana-Klinikum“

„Wir werden Tariflohn bezahlen“, versichert Sana-Geschäftsführer Dr. Jens Schick.

Auch die SPD befürchtet „Lohndumping am Sana-Klinikum“, wie Fraktionschef Andreas Schneider formuliert. Man erwarte, dass für alle Mitarbeiter weiterhin ein angemessener Lohn gezahlt und dass der Betriebsrat vor allen Entscheidungen ausführlich informiert sowie beteiligt werde. Schneider räumt ein, dass es auch Entlassungen gegeben hätte, wenn das Klinikum in kommunaler Hand geblieben wäre. Er hofft, dass möglichst viele der Betroffenen wieder von einer Sana-Tochtergesellschaft übernommen werden können.

Die CDU teile die Empörung der Beschäftigten über die angekündigten Stellenkürzungen, sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Roland Walter. Gleichzeitig erinnert er daran, dass im Zuge des Markterkundungsverfahrens im vergangenen Jahr auch ein Angebot vorgelegen habe, in dem auf betriebsbedingte Kündigungen bis einschließlich 2016 verzichtet werden sollte. Zudem sei ein Anbieter damals noch bereit gewesen, 40 Millionen Euro für das Klinikum zu bezahlen. Walter: „Leider hat die in Offenbach herrschende Koalition das Verfahren abgebrochen.“ Er müsse das ins Bewusstsein der Offenbacher bringen, um „eine Pauschalverurteilung aller Politiker zu verhindern“, so der CDU-Stadtverordnete.

Argumentation ärgert die Sozialdemokraten

Betriebsratsvorsitzender Holger Renke befürchtet ebenso wie SPD und Verdi Lohndumping.

Diese Argumentation ärgert die Sozialdemokraten: „Wer den Eindruck erweckt, dass der Stadt bei einer Fortführung des Markterkundungsverfahrens die gebratenen Tauben in Form von Verkaufserlös, Standortsicherung und Beschäftigungsgarantien nur so in den Mund geflogen wären, will die Offenbacher vorsätzlich verdummen“, so Schneider. Sana-Geschäftsführer Dr. Jens Schick weist auf den Sozialfonds hin, der Härten abfedern soll. Zudem prüfe der Konzern, ob es Möglichkeiten gebe, die Mitarbeiter an andere Unternehmen in der Region zu vermitteln. Da sei man in ersten Gesprächen.

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Die Stadt kann den vom Stellenabbau betroffenen Klinikum-Mitarbeitern, die zum Teil länger als 20 Jahre im Klinikum arbeiten, derzeit nur bedingt helfen: Matthias Schulze-Böing, Chef der Mainarbeit, versichert, die Kommune stehe in engem Kontakt mit der primär zuständigen Agentur für Arbeit. „Die Mainarbeit ist nur für diejenigen Arbeitsuchenden zuständig, die dort Leistungen beantragen. Das wird nach aktueller Einschätzung nur eine sehr kleine Zahl sein, möglicherweise gar keiner“, so Schulze-Böing. Patentrezepte bei der Suche nach Hilfen für die Betroffenen gebe es nicht.

psh/mad

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