Ring-Center war Präsentationsfläche Offenbacher Präventionstag

Respektvollen Umgang geübt

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Auch das gehörte zum Präventionstag gestern im Ring-Center: Geschwister-Scholl-Schüler bei der Zweirad-Fahrsimulation der Verkehrswacht Offenbach.

Offenbach - „Respekt – Zivilcourage, Hilfe und Prävention“ lautet gestern das Motto des 8. Offenbacher Präventionstags, der generationenübergreifend Verständnis wecken und zum Nachdenken anregen soll. Von Harald H. Richter 

Im Rollstuhl sitzend, gelingt es Murat nur mit einiger Kraftanstrengung, über die Klapprampe in den bereitstehenden Linienbus zu gelangen. „Echt schwierig, und man muss aufpassen, nicht die Balance zu verlieren“, beschreibt der 14-jährige Geschwister-Scholl-Schüler seine Eindrücke. Ein Klassenkamerad schlüpft unterdessen am Stand von DAK und Verkehrswacht in einen Alterssimulationsanzug, der die Beweglichkeit einschränkt, und versucht einen Rollatoren-Parcours zu bewältigen.

Das sind nur zwei auf dem Freigelände des Ring-Centers simulierte Alltagssituationen, wie sie im wahren Leben zu beobachten sind, wenn Menschen sich nicht mehr so flink fortbewegen können und bisweilen auf Hilfe Dritter angewiesen sind. „Respekt bedeutet, einander zu achten und anständig zu behandeln. Er drückt eine positive Grundhaltung anderen gegenüber aus“, formuliert Dr. Felix Schwenke, Ordnungsdezernent und zugleich Vorsitzender des Präventionsrats, in seiner Eröffnungsansprache eine Botschaft an die Passanten. Die beäugen neugierig, was sich auf der Präsentationsfläche im Inneren des Centers tut.

Dort haben Mitglieder des Vereins People’s Theater zum Auftakt einen „Poverty Dance“ für Respekt und Toleranz dargeboten, den sie im Lauf des Tages noch einige Male präsentieren wollen. Gleich darauf stellt der DRK-Kreisverband im Rollenspiel sein „Heroes“-Konzept vor. Es wendet sich gegen Unterdrückung im Namen der Ehre und tritt für Gleichberechtigung ein. „Momentan sind vorwiegend junge Männer mit Migrationshintergrund im Alter von 16 bis 21 Jahren in das auf drei Jahre angelegte Projekt eingebunden“, erläutert Koordinatorin Anja Straubel. Am Ende des ersten Jahres werden sie zertifiziert, was sie befähigt, eigenständig Workshops in Schulen und Jugendeinrichtungen anzubieten. Faustsport mit Respekt veranschaulicht Geschäftsführer und Trainer Bernd Hackfort mit seinen Jungs vom Boxclub Nordend bei einer Vorführung.

„Für uns ist das Motto des Präventionstags ebenfalls von Bedeutung“, betont die Vizepräsidentin des Polizeipräsidiums Südosthessen, Anja Wetz. Unhöflichkeit, herabwürdigende Gesten bis hin zur Gewaltanwendung gegenüber Beamten seien keine Einzelfälle mehr, so ihre Feststellung. Neben dem Kriminalitätsopferverein Weißer Ring um Außenstellenleiter Alfred Huber machen weitere Institutionen auf ihre Arbeit aufmerksam. Auch die Geschäftsstelle Kommunale Prävention, die beim städtischen Ordnungsamt verortet ist, geht auf das Motto ein. Mitarbeiter Daniel Krüger lässt am Meinungsbarometer Aussagen zur Respektlosigkeit im Alltag bepunkten.

In Gewaltkonflikten richtig verhalten

Dass im Alltag entstehende Konfliktsituationen mit ein wenig Courage beizulegen sind, zeigen Jugendliche der Scholl-Schule. Im Außenbereich demonstrieren sie, wie etwa Bedrängten geholfen werden kann, die im Bus belästigt werden. Informationen rund ums Thema Sicherheit geben die Offenbacher Verkehrsbetriebe an Passanten weiter. Ebenfalls präsent ist die Präventionsfachstelle des Suchthilfezentrum Wildhof und lässt Schüler die Rauschbrille ausprobieren.

Fünf von Pro Familia für Schüler angebotene Workshops zum respektvollen Umgang mit sexueller Vielfalt sind ausgebucht. „Die Nachfrage lag um das Dreifache höher“, berichtet Frank Weber vom Ordnungsamt. So erfreulich hier diese Resonanz sei, müsse man aber auch konstatieren, dass die Resonanz insgesamt die Erwartungen nicht erfülle. Denn der von rund zwei Dutzend Präventionspartnern erhoffte Besucheransturm bleibt auch am Nachmittag aus.

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