Prozess um Todesfahrt

Kommentar: Recht und Gerechtigkeit

Drei Jahre Haft für einen Unfall, bei dem im Dezember 2008 zwei Mädchen im Main ertranken. Der Spruch einer Strafrichterin am Amtsgericht Offenbach überrascht. Von Matthias Dahmer

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Nicht nur weil hier endlich mal wieder ein Urteil gesprochen wurde, das mit dem deckungsgleich ist, was man gemeinhin das gesunde Volksempfinden nennt. Nein, selbst die Anwälte, welche die Eltern der ums Leben gekommenen 17-Jährigen vertraten, trauten ihren Ohren kaum. Wurde doch erwartet, dass der 23-jährige Todesfahrer mit einer Bewährungsstrafe davon kommt; wurde allenfalls gehofft, er werde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt - der an Amtsgerichten in der Regel möglichen Höchststrafe. Eine Ausnahmeregelung im Gesetz macht es möglich, dass am Ende bei der angeklagten fahrlässigen Tötung mehr herauskam als Staatsanwaltschaft und Nebenklage beantragt hatten.

Das Gericht hat gut daran getan, so zu urteilen. Wohl selten hat sich ein Angeklagter durch sein Verhalten in einem Prozess derart um die Chance einer milderen Bestrafung gebracht. Der junge Türke, den die Regeln des Straßenverkehrs schon lange vor der Tat kaum interessierten, zeigte während der insgesamt fünf Verhandlungstage - vermutlich auch wegen mangelnder intellektueller Fähigkeiten - keinerlei Reue, ließ nicht die Spur einer Einsicht in die Tragweite seiner Tat erkennen. Sein zur Schau gestelltes Desinteresse, seine Lügen verhöhnten die leidenden Eltern, denen die den Prozess umsichtig leitende Amtsrichterin am Ende ausdrücklich ihr Mitgefühl aussprach.

Eine klare Absage erteilte das Urteil den schon rituellen Beschwichtigungsformeln, die Verteidiger in solchen Fällen finden. Eine angeblich kulturell bedingte Unfähigkeit Gefühle zu zeigen, der Umstand, selbst unter den Folgen der Tat zu leiden - all das verfing zum Glück nicht. Vielmehr wurde das deutliche Signal gesetzt, dass tödliche Unfälle im Straßenverkehr auch mehr sein können als nur eine Verkettung von unglücklichen Umständen. Es ist zu hoffen, dass das Berufungsgericht, wo der Fall höchstwahrscheinlich noch einmal verhandelt werden muss, das ebenso sieht. Recht ist nicht gleich Gerechtigkeit, heißt es unter Juristen - manchmal kommt es ihr aber zumindest nahe.

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