Rechtzeitig Rat und Hilfe anbieten

+
Die Beratungsstellen für Schwangere bieten erstmals ihre Dienste auf einem Handzettel an, der gleich in den Mutterpass gelegt wird: Damit sollen Frauen schnell den Ansprechpartner ihrer Wahl finden. Dafür haben sich Barbara-Anne Podborny (Diakonie), Margit Britt (Caritas), Brigitte Kordts-Szustak (Pro Familia) und Frank Mach (Caritas) zusammengetan.

Offenbach - Noch vor ein paar Jahren wäre es kaum vorstellbar gewesen, dass die katholische Caritasberatungsstelle für Schwangere und Pro Familia zusammenarbeiten: Doch weil es um die Hilfe für die Betroffenen geht, stellen die Organisationen ihre unterschiedliche Haltung bei der Frage der Abtreibung zurück. Von Simone Weil

Egal wo: Schwangere sollen möglichst schnell alle Fragen klären können, die mit ihrer neuen Lebenssituation auftauchen - damit kein Baby dafür büßen muss, dass die Mutter nicht mehr weiter weiß.

Deswegen haben sich evangelisches Diakoniezentrum, katholischer Caritasverband und Pro Familia zusammengeschlossen. Erstmals offerieren sie auf einem kleinen Handzettel gemeinsam ihre Beratungsdienste. In den Frauenarztpraxen soll der Zettel - dank passenden Formats - gleich in den Mutterpass eingelegt werden.

Unabhängig von der Konfession sind die Einrichtungen für alle Frauen da. Dass Musliminnen bei der „katholischen Beratungsstelle für Frauen in Schwangerschaft und Notsituationen“ landen, spielt für Frank Mach keine Rolle. Der Leiter des Caritashauses glaubt, dass die Hilfesuchenden die Einrichtung „als Insel außerhalb der Kulturkreise“ sehen.

Die Entscheidung für ein Kind stellt Frauen oft vor viele Probleme: Dabei geht es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um finanzielle Einschränkungen, eine größere Wohnung, Fragen der Vorsorge, sozialrechtliche Ansprüche und vieles mehr. „Frauen sollen erst gar nicht in eine schwierige Situation kommen“, sagt Pro-Familia-Geschäftsführerin Brigitte Kordts-Szustak. Doch aus ihrer Beratungsarbeit weiß sie, dass die finanziellen Belastungen und existenziellen Nöte der Familien und Alleinerziehenden in den vergangenen Jahren enorm zugenommen haben. Margit Britt, ihre Kollegin vom Caritasverband, hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Immer häufiger begegnet sie Frauen, deren befristete Arbeitsverträge nicht verlängert werden und die auf andere Sozialleistungen angewiesen sind.

Oft kommen Frauen, die von der Nachricht überrascht wurden, dass sie schwanger sind. Britt: „Die Ambivalenz, wie das Leben mit dem Kind aussehen wird, ist ein zentrales Thema.“

Auch wenn die Männer plötzlich wie vom Erdboden verschwunden scheinen, ist die Scham bei den Frauen groß, von Hartz-IV leben zu müssen - eine Erfahrung, die in allen Einrichtungen ähnlich ist. Beratung über finanzielle Hilfen wie Eltern- und Kindergeld sind an der Tagesordnung, außerdem gibt es Unterstützung beim Antrag an die Bundesstiftung „Mutter und Kind“ für die Babyausstattung.

Zu den Hilfesuchenden, die Beratung und Informationen wollen, zählen auch Teenager: „Manchmal glauben Jugendliche, sie könnten ihre desolate Lebenssituation mit einem Kind verbessern“, erzählt Brigitte Kordts-Szustak.

Hilflos stehen wir den Illegalen gegenüber“, berichtet Barbara-Anne Podborny, stellvertretende Leiterin des Diakonischen Werks Offenbach-Dreieich-Rodgau. Denn den Menschen, die in Deutschland heimlich untergetaucht sind, stehen keinerlei Leistungen zu. „Da bekommt man Elend ohne Ende zu sehen, ohne etwas machen zu können.“

Infos und Kontaktdaten:

-Alle Beratungsstellen stehen allen Frauen (auch mit Partner) offen - kostenlos und unabhängig von der Konfession. Diakonisches Werk und Pro Familia bieten die sogenannten Schwangerschaftskonfliktberatungen an, die einem Abbruch verpflichtend vorausgehen. Der Caritasverband ist aus dieser Beratung ausgestiegen. 

- Die katholische Beratungsstelle für Frauen in Schwangerschaft und Notsituationen im Caritashaus St. Josef wurde 2008 von 226 Frauen besucht. Kontakt: Platz der Deutschen Einheit 7, Tel: 069 80064-0 

- Die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung des regionalen Diakonischen Werkes wurde 2008 von insgesamt 178 Frauen nachgefragt. Kontakt: Karlstraße 58, Tel: 069 829770-20 

- Bei Pro Familia suchten Frauen im vergangenen Jahr Rat: 541 Schwangerschaftskonfliktberatungen, 413 mal Mutter-Kind-Stiftung, 146 Beratungen bei Schwangerschaft. Kontakt: Domstraße 43, Tel: 069 8509680-0

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare