Kunst aus der Werbegestaltung

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Renate Vogl hat dreißig Jahre Erfahrung im Siebdruck.

Offenbach - Die Offenbacher Siebdruckerin Renate Vogl sieht sich durchaus in der Tradition der Pop-Art-Legende Andy Warhol: „Er war derjenige, der diese Drucktechnik aus der Werbegestaltung kannte, aber daraus eine ganz eigene Kunst entwickelte in seiner New Yorker Factory.“

In Vogls Ein-Frau-Betrieb, dem „Studio für Serigrafie“ in Offenbach, geht es freilich ruhiger zu als in Warhols Räumlichkeiten. Aber auch im Nordend-Studio stellen sich bemerkenswerte Künstler ein, um Ideen, Entwürfe oder fertige Vorlage anspruchsvoll drucken zu lassen. „An diesen etliche Jahre alten Postern sehen Sie: Die intensiv leuchtende Farbe ist so frisch wie früher“, preist Vogl die Vorzüge der aufwändigen und durchaus nicht billigen Drucktechnik. „Ich habe schon gleiche Motive in Sieb- und Offsetdruck nebeneinander gesehen, gegen das serigrafierte Schwarz wirkte Offsetfarbe grau“, beschreibt sie die Qualität des Verfahrens.

„Gegenüber den in manchem sehr unorthodoxen Arbeitsweisen im Warhol-Studio ist bei mir einiges verändert“, sagt Vogl, um dann die Schwere alter Siebdruck-Metallrahmen gegenüber neueren aus Alu zu demonstrieren. Die Dichte der Siebfäden beträgt auf einem Zentimeter oft 50 oder auch 120.

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Trotzdem kann das Sonnenlicht bestens durch das feine Gewebe dringen, das früher einmal aus Seide war, heute aber aus filigranen Polyestermaschen. So gut wie das Licht dringt die Druckfarbe ein, die erst aufs fest gespannte Sieb aufgestrichen und dann mit der Rakel aufs Papier oder andere Gründe gedrückt wird, entsprechend der fotografisch oder mit Episkop aufkopierten Vorlage - oder auch der per Hand geschnittenen und aufgelegten Schablone. Der Durchdruck mit verschiedenen Formen und Farbzonen wird Schritt für Schritt aufgebaut, wobei die Farbintensität von Dichte und Qualität der Siebfäden abhängt.

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Industrieller Siebdruck ist das ebenso wenig wie in den Warhol-Studios. Hier wie dort geht es um „Kunst-Handwerk“, so nennt das auch die Offenbacherin mit 30-jähriger Berufserfahrung. Wenn man sieht, wie sie Blatt für Blatt oder Stoff für Stoff druckt, um dann jedes Stück sorgfältig in die Fächer der hölzernen „Trockenhorde“ zu legen, versteht man, was die Warhol-Crew in der New Yorker Factory immer neu begeistert hat.

Aber in Vogls Studio wird auch kostenbewusst gearbeitet, benutzte Drucksiebe werden gereinigt oder „entschichtet“. Sparen kann die Druckerin aber weder bei den Ideen noch den Farben. Aus ihrer reichen Kollektion von Druckfarben zaubert sie immer neue Töne und Nuancen hervor, ohne sich auf Farbtabellen einzulassen. Im Gegensatz zu Warhol, der fast stoisch Fehler seiner Mitarbeiter beim Kopieren von Vorlagen hinnahm, versucht sie im Interesse ihrer Kunden perfekt zu sein…

(rg)

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