Hauseigentümer liegt seit Jahren im Clinch mit der OPG

Rechtsstreit wegen Liste mit 70 Mängeln

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Fünf „Kettenhäuser“ (wegen der verbindenden Zwischenbauten) gehören zur Gestaltungsvielfalt An den Eichen.

Offenbach - Voller Stolz preist die Stadt das neue Wohngebiet An den Eichen in Waldheim-Süd. Doch in so manchem Detail läuft es dort alles andere als rund. Von Matthias Dahmer 

„Naturnah und doch zentral den Traum von den eigenen vier Wänden verwirklichen.“ Mit dieser oder ähnlichen Werbebotschaften trommelt der Stadtwerke-Ableger Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG) seit Jahren für das Wohngebiet zwischen S-Bahn und Käsmühl-Feld. Für Björn Wahl ist’s eher ein Albtraum. Der 36-Jährige gehört zu den Pionieren im ehemaligen Lohwald. 2011 erstand der aus dem Raum Fulda stammende Fluglotse zusammen mit seiner Ehefrau, einer gebürtigen Mühlheimerin, ein Musterhaus am Oleanderweg; eins von fünf sogenannten Kettenhäusern. 150 Quadratmeter für 335.000 Euro in dieser Lage – das schien den Wahls eine gute Wahl.

Fünf Jahre und einige dicke Ordner mit Schriftsätzen an den Hausverkäufer OPG und die Bauaufsicht später kann davon keine Rede mehr sein. „Ich möchte mal wieder leben“, fasst Wahl seinen Nerven aufreibenden Kampf fürs Eigenheim zusammen. Den Prozess um einen Wasserschaden jedenfalls habe er schon gewonnen. Derzeit sei ein weiterer beim Landgericht anhängig, berichtet der Hausbesitzer. In einem Beweissicherungsverfahren muss geklärt werden, was dran ist an den um die 70 Mängeln, die Wahl aufgelistet hat. Unter anderem geht es um bröckelnden Putz, ein nicht fachgerecht gedecktes Dach und eine andere Außendämmung als die versprochene. Einen sechsstelligen Betrag, sagt Björn Wahl, habe ihn das Ganze inklusive erbrachter Vorleistungen bei der Mängelbeseitigung schon gekostet.

Dabei sei er nicht allein betroffen. Ein Nachbar streite wegen Baumängeln vorm Landgericht Frankfurt, die drei anderen hätten nach anfänglichen Beschwerden wohl aufgegeben. Zum Streit mit der OPG kommt für Wahl ein umfangreicher Schriftverkehr mit der Bauaufsicht. Diese wird nach seiner Ansicht nur schleppend bis gar nicht tätig. Konkret geht es ihm dabei beispielsweise um die Platzierung der sein Grundstück flankierenden Lärmschutzwand und den für das Gebäude ausgestellten Energieausweis.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Bei der OPG zeigt man sich zunächst überrascht über Wahls Schritt, an die Öffentlichkeit zu gehen. Sprecherin Regina Preis gibt zu bedenken: „Verschiedene Gerichtsverfahren sind gelaufen und laufen noch.“ Was festgestellte Mängel angehe, habe die OPG diese immer beseitigt. Im aktuellen Prozess sei noch nicht geklärt, ob die von Wahl gerügten Mängel tatsächlich bestünden. Er sei im Übrigen in dieser Sache in der Bringschuld. Dass auch andere Hauseigentümer prozessieren, kann die OPG nicht bestätigen. „Weitere Verfahren sind uns nicht bekannt“, versichert Preis. Die Entwicklung und Vermarktung des mehr als 16 Hektar großen Baugebiets an der Mühlheimer Stadtgrenze schreitet unterdessen voran. Der südliche, neun Hektar große Teil in Richtung Waldrand ist weitgehend bebaut und bezogen. Für den nördlichen, sieben Hektar großen Bauabschnitt in Richtung Bahnlinie wird in Kürze das Baurecht erwartet.

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