„Spaziergänger“ quittiert Dienst

Offenbach - Die Stadt und Museumskurator Dr. Marcus Frings haben ihren Rechtsstreit beendet. Laut einer Erklärung aus dem Rathaus hat sich der Kunsthistoriker Frings „entschieden, zum 31.12.2014 seine Tätigkeit durch Eigenkündigung zu beenden“.

Er wolle Zeit für die Familie haben und sich neuen freiberuflichen Aufgaben widmen, heißt es. Streitigkeiten zwischen den Maßgeblichen in der Kulturverwaltung und dem 2009 eingestellten Fachmann fanden wegen des Budgets der hochrangigen Ausstellung „Neue Welten“ ihren Höhepunkt. Frings soll den Kostenrahmen eigenmächtig um 50 Prozent überschritten haben. Daraufhin feuerte ihn der Kulturdezernent, Oberbürgermeister Horst Schneider, im September 2012.

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Schon vorher soll Frings Absprachen versäumt und notwendige Genehmigungen nicht eingeholt haben. Ein als sehr interessant und kreativ begrüßter Geist habe sich als eigensinniger und schwieriger Mitarbeiter entpuppt, verlautete aus der Kulturverwaltung. Frings war als Leiter des inzwischen geschlossenen Museums des Künstlers Bernd Rosenheim nach Offenbach gekommen, aber schon bald im Unfrieden mit dem Namensgeber aus der Einrichtung geschieden.

Die fristlose Entlassung bei der Stadt nahm er nicht hin, sondern zog vors Arbeitsgericht. Das kippte die Entscheidung wegen eines Formfehlers: Frings befand sich in Elternzeit. Auf Vergleich und Abfindung wollte er sich nicht einlassen. Im Juni 2013 verlor die Stadt den eigentlichen Prozess.

Überregionales Interesse fand die arbeitsrechtliche Auseinandersetzung wegen Frings’ familiärer Situation: Der Rheinländer ist Ehemann der heutigen Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, damals noch SPD-Generalsekretärin, und Vater einer gemeinsamen Tochter.

In Offenbach wurde die Affäre Frings zum Politikum. Die CDU warf dem OB und dessen Personalamt Dilettantismus und handwerkliches Versagen vor, was der Stadt einen mit 55 000 Euro „hochbezahlten Spaziergänger“ beschert habe. Frings musste für sein Gehalt ein knappes Jahr nicht arbeiten.

Die Stadt veröffentlicht nun Dank für seine Leistungen. Er habe Innovation in die Kulturpolitik gebracht. Besonders hervorgehoben wird sein Wirken bei der Nutzung des Bernardbaus. Auch habe der Kurator sonst verborgen bleibende Werke der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und grundlegende Vorarbeiten für die Ausstellung „Mein Dein Unser Offenbach“ im Haus der Stadtgeschichte erbracht.

Rückblick: Vor zwei Jahren erweckte Frings beim OB noch den „Eindruck von Unprofessionalität am Rand der Mutwilligkeit“. J tk

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