Gewaltverdacht in Einrichtung

Sehnlicher Wunsch nach Normalität im Kita-Alltag

Offenbach - Von Zustimmung bis Empörung, ob im Internet, als Leserbrief, per Telefon oder als offizielle Stellungnahme – der Artikel „Kopfüber in Kloschüssel?“ zog viele Reaktionen nach sich.

Wie unsere Mediengruppe am 3. April berichtete, wird gegen die Leiterin der Kita der evangelischen Erlösergemeinde wegen des Verdachts der Gewaltanwendung gegen Kinder strafrechtlich ermittelt. Ein Auszug der Reaktionen zugunsten der Kita-Leitung:.

In einer Stellungnahme erläutert der Evangelische Kirchengemeindeverband, dass er vor geraumer Zeit für seine Tagesstätten einen Interventionsplan zum Umgang mit Verdachtsfällen erarbeitet habe – zum Schutz der Kinder: „Er ist verbindlich und wurde in diesem konkreten Fall auch angewendet. Dazu gehören die sofortige Einschaltung des Jugendamtes und der Polizei, die Suspendierung der beschuldigten Person aus dem Kinderdienst – unbeschadet der bis zum Abschluss des Verfahrens geltenden Unschuldsvermutung – und die Herstellung größtmöglicher Transparenz für die Familien.“ Die Kita der Erlösergemeinde verfüge über Raumbedingungen und Arbeitsweisen, die Gewalt gegen Kinder „strukturell entgegenwirken: Kein Erwachsener ist allein mit Kindern, alles geschieht in Hörweite.“

Beratung vom Jugendamt

Das schwebende Verfahren beziehe sich nicht auf wiederholte Vorfälle, sondern auf genau einen Verdacht, der inzwischen neun Monate zurückliegt. „Von unserer Seite aus wurde sofort mit den Mitarbeiterinnen gesprochen, um einen ersten Eindruck darüber zu gewinnen, was tatsächlich passiert sein könnte, wobei niemand den Verdacht bestätigte“, so der Gemeindeverband. Sofort sei eine vom Jugendamt empfohlene Beratung hinzugezogen, die Eltern seien informiert worden. Eine Gefahr, dass etwas verschwiegen werde, und die Gefahr irgendeiner Wiederholung habe zu keinem Zeitpunkt bestanden. „Allerdings kann eine Aufarbeitung erst beginnen, nachdem das ordentliche Verfahren klare Ergebnisse zeitigt“, heißt es abschließend.

Claudia Neumann beschreibt im Namen des Elternbeirats die Kita-Leiterin als „offenen, engagierten, herzlichen und vor allem bei unseren Kindern beliebten Menschen“. Viele Eltern hätten zugesichert, im Falle einer Gerichtsverhandlung zu ihren Gunsten auszusagen. Aktionen wie das Starten eines Blogs hätten „statt für Transparenz zu sorgen, lediglich einseitige Informationen verbreitet und Verunsicherung geschafft“, was sich negativ auf den Kita-Alltag auswirke. Die im Artikel geschilderte Kündigung des Betreuungsvertrags an Familie L. sei „ein Einzelfall, in dem der Träger von seinem Kündigungsrecht im Fall eines Vertrauensbruchs Gebrauch gemacht hat“. Bei all der Unruhe der vergangenen Monate bestehe bei einem Großteil der Eltern „einfach nur der Wunsch, dass das Kita-Team endlich wieder seiner Arbeit nachgehen kann“.

Chronologie der Missbrauchsfälle

Chronologie der Missbrauchsfälle

Ähnlich sehen es Christa Rossigno, P. Schneider und Linda Heim in Leserbriefen, werfen der Berichterstattung mangelnde Objektivität vor und betonen, dass die Kinder sehr gern in die Kita gingen. Sie fragten oft nach der Leiterin und vermissten sie.

Zur Kündigung des Kitaplatzes äußert sich Silke Börner, die dort als Raumpflegerin arbeitet. Die Behauptungen von L. über ein angebliches Gespräch entsprächen nicht den Tatsachen: „Sie hat mir zugeredet, ich soll aussagen, dass die Leiterin dem Jungen den Kopf in die Kloschüssel gesteckt hat. Dabei war ich an dem Tag gar nicht da. Ich lasse mich doch nicht unter Druck setzen.“ Sie könne sich nicht vorstellen, dass die Vorwürfe stimmten. „Die Leiterin geht immer liebevoll und zuvorkommend mit den Kindern um.“

(vs)

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