Offenbacher macht schlechte Erfahrungen

Reinfall beim Online-Kauf im Ausland

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Offenbach - Die grenzenlose Freiheit des Internets ermöglicht es, dass sich Kunden innerhalb weniger Minuten in Italien Schuhe und anschließend eine Kamera in Frankreich kaufen können. Wenn der Händler im Ausland sitzt, sollte man allerdings auf der Hut sein.

Der Fall eines Offenbachers, der schlechteste Erfahrungen gemacht hat, unterstreicht dies.

Peter B. (Name der Redaktion bekannt) ist richtig sauer auf die Justiz in Europa. Darum geht es in seinem Fall: Er hat 2007 bei einem französischen Versender ein Fernsehgerät bestellt und per Vorauskasse bezahlt. Geliefert wurde trotz mehrfacher Mahnungen nicht. Vor allem wurde behauptet, der Betrag wäre nicht eingegangen. Mit eigenen Kosten musste er den Nachweis der Bank beibringen, dass das Geld sehr wohl überwiesen worden war. Dennoch wurde nicht geliefert. Im April 2008 reichte er dann Klage auf Rückzahlung beim Amtsgericht Offenbach ein. Das Urteil fiel zugunsten des Offenbachers aus, die Kosten des Rechtsstreits wurden der französischen Firma auferlegt. Ein Teil der Kosten, u.a. die für den Anwalt, wurden tatsächlich von den Franzosen bezahlt. Das Problem: Kurz vor einer Verjährung, vier Jahre nach dem Urteil, erhielt Peter B. von der Gerichtskasse Darmstadt eine Zahlungsaufforderung über 612 Euro. Sein Einwand, laut Urteil habe der Beklagte auch die Restkosten zu tragen, wurde mit Hinweis auf entsprechende Gesetze und der angeblichen Aussichtslosigkeit der Eintreibung beim Schuldner, abgeschmettert.

Mehr Unterstützung vom Amtsgericht gewünscht

Natürlich hätte sich der Offenbach mehr Unterstützung vom Amtsgericht gewünscht. Was ihn aber richtig auf die Palme bringt, sind die Hindernisse im EU-Handel. „Ständig werden die Fortschritte und Vorteile der europäischen Integration gelobt, bürokratische Hürden angeblich abgebaut. Was ich erlebt habe, zeigt aber, dass Wesentliches im europäischem Rechtssystem im Argen liegt“, berichtet er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Eigentlich müsste ich jetzt nach Frankreich fahren und mit meinem Urteil aus Offenbach vor einem französischen Gericht die Zwangsvollstreckung in das Vermögen der Firma einfordern. Unter Umständen entstehen dann weitere Kosten für mich“, fügt er hinzu.

Lesen Sie dazu auch das Interview:

„Auf Rechnung kaufen“

Bei der Verbraucherzentrale Hessen heißt es zu den miesen Erfahrungen des Offenbachers: „Besser ist es, auf Rechnung zu kaufen. Dann hat man Zeit, die Ware zu prüfen und muss seinem Geld im Zweifelsfall nicht hinter laufen.“ Und Verbraucherschützerin Ute Bitter rät Kunden auch: „Hilfreich kann es sein, Anbieter danach auszusuchen, ob sie mit Bezahlsystemen wie Treuhandkonten - zum Beispiel PayPal - kooperieren. Diese Bezahlsysteme bieten einen Käuferschutz an und versprechen, dass man sein Geld zurück bekommt, wenn die Ware nicht kommt oder nicht einwandfrei ist.“

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psh

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