Reha-Zentrum mit Wasserpraxis

Ungereimtheiten um einen „Schwarzbau“

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Offenbach - Die Physiotherapeutin Bettina van Nüss  gibt die Hoffnung nicht auf, doch noch einmal eine Wasserpraxis im Klinikum betreiben zu können. Von Thomas Kirstein 

Die neuen Eigentümer sehen allerdings kaum eine Chance, dass sie das notwendige Geld in die unumgängliche Aufrüstung des Schwimmbads im zur Zeit nicht betriebenen Reha-Zentrum stecken. „Wir haben keine Idee, wie die Wasserpraxis weiter betrieben werden könnte“, sagt Sana-Geschäftsführer Dr.  Jens Schick. Frau van Nüss müsse erstmal ein tragfähiges Konzept vorlegen. Ähnlich urteilt Klinikdezernent Peter Schneider: Auch er sieht die ehemalige Betreiberin in der Pflicht.

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Sana ist keine Willkür vorzuwerfen: Auch wenn im Rathaus niemand offiziell das Wort gebrauchen möchte, so wurde die Wasserpraxis praktisch in einem Schwarzbau betrieben. Eine Baugenehmigung ist, wie im Zusammenhang mit der Schließung im vergangenen Oktober berichtet, für das Bewegungsbad nie erteilt worden. Es gab lediglich eine befristete Ausnahmegenehmigung für den Betrieb. Noch unklar ist, was der Physiotherapeutin seitens des früheren Reha-Betreibers Mediclin vermittelt wurde, dass sie zu der Überzeugung kam, in der mangelhaft ausgestatteten Einrichtung eine langfristige Perspektive zu haben.

Merkwürdigkeiten birgt auch die Entstehungsgeschichte von Reha-Einrichtung und Bad. Wegen des erzwungenen Klinik-Verkaufs ist ein schlechtes Geschäft für die Stadt daraus geworden: eine Millioneninvestitionen ohne Ab- und Ertrag. Als 2004 die Kosten für den Neubau knapp gerechnet wurden, sollte für die unverzichtbare Reha ein externer Investor gesucht werden. 2,5 Millionen Euro werden damals über den Daumen gepeilt. Aber kein Bauherr findet sich, der Geld mitbringt.

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Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt findet dann die Firma Mediclin (Tochter des Asklepios-Konzerns). Der nicht unübliche Deal: Klinik/Stadt finanziert den Bau vor – man ist jetzt bei 3,5 Millionen –, der Betreiber stottert die Investition über eine Kostenmiete ab. Dann wird’s ein wenig undurchsichtig. Mediclin hat sich ein Bewegungsbad gewünscht, das in den Kosten enthalten sein soll. Die Stadt/Klinik baut eins – unzureichend genehmigt.

Eine Mixtur aus Änderungswünschen des Mieters und von den Planern nicht erkannten Erfordernissen, beispielsweise bei Brandschutz und Statik, lässt die Kosten – 2011 – auf fast 5,5 Millionen steigen. So richtig ist bislang nicht aufgedröselt, was auf wessen Konto geht. Man einigt sich aber auf Geschäftsführerebene auf zwei Drittel Klinik und ein Drittel Mediclin. Die Firma hätte auf jeden Fall mehr als 15 Jahre lang Miete zahlen müssen, damit das Geschäft für die Stadt halbwegs aufgeht. Unglücklicherweise gibt es im Vertrag eine Ausstiegsklausel bei Besitzerwechsel. Mediclin ist bereits raus. Das teure Bad hat die Reha-Firma ohnehin nie selbst in Betrieb genommen. Sie suchte sich eine Untermieterin: Bettina van Nüss, die jetzt auf den Scherben ihrer Existenz sitzt.

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