Rekordverdacht zum 22.

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Fröhlichkeit überall, ob im Zug oder am Straßenrand...

Offenbach ‐ Wie seit jeher friedlich und fröhlich, diesmal aber rekordverdächtig - das ist das Fazit des 22. Bieberer Fastnachtsumzugs. Geschätzte 10.000 Besucher säumen am Samstagnachmittag bei narrenfreundlich sonnig-mildem Wetter die Straßen in Bieber. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Viele von ihnen sind bunt kostümiert, die jüngeren überwiegend in gebückter, Gutsjer sammelnder Haltung.

Die 31 Zuggruppen brauchen fast drei Stunden bis zum Ostendplatz, um die beiden Routen tanzend, rollend oder marschierend abzuarbeiten. Dabei kommt es immer wieder zum Stau, wenn eins der größeren Fahrzeuge die durch Personen verengten Kurven nicht auf Anhieb schafft.

Oder wenn Oberbürgermeister Horst Schneider mit seinem randvoll gefüllten Leiterwagen nicht nachkommt. Als der Dorf-Schultheiß, in dessen historisches Gewand er sich gesteckt hat, müsste der eigentlich Abgaben einziehen. Im selbstständigsten aller Stadtteile aber zeigt sich ganz entgegen seiner Bestimmung äußerst spendabel und bringt Süßkram freigiebig unter sein Volk.

Bilder vom Fastnachtszug

Bieberer Fastnachtsumzug

Mit von Kommunalwahlwerbung inspirierten Spruchtafeln wie „Mann, wer hätte das gedacht, der Ostendplatz wird schee gemacht!“ zeigt sich der als Feuerlöscher verkleidete „Trupp von de SPD“ als einziger neben seiner Konkurrenzpartei CDU politisch. Die umsorgt als Gärtner immer noch das im Frühjahr 2010 der ESO-Kettensäge zum Opfer gefallene Gehölz vom Wilhelmsplatz und lässt Offenbacher Bäume wieder auferstehen. Stadtverordneter Dominik Mangelmann ist das marschierende Stamm-Relikt, dessen Schild keine Zweifel aufkommen lässt: „Ich bin eine Offenbacher Kastanie.“

Alle anderen ziehen es vor, einfach nur farbenfroh, lustig und ideenreich zu sein. Die Interessengemeinschaft Bieberer Fastnacht hat eine neue Schmetterlingsart kreiert, deren vorfrühlingshaftes Metamorphosenstadium mit sechs Armen und zwei Beinen daher kommt. So kann man praktischerweise einem halben Dutzend Narren gleichzeitig die Hände schütteln.

„Isses wahr? 22 Jahr!“

„Mit Leib und Seele BieBären“ und „Lieber Bajazz in Bieber als Clown in Offenbach“ zeigen sich Raiffeisenbank und Gewerbeverein lokalpatriotisch. Der Wirtschaftsstandort Bieber muss schließlich gefördert werden. Andere zeigen lieber, was sie können: Die Turngesellschaft „Bi(e)ber Jumpers“ nimmt die Gass’ springseilhüpfend ein, der Radsportverein Germania schafft das gar auf Einrädern. Die Turngesellschaft rollt hübsch verkleidete Japanerinnen in Rhönrädern vor sich her.

Als musikalischer Kontrapunkt darf die Guggemusik nicht fehlen. Dafür sorgen der Spielmannszug aus Hainstadt, das 1. Fanfarencorps Groß-Zimmern, die „Icebreakers“ der Offenbacher Stadtgarde sowie die „Los Cravallos“ und der Musikverein Eintracht als Mexikaner.

Unter dem Motto „Isses wahr? 22 Jahr!“ zeigen die aus der katholischen Jugend herausgewachsenen Ehemaligen anlässlich des fastnachtlichen Doppel-Elf-Jubiläums des Bieberer Zugs Jugend alles, was sich in den Jahren an Gemeinschafts-Kostümen angesammelt hat. Vom Zugvogel des Jahres 2010 über Panzerknacker, Außerirdischen, Schumi und anderen Kuriositäten bis hin zum einfachen Schneemann aus dem ersten Zug-Jahr 1989 wird nichts verheimlicht, was schon mal da war.

Auch von amtlicher Seite ist nur Positives zu berichten: Die Polizei meldet ruhigen Verlauf ohne Zwischenfälle.

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