„Remember the Good Times“

Hüftschwung mit Ansage

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Mehr als 1000 Fans strömten in die Stadthalle, um bei Musik von den Rubettes, Night Fever und Albert Hammond mit Band unter der Discokugel abzurocken.

Offenbach - „Remember the good times“ überschrieb das Kulturbüro der Stadt Offenbach sein aktuelles Veranstaltungsangebot, mit dem am Samstag drei Bands den Sound und das Lebensgefühl früherer Jahre auf die Bühne der Stadthalle zurückbrachten. Von Harald H. Richter 

Nostalgischen Erinnerungen wird gern ein stimmungsaufhellender Effekt zugeschrieben. Warum eine gewisse Sehnsucht nach guten alten Zeiten die Menschen glücklich macht, spielt letztlich keine Rolle. Wichtig ist nur, dass sie es tut. Verbindet sich die Rückschau auf damals mit der Musik der jeweiligen Epoche, ist der Mensch zufrieden. Einem unterhaltsamen Samstagabend steht dann nichts mehr im Wege.

Der Saal der Stadthalle ist mit mehr als 1000 Musikbegeisterten gut gefüllt, die Stimmung bestens und Teilzeit-Ruheständler Günter Doll als Organisator sichtlich zufrieden. „Nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Jeff Christie haben wir zum Glück einen gleichwertigen Ersatz gefunden“, sagt er und meint die Rubettes um Sänger und Keyboarder Bill Hurd, die den Anfang des fünfstündigen Programms machen.

Ein Kracher nach dem anderen

Zwar touren mittlerweile zwei Formationen durch die Lande, die den Namen der berühmten britischen Popband tragen, Anhängern des Sounds der 70er-Jahre ist es aber egal, wer ihnen die Hits aus jener Zeit darbringt, als das Haupthaar noch voller und die Gesichtszüge straffer waren. Hurd und seine Mannen, am Abend zuvor noch im englischen Ruislip (Middlesex) aufgetreten, präsentieren einen Kracher nach dem anderen: den „Juke Box Jive“, „Under the Roof“ und natürlich „Sugar Baby Love“, mit dem man vor 40 Jahren die Hitlisten anführte. Das Ganze reichern sie um Songs aus ihrem aktuellen Album an und verabschieden sich nicht ohne Zugaben.

Mit dem Tod zunächst von Maurice Gibb und später auch seines Bruders Robin ging eine musikalische Ära und grandiose Erfolgsgeschichte zu Ende, die in den 60er-Jahren begonnen hatte. Ihrem Vermächtnis haben sich drei Künstler verschrieben, die das Bühnenlicht wieder anknipsten und die Mikros aufdrehten, um die besten Songs der legendären Bee Gees so authentisch wie möglich zu interpretieren und in eine Show zu packen. Michael („Barry“) Zai, Franco („Robin“) Leon und Uwe („Maurice“) Haselsteiner ist dieser Coup gelungen. Seit 2007 sind sie als „Night Fever – The very best of the Bee Gees“ live auf der Bühne sowie in zahlreichen Fernsehsendungen zu sehen. Die Resonanz auch ihrer Offenbacher Fans ist überwältigend. Zu Herzen geformte Knicklichter und bunte Leuchtstäbe schwingend, drängt sich das Publikum vor der Bühne, singt begeistert mit zu „Spicks and Specks“, „World“ und „Massachusetts“.

So wirkt Musik auf unseren Körper

So wirkt Musik auf unseren Körper

Auch Joachim Orthmann geht das Herz auf. „Mit diesen Liedern verbinde ich so viele Erinnerungen an meine Jugend“, freut er sich, Ehefrau Martina untergehakt und im Takt der Musik wiegend. „Der Sound ist große klasse, eigentlich kein Unterschied zum Original.“ Nicht nur die beiden geraten ins Schwärmen, als die Discokugel sich zu drehen beginnt und die Band „Stayin‘ Alive“ anstimmt, „How deep is your love“ und „Night Fever“ folgen lässt. Die 70er scheinen zurück und mit ihnen die Verkörperung des Disco-Phänomens, als John Travolta das hautenge Leibchen überstreifte und erotisierende Hüftschwünge aufs Parkett legte.

Die werden auch von etlichen Tanzpaaren im Saal nachgeahmt, so dass es der musikalischen Aufforderung „You should be dancing“ eigentlich nicht bedurft hätte. Anderthalb Stunden beweist die Band aus Worms, wie nah sie dran ist am Original.

Nach so viel Rhythmus und Pop-Power hat es der eigentliche Haupt-Act des Abends nicht leicht, noch eins drauf zu setzen: Albert Hammond mit Band. Der 70-Jährige, der unter anderem für Barbra Streisand und Whitney Houston Welthits schrieb, lässt dennoch keinen Zweifel aufkommen, dass seine Mitklatsch-Garanten nach wie vor ins Blut gehen: „Down by the river“ und „Free electric band“ etwa oder auch „Give a little love“. Spätestens bei „It never rains in Southern California“ stellt sich das Lebensgefühl von damals wieder ein. Und mehr kann man wirklich nicht wollen.

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