Rekorderlös bei Päckchenversteigerung

Überraschungen als Wohltat

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Klaus Kohlweyer brachte auf dem Aliceplatz die Weihnachtspäckchen an Frau und Mann.

Offenbach - Versteigerungen entwickeln zuweilen ihre Eigendynamik. Sogar im gediegenen Ambiente des Londoner Aktionshauses Sotheby’s. Von Stefan Mangold

Auch dort motiviert manch einen Bieter, die Hand nur deshalb zu heben, um einem Konkurrenten finanzielle Potenz zu demonstrieren, ohne aber das Objekt wirklich ersteigern zu wollen. Bei der Auktion der Weihnachtspäckchen auf dem Offenbacher Weihnachtsmarkt geht es am Samstag jedoch ohne Arg zu. Im Grunde wie schon seit zwanzig Jahren. Klaus Kohlweyer, zweiter Vorsitzende des Gewerbevereins Treffpunkt Offenbach, greift aber ausnahmsweise auf dem Platz vor dem KOMM-Center zum Mikrofon. Am Stadthof vor dem Rathaus, wo der Mann sonst so lange wie möglich zögert, bis er „zum Dritten“ ausruft, wird momentan gebaut.

Für 106 Pakete treibt der Auktionator den Preis in die Höhe. Für gute Zwecke, wie immer. Etwa für den Betrieb des Waldzoos: „Weil der besonders für Kinder eine wichtige Rolle in der Stadt spielt“, führt Jürgen Amberger, Leiter des Amts für Wirtschaftsförderung, zur Begrüßung aus. Zudem knabberte das Tiergehege lange Zeit an den Folgen des Brands vom 1. Mai 2011. An Ambergers Kollegin Birgitt Möbus, zuständig für das sogenannte City Management, lag es auch diesmal im Vorfeld, Klinken zu putzen und Offenbacher Einzelhändlern und Firmen zu motivieren, ein Päckchen zu spenden mit einem Wert von mindestens 25 Euro.

Wer etwas ersteigert, kann sich zwar nicht ganz sicher sein, was drin steckt, jedoch davon ausgehen, dass in einem Päckchen des Weinladens Villa Vinum am Wilhelmsplatz nicht gerade ein Lockenwickler steckt und im Paket von Peter Caligaris Friseurfilialen kein chilenischer Merlot. Franziska Hoefer hat sich jedenfalls darauf verlassen, für ihre 60 Euro ein paar edlere Tropfen ersteigert zu haben.

Aktion: Päckchen für Kinder in Not

Jene Frau im Übrigen, die Kohlweyer später scherzhaft verdächtigt, „zu faul zum Backen zu sein“, nachdem Hoefer noch einen Korb von Bäcker Eifler ihr eigen nennen darf. Vielleicht tat sie dies aber auch mit dem Kalkül, die Chancen zu erhöhen und am Ende einen teuren Fisch zu angeln. Jedes Paket trägt nämlich eine Nummer, die im Lostopf liegt. Die Firma Emerango, Betreiber einer Internetplattform für gebrauchte Smartphones und Tablets, spendiert ein neues iPhone 5c im Wert von 600 Euro als Hauptpreis.

Nicht selten drückt der Pianist Frank Spannaus, der mit der Sängerin Caroline Mhalanga den Nachmittag musikalisch begleitet, an seinem Keyboard den Knopf für den Tusch. Der erklingt immer dann, wenn jemandem etwas ersteigert hat, das über hundert Euro wert ist. So wie Sibille Frychel, die Lebensgefährtin von Klaus Kohlweyer, die im dritten Jahr hintereinander einen Gutschein von Hotel Winters für zwei Personen und zwei Nächte ergattert – für 110 Euro. Den könnte das Paar in München oder Berlin einlösen. Was bisher aber nie gelangt: „Es fehlte uns leider die Zeit.“ Nicht schlimm, schließlich gehe es um den guten Zweck.

Steigende Zahlen

Von diesem profitiert unter anderem die Hospizbewegung, die Wolfgang Schäfer vorstellt. Die 30 ehrenamtlichen Mitarbeiter begleiten jährlich rund fünfzig Sterbe- und Trauerfälle. Christine Sparr wiederum spricht für die Arbeit der Offenbacher Dependance der Frankfurter Tafel. „Als wir hier vor fünf Jahren anfingen, kümmerten wir uns um achtzig Haushalte.“ Die Zahl stieg auf 500.

Die Versteigerung erbringt am Ende einen neuen Rekord: 6220 Euro kommen zusammen. Kohlweyer legt die Differenz zu 6600 Euro drauf, „das lässt sich besser durch drei teilen“. Und Libor Mazur dürfte euphorisch gestimmt zu Hause angekommen sein. Der Mann wirft die Mütze hoch und hüpft mit einem Satz auf die Bühne, nachdem die kleine Marlene, Tochter des Emerango-Geschäftsführers Marc Tecklenburg, das Los mit der Nummer 84 gezogen hat. Die steht auf einem Paket von Blumen Roth an der Frankfurter Straße.

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