Propaganda der NPD

Rechtsradikale "Gestalten" treiben in Offenbach ihr Unwesen

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Screenshot aus den Sozialen Medien von der angeblichen Aktion in Offenbach.

Keiner hat sie gesehen, auch der Polizei sind sie nicht aufgefallen, und doch wollen sie in Offenbach patrouilliert sein: Eine rechtsradikale Bürgerwehr hat am Wochenende Bilder veröffentlicht, wie sie angeblich in Bieber und beim OFC-Spiel unterwegs war.

Offenbach - Darauf aufmerksam gemacht hatte am Wochenende ein Twitternutzer, der in einem Tweet schrieb: "Sagt den Gestalten doch mal, was ihr von ihnen haltet". Gemeint waren zwei junge Männer, deren Bilder in Sozialen Medien veröffentlicht wurden. Die beiden Herren mit der akkuraten Kurzhaarfrisur tragen rote Westen, auf denen ein Zeichen abgebildet ist, das an Symbole in der rechtsextremen Szene erinnert.

Veröffentlich hatte die Beiträge auf Facebook und Twitter ein Account mit dem Namen "Schutzzone". Dahinter steckt eine Propaganda-Aktion der rechtsradikalen NPD, die als eine Art Bürgerwehr für die "Sicherheit unserer Landsleute" (Originalzitat in der Beschreibung des Twitter-Accounts) sorgen möchte.

Polizei: Keine Zwischenfälle

"Wir haben auch erst über die Sozialen Medien von den angeblichen Aktivitäten in Offenbach erfahren, bei uns hat niemand Zwischenfälle gemeldet", berichtet ein Sprecher der Polizei Südosthessen auf Nachfrage. "Die sind in kleineren Gruppen unterwegs, machen ein Bild, laden es in den Sozialen Netzwerken hoch und sind dann wieder weg." Ob die Aktion justiziabel sei, müsse die Staatsanwalt prüfen.

In Offenbach war die "Truppe" (so die militaristische Eigenbeschreibung) angeblich im Stadtteil Bieber und beim OFC-Spiel unterwegs – anscheinend aber unerkannt: "Bei Fußballspielen ist ja auch immer etwas Polizei vor Ort, den Kollegen ist allerdings nichts aufgefallen." Ob "die Jungs vom OFC" sich tatsächlich dank der rechtsradikalen Patrouillen "für ein paar Stunden etwas wohler gefühlt haben" (wie in einem Schutzzonen-Tweet behauptet), darf ohnehin bezweifelt werden – immerhin hat ein Teil der Mannschaft von Kickers Offenbach Migrationshintergrund.

Proteste gegen NPD-Veranstaltung in Hanau

Obwohl sie die Sozialen Netzwerke für ihre Propaganda-Aktion nutzen, scheint der Umgang mit Social Media für die braunen Kameraden noch Neuland zu sein: Ihren Tweet zum OFC-Spiel versahen sie nämlich mit dem Hashtag #TSGOFC, der bezog sich allerdings auf das Auswärtsspiel vor mehr als einer Woche in Hoffenheim, die Kickers spielten am Freitag allerdings auf dem heimischen Bieberer Berg gegen den SC Hessen Dreieich.

Es war auch nicht das erste Mal, dass die selbsternannten Sicherheitsaktivisten Offenbach zum Ziel ihrer Propaganda-Aktion machten: Bereits im Februar tauchte eine ähnliche Veröffentlichung auf Facebook auf. Auch in Hanau sollen sie laut Polizei schon in Erscheinung getreten sein. In Usingen (Hochtaunuskreis) spielten sich die rechten Gestalten gar zu Beschützern eines Fastnachtsumzuges auf. (nb)

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