Reitverein will neuen Pachtvertrag

Weiter Unruhe im Reiterdorf

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Zeugnis eines Protestes, der seine Ursache möglicherweise in einer Überreaktion des Vereins hatte. Die Reiter hatten ihr Turnier abgesagt, was den Eigentümer des Tempelgeländes überraschte. Wie es weitergeht, ist unklar.

Offenbach - Was passiert mit dem Tempelplatz? Der Reit- und Fahrverein hätte gerne einen neuen Pachtvertrag. Der Eigner ist in der Überlegensphase, und der OB setzt auf eine einvernehmliche Lösung. Von Matthias Dahmer

War’s ein einziges großes Missverständnis? So ganz ist das auch zwei Wochen nach der Absage nicht klar. Sicher ist nur: Der Reit- und Fahrverein Rumpenheim hatte, wie berichtet, sein für den 11. und 12. Oktober geplantes Turnier auf dem sogenannten Tempelplatz in Rumpenheim kurzfristig gekippt.

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Unerwartete Wirkung

Grund war ein Schreiben des Platzeigentümers, in dem er die Reiter daran erinnerte, dass sie auf rechtlich unsicherem Terrain galoppieren, weil er ihnen schon vor Jahren den Pachtvertrag für den Platz gekündigt habe. Weil sie eine Eskalation des Streits befürchteten, gar schon die Vision einer behördlichen Räumung während ihres Turniers vor Augen hatten, zogen die Verantwortlichen des Vereins die Reißleine. Was den Platzeigner dann doch überraschte. Er sprach von einer Überreaktion, die er so nicht beabsichtigt habe. Rückblickend ist festzuhalten: Irgendwie ist da einiges ziemlich schief gelaufen in der Kommunikation zwischen den engagierten Rumpenheimer Reitsportlern und dem letztlich entspannt wirkenden Grundeigentümer.

Eigentümer dämpft Erwartungen

Doch wie geht’s nun weiter? Die Reiter, das machen die Vereinsvorsitzende Norma Brehm und Pressewartin Irene van Heemstra im Gespräch deutlich, könnten sich das so vorstellen: Sie würden gerne Verhandlungen über einen neuen Pachtvertrag beziehungsweise einen Kauf des Geländes aufnehmen. Zudem ist es ihr Wunsch, das abgesagte Turnier im Frühjahr nachzuholen. Als Moderator zwischen den offenbar verhärteten Fronten schlagen sie Bürgermeister Peter Schneider, seines Zeichens Rumpenheimer, vor.

Der Eigentümer des Tempelplatzes, der sich in den nächsten Wochen mit den Reitern an einen Tisch setzen will, dämpft indes die Erwartungen auf die ganz schnelle Einigung. Er erinnert zunächst daran, dass er das rund 28.000 Quadratmeter große Grundstück dem Verein vor drei Jahren zur erneuten Pacht angeboten habe, man sich aber nicht über den Preis habe einigen können. Und schon mit dem Vorbesitzer seien Verhandlungen über einen Kauf gescheitert.

Wie es mit dem Gelände weitergeht, ob die Reiter weg müssen und eine andere Art der Nutzung geplant ist oder ob er die bisherige Situation weiter rechtlich duldet, lässt der Eigner offen. Es gebe Überlegungen für eine andere Nutzung, dazu seien aber noch weitere Gespräche erforderlich, sagt er. Zudem stelle sich die Lage für ihn anders da, wenn möglicherweise der angrenzende Goldockerhof einmal den Besitzer wechseln sollte. Klar ist dem Eigentümer aber auch: Eine Wohnbebauung des Tempelplatzes ist wegen des dort geltenden Landschafts- und Denkmalschutzes ausgeschlossen.

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Darauf weist auch Oberbürgermeister Horst Schneider hin. „Auf dem Gelände der Reiter geht in Sachen Wohnbebauung gar nichts.“ Auch ein immer wieder mal gerüchteweise zur Diskussion stehender Golfplatz ist für Schneider dort ausgeschlossen. Was eine Lösung des Konflikts angeht, regt der Verwaltungschef an, dass der Eigentümer das Gespräch mit der Stadt sucht. Im übrigen ist der OB optimistisch, dass eine Regelung gefunden werden kann. Als Sportdezernent unterstütze er die Reiter und freue sich auf das Turnier im Frühjahr.

Die Spitze des 130 Mitglieder zählenden und weiter wachsenden Reit- und Fahrvereins weist unterdessen auf die Bedeutung des Platzes und ihres Sports hin. Der Tempelplatz, sagt Vorsitzende Brehm, sei so etwas wie der „Nucleus des Reiterdorfs Rumpenheim“. Diese Art von Reitplatz, den der Verein vor 30 Jahren auf sandigem Untergrund angelegt habe und seitdem pflege, gebe es weit und breit nicht. Im Verein seien schon Pferde herangezogen worden, die an Olympischen Spielen teilgenommen hätten.

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