Nur Relikte vom alten Modehaus

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Bauherren-Sprecher Thomas Keck mit den Architekten Hans und Marlon Mathis (von links) im noch karg und kalt wirkenden „Higlight“ des Geschäftshauses.

Offenbach - Der Richtkranz hängt bereits im von Heizlüftern erwärmten Erdgeschoss. Morgen feiern dort an die 150 geladene Gäste die Fertigstellung eines Rohbaus, der einen zentralen Teil Offenbachs maßgeblich verändert. Von Thomas Kirstein

Oberbürgermeister Horst Schneider und Thomas Keck, der Sprecher der Investoren, werden die Bedeutung des Zehn-Millionen-Projekts angemessen zu würdigen wissen. Offiziell heißt der Bau, der mit seiner geschwungenen Glasfassade die Ecke an der Bieberer Straße prägen wird, „Geschäftshaus Marktplatz“. Aber „der Kleider-Frei“ ist als geographische Bezeichnung nicht verschwunden, nachdem im vergangenen Juni die Umbauarbeiten begannen. Vom alten Modehaus bleibt indes wenig bis nichts mehr.

Auch nicht der Name. Thomas Keck (mit Bruder Wolfgang, Emil Frei und Dreßler-Bau Gesellschafter der Geschäftshaus Marktplatz Offenbach Unternehmergesellschaft) macht deutlich, dass der gewohnte Kleider-Frei nicht aus dem Heusenstammer Exil zurückkehren wird.

„Neue Konstellation aus Mode und Sport“

Textilien wird die Familie auch künftig anbieten, aber auf geringerer Fläche und in Form einzelner Marken-Shops. „Der Schwerpunkt wird Herrenbekleidung sein“, macht Keck Hoffnung, dass sich eine große Angebotslücke in Offenbach verkleinern könnte. Mit Partnern für die auf zwei Etagen entstehende „neue Konstellation aus Mode und Sport“ wird derzeit noch verhandelt. Unter Dach und Fach sind Verträge mit drei Mietern, darunter die Accessoires- und Möbelkette Depot, die 1000 Quadratmeter nutzt, und Friseur Peter Caligari.

Daten und Fakten rund um das neue Geschäftshaus Marktplatz in der Übersicht.

Mit fünf weiteren Nutzern gehen die Gespräche in die Endphase - Ärzte und Zahnärzte, Heilpraktiker und Beratungsunternehmen. Die meisten seien Umzügler, die aus älteren Immobilien wegwollten, sagt Keck. An den Markplatz locken moderne Ausstattung, hohe Bauqualität, dank Fernwärme und Energiestandards niedrige Nebenkosten und moderate Mieten. Noch ohne Interessent ist die attraktivste Fläche, das vierte Obergeschoss mit seiner umlaufenden Dachterrasse.

Vom alten Kleider-Frei sind nach der Entkernung nur noch Spuren zu entdecken. „Einige Träger, ein paar Decken“, sagt Architekt Marlon Mathis, der mit seinem Team im Büro von Vater Hans (Schlachthof Offenbach, Bahnhof Heusenstamm) den Entwurf verantwortet.

Vor den Relikten dreier Bauepochen - 1951 begann es am Marktplatz, 1963 und 1970 folgten Erweiterungen in Richtung Wilhelmsplatz - sitzt jetzt eine Stahlbetonkonstruktion mit „gegliederter Pfosten-Riegel-Fassade“. Bei der Planung mussten, wie Mathis erläutert, unterschiedliche Boden- und Deckenniveaus berücksichtigt und ausgeglichen werden.

Lob nicht nur aufs Werk, sondern auch auf die Stadt

Das Projekt steht in engem Zusammenhang mit dem angrenzenden modernen Parkhaus der Firma Q-Park. Wie Thomas Keck verrät, wurde bei dessen Planung bereits berücksichtigt, dass jede Etage Übergänge zum Neubau bietet.

Wenn morgen Richtfest gefeiert wird, wird Lob nicht nur aufs Werk, sondern auch auf die Stadt fallen. Architekt Mathis preist ein unbürokratisches Genehmigungsverfahren, Bauherr Keck den OB: Der habe dafür gesorgt, dass baurechtliche Ermessensspielräume ausgeschöpft wurden. Aus dem Geschäftshaus, das im Juni fertiggestellt sein soll, wird Horst Schneider auch andere Signale gern vernehmen: „Die Mieter fordern eine Umstrukturierung des Marktplatzes“, berichtet Thomas Keck; die derzeitige Situation mit ungebremstem Durchgangsverkehr werde als Barriere empfunden.

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