Regionalentscheid in Offenbach

„World Robot Olympiad“: Schüler zeigen Erfindergeist

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Gespannt verfolgt das Publikum in der Volker-Heim-Halle ob die programmierten Helfer ihre Aufgaben erfüllen.

Offenbach - Erfinder- und Mannschaftsgeist waren am Wochenende beim Regionalwettbewerb der „World Robot Olympiad“ in Offenbach gefragt. 31 Schülerteams aus mehreren Bundesländern zeigten, was ihre selbst konstruierten und programmierten Mini-Roboter zu leisten imstande sind. Von Harald H. Richter 

Kaum ist es gestartet, steuert das Robotermodell präzise auf die zu sortierenden Produkte zu und nimmt sie nach und nach auf. „Die reifen Lebensmittel bringt er in die Supermärkte, die übrigen zur passenden Verwertung – entweder in den Reiferaum, die unschönen in die Fabrik oder die verdorbenen in die Biogasanlage“, erläutert Käthe Engler, die zu den Juroren beim Regionalentscheid zur World Robot Olympiad in Offenbach gehört.

Die IBM-Expertin mit dem geübten Blick auch für kleinste Fehler verfolgt, wie die verschiedenfarbigen Spielblöcke, die für die unterschiedlichen Qualitätsstufen stehen, an den vorgesehen Lagerplätzen abgelegt werden oder auch mal ganz woanders landen als gedacht.

Dann heißt es für die Teams, in der Pause zwischen den Wertungsdurchgängen das computergesteuerte Programm in Nuancen abzuändern.

Beifall brandet in der Volker-Heim-Halle des Offenbacher Albert-Schweitzer-Gymnasiums (ASS) auf, als den „Simple Bots“ aus Frankfurt im letzten von vier Durchgängen ein fast perfekter Lauf gelingt. Damit sichert sich das Dreierteam in der Altersklasse der Acht- bis Zwölfjährigen den Gesamtsieg vor dem Frankfurter „Robo Studio 2“. Gemeinsam fahren sie im Juni zum Deutschlandfinale nach Passau.

Dieser Sprung gelingt auch den teilnehmenden Schülern des Bad Homburger Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums und des Röntgen-Gymnasiums aus Würzburg in der Gruppe der 13- bis 15-Jährigen. Letztere gewinnen auch bei den 16- bis 18-Jährigen.

Kristina, Laura und Frederik von der gastgebenden Albert-Schweitzer-Schule verpassen als Dritte in ihrer Kategorie zwar das Weiterkommen, erfahren dennoch Anerkennung. „Gut gemacht“, lobt Informatiklehrerin und Teamcoach Eva Segeritz das Abschneiden ihrer Schützlinge. Jannik, Ben und Max vom Team „Rodgau Monobots“ der Jügesheimer Georg-Büchner-Schule werden am Ende Sechste.

Die ASS ist seit vier Jahren Ausrichter des Regionalentscheids dieses internationalen Roboterwettbewerbs. Er hat zum Ziel, Kinder und Jugendliche für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – die sogenannten MINT-Fächer – zu begeistern. In Deutschland wird er vom Verein „Technik begeistert“ aus Menden (Sauerland) koordiniert sowie von IBM unterstützt.

Die Mini-Roboter werden aus Lego-Bausätzen konstruiert. Diesmal stellen sich in Offenbach 31 Zweier- beziehungsweise Dreierteam aus Grund- und weiterführenden Schulen sowie private Mannschaften kniffligen Aufgaben. 2018 lautet das Motto „Food Matters“, das die Verschwendung von Lebensmitteln in den Blick nimmt. 800 Millionen Menschen leiden Hunger, zugleich wird rund ein Drittel der produzierten Lebensmittel nicht gegessen, sondern weggeworfen.

„Das ernste Thema lässt sich im Wettbewerb unterschiedlich herausarbeiten“, betont Markus Fleige, Vorsitzender von „Technik begeistert“. So haben die Schüler der Junior-Altersklasse Lego-Roboter gebaut, die Daten zur Bodenqualität sammeln, um die richtigen Setzlinge auf den Äckern anzubauen.

Bilder: „World Robot Olympiad”

Die Altersklasse Senior ist mit Mini-Robotern am Start, die so programmiert sind, dass die Nahrungsgüter mit Schiffen zielgenau transportiert werden. Transportbehälter sind mit Kühlaggregaten ausgerüstet, damit nichts verdirbt. Auch darauf haben die Konstrukteure geachtet.

Ein Pilotprojekt für Kinder ab sechs Jahren soll Mädchen und Jungen ansprechen, die neu in die WRO einsteigen wollen oder denen die Aufgaben in der Erstkategorie zu anspruchsvoll sind. „Nach der Saison werden wir entscheiden, ob wir dieses deutsche WRO-Angebot fortführen“, erklärt Käthe Engler.

In Offenbach geben Louis und Leon („Team Plasma reloaded“) von der Grundschule Dornholzhausen in Bad Homburg ihr Bestes. Den Achtjährigen stehen erfahrene Coaches zur Seite, in Axel Bug betreut ein „alter Hase“ die Neulinge. Ihm assistiert Enkel Dominik Bug, der reichlich internationale Erfahrung mitbringt.

Drei Mal schon war der Teenager bei Weltfinals, zuletzt voriges Jahr in San José (Costa Rica). „Nun hilft er mir, die nächste Generation für den Wettbewerb zu begeistern“, sagt der Großvater schmunzelnd. Stolz recken am Ende Louis und Leon ihre Urkunden in die Höhe, die ihnen bescheinigen, dass sie mit einer Erfolgsquote von 84 Prozent ihre Sache überaus gut gemacht haben.

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