Regionalverband radelt mit

Der Geleitsweg ist eine Schlaglochpiste, die gerade nach Regenfällen deutlich zu Tage tritt. Viele Radler würden diesen Weg im Kuhmühlgraben gerne als schnelle und autofreie Verbindung zwischen Offenbach und Mühlheim ausgebaut sehen. Foto: Kuhn

Mindestens vier Meter breit, die gesamte Strecke asphaltiert, der komplette Weg dank Photovoltaik beleuchtet: Die „Fahrrad-Autobahn“ von Frankfurt nach Darmstadt ist sicher ein Traum. Einige Radler würden das Geld freilich lieber in bestehende Pisten investiert sehen. VON MARTIN KUHN

Ein guter Plan, dem mitunter viele Details im Weg stehen.

Offenbach – Radfahren boomt. Über Jahrzehnte mehr oder weniger milde belächelt und mit wenig Finanzmitteln ausgestattet, rüsten Bund, Land und Stadt mächtig nach fürs Velo. Das gibt mächtig Klimapunkte. Ein regionales Vorzeigeprojekt ist sicher der Radschnellweg zwischen Frankfurt und Darmstadt, für den Mitte Oktober in Egelsbach der Spatenstich erfolgt ist. In Offenbach plant und baut man an neun Kilometer Fahrradstraßen samt Weiterführungen. Dafür wird viel Geld in die Hand genommen. Dieses würde vielleicht an anderer Stelle besser verbaut, meinen Radler. Aber wo?

Der ehemalige Oberbürgermeister Horst Schneider liebäugelte nicht nur mit einer südmainischen S-Bahn-Linie von Frankfurt über Offenbachs Hauptbahnhof und Hanau bis nach Aschaffenburg, sondern auch mit einer parallelen Rad(schnell)piste zumindest auf dem lokalen Bahndamm, der seit Mitte der 1920er Jahren die Stadt durchschneidet. Gerd Glöckner plädiert nun für einen Fernradweg von Hanau nach Offenbach.

Der Mühlheimer macht das jetzt nicht aus der Hüfte heraus. Er hat sich vielmehr Gedanken gemacht, die Strecke ausgearbeitet und als Berufspendler getestet. In seinem Vorschlag geht es um „die Nutzung und Instandsetzung vorhandener Wege“ – überwiegend entlang des Kuhmühlgrabens, der als wichtige Landschaftsschutzzone und Kaltluftschneise gilt.

Vorteil einer dortigen Radschneise laut Glöckner: „Aus meiner Sicht ist hierfür kein jahrelanger Planungsaufwand erforderlich.“ Es seien zum Teil ausgeschilderte Radwege, die allerdings „in einem katastrophalen Zustand sind“. Zum Beispiel wäre der Weg entlang des Kuhmühlgrabens parallel zur Mühlheimer Straße eine ausgezeichnete Radverbindung zwischen Mühlheim und Offenbach – abseits des Autoverkehrs und ohne Ampeln.

„Dieser Weg müsste einfach nur in Ordnung gebracht werden. Dann könnten Bürger von Mühlheim (über Rote Warte), von Waldheim und Rumpenheim sehr direkt und ohne Verkehrsbeeinträchtigungen nach Offenbach (Mainufer) mit dem Fahrrad fahren“, schlägt der radelnde Berufspendler vor und sieht darin eine sinnvolle Abkürzung des Mainbogens.

Aber der Weg ist (wie auch schon von unserer Redaktion berichtet) in einem dermaßen schlechten Zustand, dass sich nicht einmal zwei Radfahrer ohne Behinderung begegnen können. Glöckner sieht allerdings das Potenzial auch hinsichtlich des oft beschworenen Umsteigens vom PKW aufs Velo: „Ich denke, dass die Instandsetzung der vorhandenen Wege neben der Planung und Umsetzung von Fernradwegen eine wichtige Maßnahme zur Verbesserung der Rad-Infrastruktur ist. Hier könnte man sofort beginnen.“

Dass Finanzmittel und Fördertöpfe aktuell allein auf die lokalen Fahrradstraßen und die überregionalen Radtrassen zielen, sieht er als nicht immer ideal an. „Das Geld kann man sicher für solche Planungsaufträge ausgeben. Damit wird aber kurzfristig kein Schritt zur Verbesserung der Situation erreicht.“ In der Stadtverwaltung weiß man um die Problematik und die teils sehr individuellen Sichtweisen.

Um das Angebot für radelnde Berufspendler von und nach Offenbach weiter auszubauen, hat die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat damit beauftragt, gemeinsam mit Frankfurt, Mühlheim und Hanau eine Machbarkeitsstudie für eine geeignete Radschnellverbindung Hanau - Mühlheim - Offenbach - Frankfurt zu veranlassen. Stadtsprecher Fabian El Cheikh konkretisiert: „Aufgrund der überregionalen Bedeutung einer südmainischen Raddirektverbindung hat der Regionalverband innerhalb der ,Radwege-Offensive’ den beteiligten Kommunen angeboten, die Koordinierung des Prozesses einer Machbarkeitsstudie zu übernehmen. Hierzu hat ein erstes Gespräch stattgefunden, in welchem alle Beteiligten ihr Interesse am Projekt und die Bereitschaft zur Erarbeitung einer solchen Studie bekundet haben.“ Die nächsten Schritte umfassen Abschluss einer Kooperationsvereinbarung und Beantragung von Fördermitteln.

Der (schlechte) Zustand des wassergebundenen Weges am Kuhmühlgraben ist der Stadt bekannt. „Da dort auch Fahrzeuge fahren, wird eine Reparatur immer nur für einen begrenzten Zeitraum Verbesserungen bringen“, schränkt El Cheikh allerdings ein. Und auch die Einstufung des Grabens, der sowohl als Retentionsraum bei Hochwasser als auch als Wasserspeicher bei Dürre dient, dürfte aktuell einem weiteren Ausbau entgegenstehen.

„Eine Asphaltierung über diese Länge der Strecke wäre ein großer ökologischer Eingriff, der erhebliche Ausgleichsmaßnahmen nach sich ziehen würde“, gibt El Cheikh zu bedenken. Wie mit dieser Wegstrecke umgegangen werde, die Teil der Schnellradroute sein würde, müsse im Kontext der Gesamtmaßnahme Schnellradweg betrachtet werden.

Noch weiter geht die SPD: Sie möchte, dass Verbindungen zwischen dem geplanten nordmainischen Radschnellweg und dem Kaiserleigebiet sowie in Richtung Bürgel/Rumpenheim über den Arthur-von-Weinberg-Steg geschaffen werden.

Infos im Internet

t1p.de/of-kuhmuehl

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare