Von Remis bis Neuauszählung

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Fünf Vorstandsmitglieder des Kinder und Jugendparlaments, von links: Semir Kurtanovic (stellvertretender Vorsitzender), Dennis Lat (Vorsitzender), Dominik Imeraj (stellvertretender Vorsitzender), Simon Gmelin (Kassenwart) und Dragana Gavric (Schriftführerin).

Offenbach ‐ Ein Patt bei der Abstimmung über die Vorsitzenden und nicht abgegebene Wahlzettel, die einen erneuten Urnengang erforderlich machten: Von Sebastian Faerber

Die siebte Vollversammlung des Kinder- und Jugendparlaments (KJP) zeigte den Nachwuchspolitikern, wie schwerfällig sich demokratische Prozesse gestalten können. Nach langen Verhandlungen konnten sich die Delegierten am frühen Abend aber mit einer neuen Spitze in die Weihnachtsferien verabschieden.

Zum Vorsitzenden des Parlaments wählten die Delegierten den sichtlich erfreuten Dennis Lat. In der Abstimmung konnte er sich gegen die bisherige Amtsinhaberin Dragana Gavric durchsetzen. „Vorsitzender zu sein heißt nicht einfach nur, ein Umhängeschild zu tragen“, ist sich Lat bewusst. Zwar blicke er seinen neuen Aufgaben mit Freude entgegen, doch bedeute die Position „durchaus auch mehr Verantwortung und Arbeit.“ Bisher war Lat Beisitzer. In Zukunft leitet er die Vollversammlungen und organisiert den Vorstand.

Dragana Gavric, die ehemaligen Vorsitzenden, bleibt dem Gremium als Schriftführerin erhalten. „Wenn ich den Posten jemandem gönne, dann Dennis“, zeigte sich die 17-Jährige als gute Verliererin. Auch ihr Nachfolger fand lobende Worte: „Dragana hat eine sehr gute Arbeit als Vorsitzende geleistet und hat mit ihrer lustigen Art das KJP stets auf Trab gehalten hat.“ Darüber, dass sie im Parlament weiterhin engagiert ist, zeigte sich Lat äußerst erfreut.

Als erster Stellvertreter tritt im neuen Jahr Semir Kurtanovic sein Amt an, als zweiter Stellvertreter Dominik Imeraj. Neu im siebenköpfigen Vorstand sind Simon Gemlin, der sich künftig als Kassenwart um die Finanzen des Parlaments und den Etat von 5000 Euro kümmert. Sowie die beiden Beisitzer Swer Adil und Sven Nagel.

Das KJP kam erstmals 1998 zusammen. Die Parlamentarier sind bis zur sechsten Klasse in einer Kinderfraktion, die älteren in einer Jugendfraktionen organisiert. Die Mitglieder haben sich zum Ziel gesetzt, die Interessen ihrer Generation in Offenbach zu vertreten. Über verschiedene Wege nehmen sie auf die Entscheidungen der Stadt Einfluss. Etwa hat das KJP einen beratenden Sitz im Jugendhilfeausschuss (JHA), über den sie Anträge an die Stadtverordnetenversammlung stellen. Außerdem genießen sie Rederecht. Viermal im Jahr besuchen Delegierte zusammen mit dem Oberbürgermeister Offenbacher Schulen und beraten über aktuelle Probleme. Wichtiges Werkzeug des Parlaments sind seine Arbeitsgemeinschaften.

Solch eine neue AG beschloss die Vollversammlung im Stadtverordnetensitzungssaal: „Buntes Offenbach“ will in der Stadt für mehr Grünflächen, Sauberkeit und Sitzflächen sorgen, Gewässer säubern und Teile von Gehwegen kunstvoll besprühen. Erstmals die Arbeit aufnehmen soll auch „OF Mainstadt“, die sich etwa um den Erhalt von Skateanlagen kümmert. Die AG Öffentlichkeit und Event verlängerte das Gremium, was bedeutet, dass auch weiterhin Veranstaltungen wie Volleyball- oder Straßenfußballturniere ausgetragen werden und das KJP Jugendfestivals organisiert.

Die Kinderfraktion setzte durch, den bereits existierenden Kinderstadtplan zu überarbeiten, mögliche Maßnahmen gegen Armut in Offenbach zu analysieren und zu prüfen, ob sich ein Platz in der Stadt als Biotop eignet.

Die Abstimmungen gestalteten sich mitunter schwierig. Drei verloren gegangene Stimmzettel machten bei den Vorstandswahlen einen zweiten Gang erforderlich und stellte das Sitzfleisch der jungen Parlamentarier auf die Probe. Ebenso ging aus der Wahl der Beisitzer zunächst keiner der Kandidaten als Sieger hervor, woraufhin die Urnen erneut befragt wurden. Ein Stellvertreter kam mangels Zeit zu Amt und Würden. Er hatte die zweithöchste Anzahl an Stimmen erhalten. Aber ähnliche Zustände waren ja kürzlich auch aus Rheinland-Pfalz zu hören, wo die Abgeordneten wegen des drohenden Wintereinbruchs in ungewohnter Weise auf die Tube drückten.

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