„Es reicht wohl, wenn wir zahlen“

Offenbach - Dass die Leute seine Unterschriftenliste ignorieren werden, muss Norbert Herbert nicht befürchten. Die fett gedruckten Schlagworte „Der Wilhelmsplatz zur Hälfte autofrei? Nein danke!“ werden vielen Menschen einen aufgeregten Gedanken wert sein. Ob der zu Unterschriften führt oder nur zu entnervtem Kopfschütteln, muss sich erweisen. Von Marcus Reinsch

Als im vergangenen Jahr schon einmal Autogramme gegen den Parkplatzschwund gesammelt wurden, war die Lage an der Sympathiefront klarer. Da konnten Wirte rund um den Wilhelmsplatz ihre Protestnote gegen die Vergabe der für wiederkehrende Gäste so elementaren Parkplätze an einen privaten Investor kaum so schnell auslegen, wie sie vollgeschrieben wurde. Doch diesmal gibt es zwei Unterschiede: Zum einen hat die Kommunalpolitik die Entscheidung mittlerweile hinter sich - der Investor hat abgewunken, das Stadtparlament den Umbau in Eigenregie mit breitester Mehrheit abgesegnet, der Parkplatz bleibt am Abend kostenlos. Und zum anderen sind es jetzt nicht die Gastronomen, die das Volk für sich mobilisieren wollen, sondern die Eigentümer von 15 der 19 Immobilien am Platze. Letztere sind mächtig sauer auf die Stadt.

Norbert Herberts Unterschriftenliste zufolge vor allem, weil Anwohner und Kneipengäste schon heute kaum einen Parkplatz fänden - weshalb Feierabendbierchentrinker und Mieter wohl ausbleiben würden, wenn nach dem Umbau faktisch jeder zweite Parkplatz fehle. Vor allem aber hat sich der neue Widerstand aus einem Grund formiert, über den das Flugblatt eher zwischen den Zeilen Auskunft gibt: Sollte die Stadt den Wilhelmsplatz nach dessen eigentlichem Umbau in einem zweiten Bauabschnitt bis an die umliegenden Häuser ausdehnen, müssten deren Eigentümer einen guten Teil der Kosten übernehmen. Dass auf jeden Eigentümer je nach Grundstücksgröße und Geschosszahl eine Rechnung über 30 000 bis 40 000 Euro zukommen könnte, haben Herbert und seine Mitstreiter aus dem von der Stadt bisher für die Verschönerung hochgerechneten Preis abgeleitet: 985 000 Euro.

Wie viele Prozente tatsächlich umgelegt werden können, hängt davon ab, wie die Längsstraßen am Wilhelmsplatz später aussehen und welche Funktion sie erfüllen. Besteht eine überörtliche Bedeutung mit viel Durchgangsverkehr, wird‘s für die Hausbesitzer günstiger. Läuft es auf einen eher abgeschotteten Bereich hinaus, könnten 30 000 Euro sogar noch optimistisch sein. Von Optimismus herrscht bei den Widerständlern momentan keine Spur. Deprimiert sehen sie dem nächsten Montag entgegen, weil dann Schneider die Wilhelmsplatz-Wirte zu einem „Austausch über das zukünftige Erscheinungsbild der seitlichen Straßen“ ins Rathaus gerufen hat.

Die Hausbesitzer sind nicht eingeladen - was eine Mail an den OB zur Folge hatte, die mutmaßt: „Es reicht wohl, wenn wir als Hausbesitzer zahlen, aber informieren möchte man uns nicht?!“ Schneider sagt, dass er möchte - später. „Je größer die Gruppe, desto schwieriger ist es, sich zu verständigen. Also macht es Sinn, dass ich mit denjenigen, die den Raum dort am intensivsten nutzen, zuerst über die Gestaltung und Verteilung der Flächen rede.“ Den Eigentümern könne er nur signalisieren, „dass die Stadt keinerlei Interesse an der unbotmäßigen Ausnutzung der Spielräume der Straßenbeitragssatzung hat. Und in die Insolvenz haben wir auch noch nie jemanden getrieben, sondern immer über Härtefälle verhandelt.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare